Grand Prix-Fernsehübertragung: RTL steigt aus, Interview mit dem RTL-Sprecher (Archivversion) »Dem Grand-Prix-Sport fehlt die deutsche Perspektive« <br /><br /> Matthias Bolhöfer ist Pressesprecher unter anderem für die Sportprogramme von RTL.

Herr Bolhöfer, RTL hat sich ziemlich kurzfristig entschieden, die 2004 begonnene Übertragung der MotoGP-Rennen dieses Jahr nicht fortzusetzen. Warum?
Wir haben uns mit der Entscheidung nicht leicht getan, aber als wir dann das Thema Motorrad-WM abschließend mit Blick auf programmlichen und wirtschaftlichen Erfolg geprüft haben, wurde beschlossen, Abstand zu nehmen.
Waren die Einschaltquoten so schlecht?
Wir hatten im Durchschnitt 0,98 Millionen Zuschauer bei den Übertragungen. Das ist nicht die Quote, die einen Marktführer zufrieden stellen kann.
Wie hoch hätte die Quote denn sein müssen?
Das kann ich so gar nicht
sagen. Aber es hätte eine positive Tendenz erkennbar sein müssen. RTL wurde klar, dass die Voraussetzungen für 2005 um keinen Deut besser sind als im Vorjahr. Bestenfalls hätten wir die Quoten wohl nur halten können.
Woran liegt’s?
Der Motorrad-WM fehlt die deutsche Perspektive. Erfolgreiche deutsche Teilnehmer, die regelmäßig in die Top Ten fahren, oder in irgendeiner Klasse ein deutscher Hero, der auch mal für ein Podest gut ist. Dieser Faktor fehlt, und das ist kein Geheimnis.
RTL hat einiges unternommen, um Alex Hofmann in der MotoGP-Kategorie aufzubauen...
Richtig. Aber Hand aufs Herz: Wer glaubt denn, dass
Hofmann bei allem vorhandenen Talent dieses Jahr unter die Top Five fährt? Das scheitert doch allein am Material.
Hat der deutsche Motorradsport Ihrer Meinung nach ein
strukturelles Problem? Hätten Sie mehr Unterstützung vom Verband oder der Industrie erwartet?
Dazu möchte ich mich nicht äußern.
RTL soll gehofft haben, mit den Motorrad-Übertragungen eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Hat das geklappt?
Nicht so, wie wir uns das gedacht hatten. In der gewünschten Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren hatten wir
einen Marktanteil von knapp zehn Prozent. Das liegt weit unter dem, was RTL mit seinen Programmen sonst erzielt.
RTL hat aufwendig produziert, mit einem großen Team an der Rennstrecke. Wurde das zu teuer?
Die wirtschaftlichen Aspekte haben bei unserer Entscheidung nicht den Ausschlag gegeben. Wir hatten durchaus Rückläufe aus Werbung und Sponsoring.

Das Interview führte MOTORRAD-Redakteur Andreas Schulz

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