Grand Prix Frankreich in Le Castellet (Archivversion)

Ueda verletztTraurigesJubiläumSein 100. Grand Prix geriet für Noboru Ueda zum traurigen Jubiläum. Bei einem Highsider wegen Kolbenklemmers riß er im 125er Rennen den Italiener Gianluigi Scalvini mit zu Boden, wurde von dessen Maschine getroffen und trug einen offenen Bruch des rechten Oberarms davon. Dabei wurde der für die Kontrolle der Finger zuständige Hauptnerv durchtrennt, konnte bei einer Operation in Marseille aber wieder zusammengefügt werden. Teilweise kehrte das Gefühl in der Hand wieder zurück, doch ob sich der fröhliche Japaner vollständig von der Verletzung erholen wird, kann derzeit keiner voraussagen. »Auch Mick Doohan hat seine schwere Verletzung von 1992 überwunden und wurde anschließend viermal Weltmeister. Ich möchte auf jeden Fall wieder fahren«, kündigte der unverwüstliche Publikumsliebling an.MuZ-PilotenGlückloseSucheDas 500er MuZ-Team hat bei der Suche nach einem Top-Piloten als Ersatz für den verletzten Doriano Romboni wenig Fortune. In Le Castellet sollte der Franzose Jean-Philippe Ruggia antreten, erhielt von seinem Bimota-Supersport-Team aber keine Freigabe. Für Jarama wurde die GP-Premiere des Spaniers Gregorio Lavilla geplant, der in der Superbike-WM zuletzt spektakuläre Erfolge feierte und bei einem ersten Test auf der MuZ vielversprechende Zeiten erzielte - doch Lavilla biß bei seinem De Cecco-Ducati-Team ebenfalls auf Granit. Hinter den Kulissen laufen deshalb immer noch Verhandlungen mit Luca Cadalora, der bei Yamaha derzeit Jean-Michel Bayle vertritt. Der Italiener erklärte zwar, er werde die Rennen lieber im Fernsehen anschauen, statt auf die MuZ zu steigen. Doch MuZ-Sponsor Michel Métraux und Leo de Graffenried, Manager des WM-Vermarkters Dorna, planen, den bei einem Comeback von Bayle wieder arbeitslosen Cadalora notfalls mit Dorna-Geldern von den Qualitäten der 500er zu überzeugen. Vorläufig allerdings bleibt MuZ-Testfahrer Eskil Suter im Amt, der beim Frankreich-GP Startplatz 15 eroberte und nach zwei Rennrunden stürzte.KleiderordnungRüge fürRossiAprilia-Star Valentino Rossi, der nach seinem zweiten Platz in Mugello in fröhlichem Strand-Outfit mit Shorts und Sonnenbrille auf die Ehrenrunde ging, mußte sich spießbürgerliche Kritik gefallen lassen: Francesco Zerbi, Präsident des Weltverbands FIM, und Dorna-Direktor Carmelo Ezpeleta echauffierten sich in einem Brief an Aprilia, die Grand Prix seien ein ernster Sport und ein solches Gebaren sei unakzeptabel. Rossi wurde von dem Vorgang in Kenntnis gesetzt, blieb aber von einer Strafverfolgung verschont.Jacque sauerNur neueWellenHonda-Werksfahrer Mick Doohan fand heraus, daß seine Handlingprobleme nicht nur vom Bleifreisprit, sondern auch von der Vordergabel stammten. Showa hatte in der exklusiven Werksgabel Detailveränderungen vorgenommen, von denen Doohan nichts wußte. Seit er auf die auch für Leasingkunden erhältliche SWS («Special Works Support«) Version zurückgreift, liegt sein Motorrad wie ein Brett. Andere technische Sensationen gibt es bei Honda nicht: Die 500er und 250er Teams wurden zwar mit besser vergüteten Kurbelwellen ausgestattet, um die Laufleistung der Wellen auf Vorjahresniveau zu heben, doch die Weiterentwicklung der maroden 250er steht still, weil sich bei Honda alles auf die technische Vorbereitung der Suzuka-Acht Stunden-Teams Ukawa/Itoh, Slight/Okada, Kocinski/Edwards und Takeda/Katoh konzentriert. Das Chesterfield-Honda-Team von Olivier Jacque ist darüber so sauer, daß Teamchef Hervé Poncharral nächstes Jahr zu Yamaha desertieren und in die Halbliter-WM einsteigen will. Auch im Castrol-Honda-Team von Stefano Perugini herrscht Verbitterung. Cheftechniker Sepp Schlögl: »Mit den Vorjahresmaschinen wären wir schneller!“

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote