Grand Prix Italien in Mugello (Archivversion) Nahverkehr

Für die Honda-Stars Valentino Rossi und Tohru Ukawa wird die Luft in der MotoGP-WM dünner. Yamaha rückt der Konkurrenz mit seinen Assen Max Biaggi und Carlos Checa immer dichter auf die Pelle.

Die Anklagepunkte klangen vernichtend: Fahrzeug mit unzulässiger Auspuffanlage, mit geräuschvollen Bremsen, keine Hupe. Vor allem aber fiel Valentino Rossi auf durch »rechtsseitiges Überholen, verschärft durch die Nähe einer Kurve«, weshalb er nach der Zieldurchfahrt in Mugello auch prompt mit roten Warnschildern von Gesetzeshütern angehalten wurde und einen Strafzettel verpasst bekam.Dem Fan-Club des Temposünders – einer der als Carabinieri verkleideten Tifosi entpuppte sich als Vater von Rossis ständigem Begleiter Ucio - gehen die Ideen ebensowenig aus wie Rossi die Lust am Überholen. Immerhin hatte sich der Weltmeister im Warm-up am Sonntagmorgen einen Sturz geleistet und rückte im Rennen mit der Ersatzmaschine aus.Und immerhin musste er sich auf dem Weg zum vierten Saisonsieg in der MotoGP-WM mit einem abermals klar stärker gewordenen Yamaha-Werksteam abplagen. Hatte es für Max Biaggi beim Frankreich-GP zwei Wochen zuvor nur für eine Runde Führung gereicht, so behauptete er sich vor heimischer Kulisse in Mugello schon deren sechs vor seinem Erzrivalen und verlor bis zum Zielstrich nur 2,4 Sekunden. »Ich bin entzückt«, ließ Max wissen. »Dieser Erfolg ist eine Wohltat, auch für das Team, das mich erst nach dem Zieldurchlauf und nach der Siegerehrung gleich noch einmal umarmt hat.« Die gute Laune im Team herrschte schon ab Freitag, zeitgleich mit den ersten Proberunden eines neuen Fahrwerks, das den Marlboro-Yamaha-Stars dank anderer Geometrie, neuer Gewichtsverteilung und einer eleganteren Linie mit besonders enger Wespentaille für guten Knieschluss am Tank ein ganz neues Fahrgefühl bescherte. »Ich habe plötzlich viel mehr Zutrauen zum Vorderrad, kann deshalb schneller in die Kurven rollen, sogar mit gezogener Bremse, und das Vorderrad schiebt trotzdem nicht so nach außen wie bisher«, frohlockte Carlos Checa, der am Freitag die vorläufige Bestzeit vorgelegt hatte, am Samstag aber wegen eines abgerissenen Ventils im Motor der Nummer-eins-Maschine mit seinem alten Motorrad ausrücken musste und auf Startplatz drei zurückfiel. »Unsere Probleme im Abschlusstraining haben uns wertvolle Vorbereitungszeit gekostet. Mein Motor war ein Tick zu langsam«, begründete der Spanier, warum er sich im Rennen hinter Tohru Ukawa mit Platz vier begnügen musste. Teamkollege Max Biaggi hielt am ersten wie am zweiten Trainingstag Platz zwei besetzt, war mit seiner Begeisterung über das neue Fahrwerk aber verhaltener als sein Teamkollege. »Dank des schmalen Tanks ist das Motorrad leichter zu fahren, und auch ich kann das bessere Gefühl fürs Vorderrad bestätigen. Doch wir suchen immer noch nach mehr Handlichkeit, um die Maschine bei schnellen Richtungswechseln flinker umlegen zu können. Wir haben mittlerweile ganz klar ein konkurrenzfähigeres Motorrad zur Verfügung – dennoch gibt es nach wie vor eine Lücke, die es zu schließen gilt.« Kleiner wurde diese Lücke auch im Aprilia-Team, das in der MotoGP-WM wie Yamaha auf einen Reihenmotor setzt, allerdings mit drei statt vier Zylindern und mit pneumatisch unterstützter Ventilsteuerung. Dunlop lieferte einen neuen, mächtigeren Hinterreifen, der Régis Laconi zwar Handlichkeit beim Umlegen kostete, der bärenstarken RS³ dafür aber genügend Auflagefläche beim Heruasbeschleunigen bot, um die Kraft auch auf den Boden zu bringen. Der seit Saisonbeginn mit einem italienischen Pass ausgerüstete Franzose quetschte die fünftschnellste Trainingsrunde aus seiner schwarzen Maschine. Er vermurkste allerdings den Start und fiel auf Rang 13 zurück, genoss auf der langen Mugello-Zielgeraden im Rennverlauf dank schierer Power dann aber etliche Überholmanöver und freute sich als Achter über das bislang beste Endresultat. »Bei meiner Aufholjagd habe ich die Reifen verschlissen. Die Haltbarkeit lässt immer noch zu wünschen übrig, ebenso der Grip in voller Schräglage«, analysierte Laconi. Trotzdem wurde bei Aprilia ein Etappensieg gefeiert – ganz anders als bei Suzuki, wo Kenny Roberts seine Maschine vom achten Platz ins Kiesbett grub und der abgeschlagen auf Rang 14 umherkurvende Sete Gibernau das Handtuch warf. »Als der Motor heiß wurde, hing die Maschine nicht mehr am Gas, ich hatte beim Beschleunigen keinerlei Gefühl fürs Hinterrad. Um die Zeit wieder gutzumachen, die ich am Kurvenausgang verlor, habe ich besonders spät gebremst und dabei das Vorderrrad blockiert«, begründete der zerknrischte Roberts seinen Abflug. Und sein spanischer Teamkollege: »Die Rutschkupplung fürs Hinterrad funktioniert immer noch nicht, im Gegenteil: Das Hinterrad blockiert immer wieder. Ich musste ins Gras, versuchte mein Glück aufs Neue, doch die Probleme beim Bremsen verfolgten mich so hartnäckig, dass ich lieber an die Box fuhr.« Auch Loris Capirossi, der mit seinem sechsten Platz die Zahl von genau 2000 WM-Punkten in seiner Karriere vollmachte, feierte seine Lebensleistung nur mit verhaltener Freude. Mit Alex Barros auf Rang fünf – er hatte einen länger haltbaren Hinterreifen gewählt wie Capirossi - war das West-Honda-Pons-Team zwar wieder einmal bestes Zweitakt-Ensemble, doch Podestplätze wie zu Saisonbeginn sind angesichts der schneller gewordenen Viertakt-Yamaha kaum mehr in Sicht. »Für uns gleicht das Ergebnis einem Doppelsieg. Denn die Honda- und Yamaha-Viertakter fahren auf einer ganz anderen Ebene«, brachte es Teamchef Sito Pons auf den Punkt.

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