Grand Prix Japan in Suzuka (Archivversion)

Parc fermé:GP-SpielregelnKonstrukteurean die MachtIm Tauziehen um die Macht im Grand Prix-Sport zerren nach der Teamvereinigung IRTA und der TV-Agentur Dorna nun auch die Konstrukteure an einem der vielen Seilenden. Bei einem Gipfeltreffen in Genf in der Woche vor dem japanischen WM-Lauf einigte sich die Grand Prix Manufacturers Association (GPMA) mit der internationalen Motorradsport-Föderation FIM darauf, die technischen und sportlichen Regeln im Grand Prix-Zirkus ab 1997 selbst in die Hand zu nehmen. »Dann ist es mit Fehlentscheidungen wie dem unsinnigen Ersatzmaschinenverbot oder dem neuen Gesamtgewicht bei den 125ern vorbei«, triumphierte Aprilia-Teamdirektor Carlo Pernat, dessen Firma nach Jahren der Rivalität mit Honda, Yamaha, Suzuki und Cagiva nun endlich auch der GPMA beitrat, um eine Einheitsfront gegen die selbstherrliche IRTA bilden zu können. Denn die hatte die Regeln in den letzten fünf Jahren weitgehend im Alleingang ausgeheckt und trat dabei immer wieder ins Fettnäpfchen. »Wir haben der IRTA die Hand gegeben, und sie hat den ganzen Arm genommen. Jetzt ist es Zeit, daß die FIM wieder die Regie übernimmt. Die IRTA soll sich um die Starterfelder und um die Organisation im Fahrerlager kümmern. Die Politik hat sie nicht zu interessieren«, verkündete der neue FIM-Präsident Francesco Zerbi. Die Vereinbarung mit der GPMA ist freilich nicht nur ein erfolgreicher Schlag gegen die IRTA, sondern auch ein Stück Zukunftssicherung: Bislang hielt die mittlerweile mit der IRTA verkrachte Dorna die Rechte über das Regelwerk in Händen, gab sie aber in einer Sondervereinbarung an Zerbi zurück. Einem eventuellen Verkauf der hochverschuldeten Dorna nimmt das die politische Brisanz.elf 500Big Bang,Big BudgetIRTA-Präsident und elf 500-Teamchef Michel Métraux stellt sein Unternehmertalent auch in seinem Rennstall immer wieder unter Beweis: Jetzt köderte der erfolgreiche Schweizer Geschäftsmann den Getränkekonzern Pepsi als Sponsor, der seine Softdrinks künftig über das elf-Tankstellennetz in England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz vertreiben und einen Großteil der auf 4,5 Millionen Schweizer Franken pro Jahr bezifferten Kosten des Teams abdecken wird. Eigentlich war die Premiere der elf 500 in Pepsi-Farben schon für Suzuka geplant, wurde aber auf den Spanien-Grand Prix Anfang Mai verschoben: Pepsi präsentiert demnächst ein neues, weitgehend in blau gehaltenes Logo und wollte die Premiere nicht vorwegnehmen, die angesichts der Ergebnisse in Suzuka - Sturz für Adrian Bosshard, Ausritt und Schlußrang 18 für Juan Borja - verheerend verlaufen wäre.Eine technische Neuerung an der von einem Swissauto-V4-Motor angetriebenen elf 500 ist für den Juni geplant. Nachdem Swissauto-Konstrukteur Urs Wenger zu Saisonbeginn noch gehofft hatte, ohne das für eine sanftere Leistungsabgabe bekannte Big Bang-Prinzip auszukommen, macht sich das kleine Schweizer Motorenwerk nach dem verheerenden Reifenverschleiß in den ersten Rennen nun doch eiligst an die Entwicklung eines V4 mit eng aneinandergerückter Zündfolge und einer Ausgleichswelle wegen der zu erwartenden Vibrationen. Der Clou daran: Um die Zündfolge in kleinen Schritten variieren und das Optimum mit vertretbarem technischem Aufwand herausfinden zu können, sind Kurbelwelle und Ausgleichswelle wie bei der Honda NSR 500 verstellbar.Klassenwechsel 1996?Der Traum vonHermann KurzYamaha 125-Teamchef Hermann Kurz ist seit Saisonbeginn wahrlich nicht vom Glück verwöhnt. Ein Teil seiner Moto Cross-Piloten haderte mit Verletzungspech, seine GP-Fahrer Yoshiaki Katoh und Youichi Ui erlebten in Malaysia und Indonesien ein Desaster. In Japan kam der umtriebige Schwabe erstmals in diesem Jahr persönlich zu einem Grand Prix und stand seinen Renningenieuren Harald Bartol und Heinz Röhrich bei der technischen Revision der 125 cm-Aggregate mit Rat und Tat zur Seite - nur, um mit den Kolbenklemmern im Rennen den nächsten Tiefschlag zu erleben. Weil es ab jetzt nur noch aufwärts gehen kann, stattete kurz dem Yamaha-Werk einen Besuch ab, um das Terrain für künftige Großtaten zu sondieren. »Ui ist ein Ausnahmetalent, mit einer Intuition aus dem Bauch, die ihn vor dem Start eines Rennens in eine ganz andere psychische Ebene hebt«, erklärte Kurz. »Für den Fall, daß Tetsuya Harada Weltmeister wird und in die Halbliterklasse wechselt, habe ich den Traum, das offizielle Yamaha 250-Team zu übernehmen und Ui sowie einen zweiten, europäischen Fahrer ins Gefecht zu schicken.« Um solch ehrgeizige Projekte finanzieren zu können, ist das blitzsaubere Team mit den schönen, wie Silberpfeile daherkommenden Motorrädern auf Sponsorsuche. Derzeit ist die Elektronikfirma Toshiba als möglicher Geldgeber im Gespräch.Trennung von Yamaha?Roberts kämpftsich durchWährend das Team von Hermann Kurz und das von Wayne Rainey bei Yamaha Hochachtung genießen, kämpft Kenny Roberts mit seinem Halbliterteam um seine Stellung im Werk. Jahrelang übte er harsche Kritik am laschen Entwicklungstempo der Rennabteilung, worauf ihm heftiger Gegenwind ins Gesicht zu blasen begann. Seit Saisonende 1995 ist sein wichtigster Verbündeter Kazunori Maekawa seinen Posten als Yamaha-Rennchef los, seine Nachfolger beschränkten die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch mit Roberts auf das notwendigste Minimum. Daß Roberts seine Europazentrale derzeit ins britische Banbury und damit in die Nähe wichtiger Formel 1-Technikbetriebe verlegt, nährte Gerüchte, wonach die jahrzehntelange Ehe zwischen Roberts und Yamaha zum Jahresende endgültig in die Brüche gehen könnte und King Kenny danach den seit Jahren gehegten Traum eines eigenen Halbliter-Projekts verwirklichen will. »Die Gerüchte interessieren mich einen Dreck. Wir haben schon im letzten Jahr allen Stürmen getrotzt und werden das auch in diesem Jahr tun. Denn wir sind immer noch das beste Team und leisten mehr an wertvoller Entwicklungsarbeit als alle anderen«, sagte er bereits während des Trainings. Dann gewann Norifumi Abe ein historisches Rennen - und landete auch für den gebeutelten Teamchef einen wichtigen Sieg.Beatties neuer LookComebackmit GlatzeKenny Roberts junior bestritt in Suzuka sein erstes Rennen der Saison und stieg zum Schutz des vor Saisonbeginn gebrochenen rechten Beines erst einmal in einen von Michael Doohan geborgten Spezialstiefel. »Ich hätte schon in Malaysia fahren können, doch wegen des ganzen technischen Aufwands hätte die Entscheidung zwei Wochen zuvor gefällt werden müssen. Und da war das Bein noch in Gips«, erzählte KR junior und hielt ein Plauderstündchen mit Daryl Beattie, der nach einem heftigen Sturz bei Testfahrten und dadurch bedingten Gleichgewichtsstörungen ebenfalls erst in Japan zum Comeback antrat. Allerdings hatten selbst die intimsten Teammitglieder Schwierigkeiten, ihren Star zu erkennen: Während Freundin Meg ihren Blondschopf schulterlang trimmte, rasierte sich Beattie die braunen Locken kurzerhand völlig vom Kopf und tauchte zum Entsetzen von Teamfotograf Yves Jamotte mit spiegelblanker Glatze auf. Vermutungen, der Kahlschlag habe medizinische Gründe gehabt, dementierte Beattie. »Ich hatte einfach Langeweile«, grinste der Australier.

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