Grand Prix Malaysia in Shah Alam (Archivversion)

Modenas KR3Das rote TuchVor Saisonbeginn hatte die rund 160 PS starkeModenas KR 3 jeweils nur wenige Testrunden ohne Motorschaden überstanden. Doch in Malaysia gelang Kenny Roberts junior und Jean-Michel Bayle auf Anhieb die Qualifikation, in Japan holte die brandneue 500er Dreizylindermaschine unter Bayle dann sogar erstmals WM-Punkte.Beim Bau der Maschine, deren Technik bei Boxenstopps sorgfältig hinter roten Tüchern versteckt wurde, nahmen Teamchef Kenny Roberts senior und die mit ihm zusammenarbeitende Formel 1-Schmiede von Tom Walkinshaw auffallend viele Anleihen im Automobilbau. So stammt das Vergasergehäuse, im Innenleben mit Keihin- und Mikuni-Teilen bestückt, von Solid. Die Wasserpumpe wurde bei Volvo gebaut. Und auch beim Aufbau des Motors ging man in wesentlichen Details von den Verhältnissen beim Viertaktmotor aus. Ungeachtet der Druckverhältnisse im Rennzweitakter, der bei der KR 3 mit zirka 320 PS die 1,6fache Literleistung eines Formel 1-Motors freisetzt, wurden die Sicherungsstifte der Kolbenringe vergessen, was zu kapitalen Schäden führte. Außerdem wurde bei den schwingungstechnisch kritischen Dreizylindern auf eine Ausgleichswelle verzichtet, weshalb die KR 3 nun derartige Vibrationen freisetzt, daß die Techniker den Schalthebel beim Warmlaufen mit einem Gummiband fixieren, damit kein Gang reinspringt.Das schwächste Glied in der Kette ist jedoch die Kurbelwelle. Nur einer der liegenden Zylinder läuft in einem separat abgedichteten Kurbelgehäuse und ist zu beiden Seiten der Kurbelwangen gelagert. Die anderen beiden Zylinder, die sich in einem V im Winkel von 130 Grad gegenüberstehen und gemeinsam eine halbe Kurbelwellenumdrehung nach dem einzelnen Zylinder feuern, laufen in einem gemeinsamen Kurbelgehäuse und teilen sich die mittlere Kurbelwange. Das spart Baubreite, bedeutet bei hohen Drehzahlen aber kritische Biegeschwingungen der Kurbelwelle. Die belasten die Lagerung extrem und verursachen zusätzliche Schwingungen. Die Konstrukteure der elf 500, bei der sich auch jeweils zwei Zylinder ohne Mittenlagerung ein Kurbelgehäuse teilen, kämpften mit den gleichen Problemen und installierten im Sommer 1996 schon mal eine Ausgleichswelle. »Es stimmt, wir haben eine Menge Probleme«, räumte Teamboß Roberts die Kinderkrankheiten ein. »Doch mit Yamaha hatte ich auch eine Menge Probleme«, fügte er grinsend hinzu.

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