Grand Prix Malaysia in Shah Alam (Archivversion)

Luca lebtbescheidenStatt des Modekonzerns »benetton«, der im Februar endgültig nein sagte und nun den Japaner Tohru Ukawa unterstützt, heißt der neue Hauptsponsor in Luca Cadaloras Honda-Team Bescheidenheit. 800000 Dollar erhält der Italiener von Castrol, 400000 Dollar von Marlboro, doch zusammen mit Bekleidungsponsoren wie Arai, Dainese, Alpinestar und kostenlosen Ersatzteilen von Honda reicht das, um ohne große Not durch die Saison zu kommen. »Mir gefällt mein weißes Motorrad zwar nicht, aber ich werde mein Team auch nicht verschleudern. Alles hat seinen Preis«, erklärt Luca Cadalora und verzichtet lieber auf seine Gage, als die Honda mit kleinen Sponsoren zuzupflastern. Glücklicherweise interessiert ihn das Jet-Set-Dasein vieler Kollegen nicht im Geringsten: Cadalora lebt noch immer in einer 50 Quadratmeter-Wohnung in Modena und steuert einen sechs Jahre alten BMW.Aber Abe!Bei Yamaha hatte Cadalora im Herbst kurz und bündig drei Millionen Dollar Jahresgage gefordert, was ihm als eleganteste Lösung erschien, dem Team von Kenny Roberts endlich den Rücken zu drehen. John Kocinski, als Lucas Nachfolger im Gespräch, hatte den Fehler gemacht, mit dieser Forderung gleichzuziehen und erntete ebenfalls eine Abfuhr. Ohne Superstars fährt das Roberts-Team derzeit hinterher, wobei der Chef weniger von Neuling Jean-Michel Bayle als von Norifumi Abe enttäuscht ist. »Bayle saugt alles Neue auf wie ein Schwamm und kann es umsetzen, doch Abe hat wenig dazugelernt. Offensichtlich dachte er, daß alle Probleme mit dem Wechsel von Dunlop zu Michelin von selbst verschwinden und hat im Winter kaum an sich gearbeitet. Jetzt hängt er nach wenigen Runden körperlich in den Seilen«, schimpfte Roberts.Mad Maxzu Yamaha?Als Nummer eins-Kandidat auf eine Werks-Yamaha 1997 wird jetzt bereits Max Biaggi gehandelt. »Ich bin berühmt, und deshalb gibt es Gerüchte«, sagte Biaggi wichtig und schürte diese Gerüchte, indem er Michael Doohan ziemlich öffentlich über seine Meinung zu Yamaha ausfragte. Doch in Wirklichkeit wird Max immer weniger mit Angeboten bedrängt, je mehr er in der familiären GP-Szene als Egozentriker aus dem Rahmen fällt. In Malaysia weigerte er sich zum Beispiel, mit Cadalora und Stefano Perugini zu einem gemeinsamen Siegerfoto anzutreten, weil er allein im Rampenlicht stehen wollte. »Noch ein Jahr, dann soll sich ein anderer Teammanager mit ihm abplagen. Nach einem Monat will ich sehen, was er sagt«, stöhnte Aprilia-Teamdirektor Carlo Pernat.Beattie unddie BalanceSchwere Sorgen trieben auch Suzuki-Teamchef Garry Taylor um. Als die RGV 500 bei Tests eine Woche vor dem Saisonauftakt festging, wurde sein Star Daryl Beattie aus dem Sattel gewirbelt und landete hart auf dem Kopf. Der Vizeweltmeister erlitt eine Gehirnerschütterung, vor allem aber wurde das hinterm Ohr sitzende Gleichgewichtssystem durcheinandergebracht. Beattie pausierte in Malaysia und Indonesien und tritt erst in Japan wieder an.Doch auch sein Vertreter Katsuaki Fujiwara kam nicht weit. Verspätet am Samstag eingetroffen, reiste der 21jährige verfrüht am Sonntag wieder ab, weil er sich bei einem Sturz im Abschlußtraining Bänder in Schulter und Knie gezerrt hatte. Das Suzuki-Team war damit allein auf Scott Russell gestellt. Wegen der vielen Ausfälle wurde er in Malaysia Vierter, in Indonesien erwirtschaftete er Rang sieben.Waldi und dasSchlüsselbeinNeben Beattie hatte auch Ralf Waldmann bei den letzten Shah Alam-Tests Pech mit einem Kolbenklemmer. Waldi stürzte, erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, brach das linke Schlüsselbein und war trotz umgehender Operation und der Pflege eines eigens eingeflogenen Physiotherapeuten außer Gefecht. »Es geht nicht. Die Schmerzen sind zu stark«, warf er nach einigen Proberunden im GP-Training das Handtuch und verzichtete auf den ersten Grand Prix.Das teaminterne Duell mit Jürgen Fuchs ereignete sich nicht auf der Strecke, sondern in der Box, weil Waldmann nicht mehr sämtliche selbst erarbeiteten Einstelldaten an den Werksfahrer-Neuling weitergeben wollte. Statt die Auseinandersetzung zu schlichten, goß Teammanager Dieter Stappert Öl ins Feuer. In Sachen Menschenführung unübertroffen, verzichtete er auf ein klärendes Teamgespräch und stellte Fuchs stattdessen zweimal unmittelbar vor Trainingsbeginn lautstark wegen der Angelegenheit zur Rede.Magier gegenden RegenDafür gaben sich die Manager des ersten indonesischen GP alle Mühe, eine akzeptable Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Streckenbesitzer Tommy Suharto, Sohn des indonesischen Präsidenten und Alleinherrscher über nahezu alle wesentlichen Industrien des Landes, ließ die 1991 gebaute und 42 km südlich der Hauptstadt Jakarta gelegene Autorennstrecke für 20 Millionen Dollar auf Motorrad-Anforderungen zurechtschneidern. Hauptproblem ist denn auch nicht die relativ langweilige Strecke selbst, sondern das viele Regenwasser, das trotz neuer Drainagen schlecht von der Piste abläuft. Weil Sentul und die benachbarte »Regenstadt« Bogor in einer der niederschlagsreichsten Gegenden von ganz Asien liegen, wurden vorsichtshalber drei »Pawang Hujans«, traditionelle »Regenmeister« engagiert. »Sie arbeiten seit über einer Woche und verfrachten den Regen zu den nächstgelegenen Dörfern«, strahlte Streckendirektor Tinton Suprapto. Mit Erfolg: Ecclestonehilft DornaEinen Magier zaubert auch die spanische TV-Agentur Dorna aus dem Hut. Nachdem die Teamvereinigung IRTA im Tauziehen um die GP-Zukunft mit einem Vertrag der Schweizer Marketingfirma ISL auf Konfrontationskurs ging, schlägt die Dorna nun mit keinem Geringeren als Bernie Ecclestone zurück. Um die IRTA zu bändigen, meldet sich der Formel 1-Machthaber, der das Management seiner Firma »Two Wheel Promotions« 1992 der Dorna überließ und seither nur noch im Hintergrund der GP-Szene agierte, zurück und soll bereits die Kontrolle über die Dorna übernommen haben. Schon jetzt weht ein frischer Wind in den Geschäften: Die Dorna schloß mit Bernies Zustimmung einen mit drei Millionen Dollar jährlich dotierten Fünf-Jahres-Vertrag mit dem italienischen Fernsehsender Rai Uno. Damit kann die Motorrad-WM, bislang nur über einen Pay-TV-Kanal zu empfangen, im immens wichtigen italienischen Markt ab 1997 endlich im öffentlichen Fernsehen verfolgt werden.

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