Grand Prix Malaysia und Indonesien (Archivversion) Der weiße Riese

Luca Cadalora ging als armer Außenseiter mit weißer Verkleidung in die Grand Prix-Saison 1996 - und wurde gleich im ersten Rennen zum weißen Riesen.

Luca Cadalora winkte in Schräglage zum applaudierenden Publikum hinauf und hatte es sichtbar eilig, aus der Auslaufrunde in den Zielbereich der Shah Alam-Rennstrecke zurückzukehren. Denn dort wartete Erv Kanemoto, tränenüberströmt und fassungslos vor Glück, und bevor Luca Cadalora aufs Podest kletterte, lagen sich die beiden Freunde etliche kostbare Augenblicke lang für ihre eigene Siegerehrung in den Armen.Der Stein, der den beiden in jenem süßen Moment des Triumphs vom Herzen fiel, wog tonnenschwer. Überzeugt, mit Kanemoto an die ruhmreichen 250- cm³-Zeiten von 1991 und 1992 anknüpfen zu können, hatte Cadalora die Dollarmillionen von Yamaha ausgeschlagen und auf alles oder nichts gesetzt. Ohne Hauptsponsor besorgten die beiden ein Set des kostbaren Honda NSR 500Werksrenners, erlebten Rückschläge bei der Fahrwerksabstimmung und bei zermürbenden Budgetverhandlungen und kamen als arme Außenseiter mit weißer Verkleidung in Malaysia an.Nach dem ersten 500er Grand Prix der neuen Saison war Cadalora ein weißer Riese, der neben 25 Punkten im Kampf um den Titel auch einen Sieg für den Sport gelandet hatte.Und was für einen Sport. Cadalora stahl Weltmeister Michael Doohan vom Start weg die Show und verteidigte einen knappen Vorsprung bis in jene elfte Rennrunde hinein, in der der Halbliterlauf wegen einem tropischen Regenguß unterbrochen wurde. Bei der Fortsetzung eine knappe Stunde später machte es sich Cadalora in Doohans Windschatten gemütlich, weil er wußte, daß er nur am Hinterrad des Weltmeisters die Ziellinie überqueren mußte, um in der Addition beider Läufe den Gesamtsieg einzustreichen.Doch als Doohan Reifenprobleme bekam, ging Cadalora abermals in Führung und gewann am Ende mit nahezu fünf komfortablen Sekunden Vorsprung. »Das ist der Höhepunkt meiner Karriere«, strahlte der Italiener zufrieden. »Als es im ersten Lauf zu regnen begann, entging ich um Haaresbreite einem Sturz und hatte auch im zweiten Rennen ein paar böse Augenblicke. Deshalb war ich ganz damit einverstanden, hinter ihm zu bleiben. Doch als er langsamer wurde, blieb mir keine andere Wahl, als vorbeizugehen. Jetzt sind wir sooo glücklich - Erv hat sogar geweint vor Freude.«Und so, wie bei Cadalora und Kanemoto gefeiert wurde, so tanzte auch die Crew des italienischen Pileri-Rennstalls im Kreis. Alexandre Barros und Francesco Pileri waren nach einem für beide enttäuschenden Jahr 1995 eine Notgemeinschaft eingegangen, um überhaupt im Geschäft zu bleiben. Neue Sponsoren wie ein norditalienischer Schmuckbetrieb halfen Barros, den Kopf über Wasser zu halten. Sportlich waren nach dem sechsten Trainingsplatz in Malaysia keine Großtaten zu erwarten, doch in seinem feuchtheißen Lieblingsklima spulte der Brasilianer die Rennrunden mit der Unerschütterlichkeit einer Dampflokomotive herunter und buchte am Ende Platz zwei.Daß sich Sattelfestigkeit auszahlt, stellte auch deer drittplazierte Carles Checa fest. Der junge Spanier war 1995 als Vertreter des verletzten Alberto Puig auf die Fortuna-Honda 500 aufgerückt und hatte mit seiner überlegenen Führung und einem anschließenden Crash beim Saisonausklang beim Barcelona-Grand Prix für Furore gesorgt. Jetzt, nach seinem ersten Podestplatz, war er der neue Joker im Team. Denn der eigentliche Star der Mannschaft kurvte immer noch als Schatten seiner selbst an siebter Stelle umher, schwer gezeichnet von dem Beinbruch in Le Mans, bei dem auch ein wichtiger Nervenstrang verletzt worden war. »Du könntest eine Zigarette auf dem Bein ausdrücken, und ich würde nichts spüren«, verdeutlichte Alberto Puig, der trotzdem nicht aufgibt und wie einst Michael Doohan mit zusammengebissenen Zähnen über die Behinderung hinwegkommen will. »Viele Leute sagen mir, ich sei auf dem richtigen Weg, doch natürlich bin ich nicht glücklich mit diesem Resultat. Ich bin ungeduldig und will so schnell wie möglich zurück nach oben.«Und das wollten auch viele andere nach einem enttäuschenden Sonntag nachmittag. Michael Doohan führte im zweiten Lauf, wurde aber plötzlich langsamer und fiel auf Platz fünf zurück. »Ich spürte Vibrationen und dachte, vielleicht hat sich der Reifen auf der Felge gedreht. Doch in Rechtskurven brach der Hinterreifen plötzlich aus, und ich mußte Luca vorbeilassen. Ich konnte nichts dagegen tun und überlegte mir nur, was passieren würde, wenn der Reifen in Fetzen fliegt. Aber ich wollte ein paar Punkte retten und fuhr so sachte wie möglich nach Hause.«Doohan war schon im Training ernsthaft herausgefordert worden, als sein Honda-Teamkollege Tadayuki Okada mit der neuen Zweizylinder-Maschine eine souveräne Pole Position vorgelegt hatte. »Beim Einbiegen in die Kurve muß er mit 30 Kilogramm weniger fertig werden als ich. Wenn du diesen Vorteil in jedem Eck zusammenzählst, kommt eine gute Rundenzeit heraus«, analysierte Doohan. »Solange das Gewichtslimit nicht geändert wird, wird es auf engen Strecken von nun an hart für uns Vierzylinder-Piloten.«Okada bestätigte das mit strahlendem Lächeln. »Diese Rennstrecke hat jede Menge Kurven und kaum Geraden. Ich wußte, daß wir hier gut aussehen würden«, meinte der Japaner, der schon bei den Vorsaison-Tests alle bestehenden Rekorde hinweggefegt hatte.Die Vierzylinder-Piloten waren gedemütigt und setzten in Malaysia nur noch darauf, Okada gleich beim Rennstart mit ihrer überlegenen Beschleunigungskraft zu erledigen. Doch auch diese Hoffnung war trügerisch: Okada war schon in Runde eins als Sechster mitten im Pulk und brauchte danach gerade noch weitere sechs Runden, um in Führung zu gehen. Als es zu nieseln begann, hatte er einen bösartigen Ausritt und fiel auf Platz sieben zurück, doch nach dem zweiten Start fuhr er alsbald von neuem frech an allen 200-PS-Raketen vorbei. Okada hätte das Rennen wohl gewonnen, wurde aber zu übermütig und warf sein 135-PS-Fliegengewicht am Ende der Zielgeraden ins Kiesbett. »Ich ging zu schnell in die Kurve, bevor die Reifenflanke richtig warm war«, bedauerte er.Teamkollege Shinichi Itoh teilte sein Leid mit einem Sturz fünf Runden vor Schluß, und damit war auch die letzte Zweizylinder-500er von der Bildfläche verschwunden. Doriano Romboni hatte mit seiner Aprilia RSV 400 nämlich auf den Start verzichten müssen: Wegen anhaltender Reifenprobleme nur Achter im Training, stürzte der einzige Dunlop-Pilot des Halbliter-Feldes im Warm-Up am Sonntag morgen und zog sich eine schmerzhafte Muskelzerrung in der Wade zu.Auch Loris Capirossi hatte kein Glück: Im Training bereits schnellster Yamaha-Pilot, kämpfte sich der Italiener um Platz fünf im Rennen und rutschte aus, als es zu nieseln begann. »Ich bog in die Kurve ein und vor mir war die Piste naß. Ich hatte keine Chance«, meinte Loris und humpelte mit verstauchtem linkem Knöchel von dannen.Während Kenny Roberts junior wegen seines Beinbruchs bis zur Europasaison pausiert, retteten wenigstens Jean-Michel Bayle und Norifumi Abe im Team von Roberts senior die Yamaha-Ehre. Halbliter-Neuling Bayle kämpfte im ersten Lauf mit Leistungsverlust, schnappte sich dank der Regenunterbrechung die Ersatzmaschine und wurde immerhin Gesamt-Sechster. Abe wurde im ersten Lauf von Checa in den Kies gedrängt und war nur 16., zettelte in Lauf zwei aber eine Aufholjagd an und wurde noch Gesamt-Achter.Größere Siegchancen wurden Tetsuya Harada in der 250 er Klasse eingeräumt, weil Yamaha hoffte, daß er mit dem kräftiger gewordenen, längerhubigen Motor zumindest auf kurvigen Pisten besser mit Weltmeister Max Biaggi würde mithalten können. Doch schon im Abschlußtraining zeichnete sich ab, wie Biaggi anderntags mit der Konkurrenz umgehen würde. Als seine Aprilia streikte, schob er sie in der Gluthitze an die Box zurück, wartete eine halbe Stunde, bis die Mechaniker einen neuen Motor eingebaut hatten und räumte in den Schlußminuten noch mal eben die Pole Position ab.Im Rennen glänzte er mit einem lupenreinen Start-Ziel-Sieg, drehte wie schon 1994 und 1995 eine neue Rekordrunde und hatte bei alledem genügend Zeit und Vorsprung für die fröhlichsten Wheelies. Nach dem Zieleinlauf parkte er seine Maschine, hüpfte über die Mauer auf die Zielgerade und schleuderte seinen Helm ins Publikum. »Ein pefektes Rennen«, strahlte er. »Ich wählte weiche Reifen, machte am Anfang ordentlich Druck und ließ es dann ruhiger angehen. Ich hatte nur Sorgen, weil ich wie im Training wieder seltsame Motorgeräusche hörte. Doch offensichtlich war alles in Ordnung.«Harada verpatzte dagegen den Start und machte so die vage Hoffnung zunichte, wenigstens in Biaggis Windschatten bleiben zu können. Der Japaner brauchte fünf Runden, um sich von Platz sechs auf Platz zwei vorzuarbeiten, danach war sein Erzrivale längst über alle Berge. »Doch ich hätte auch mit einem guten Start kaum an Biaggi dranbleiben können. Mein Motor lief in den ersten beiden Runden schlecht, ich hatte kaum Speed auf der Geraden. Ich denke, es war ein Vergaserproblem, das nie richtig besser wurde.«Harada erreichte das Ziel fast 15 Sekunden nach Biaggi, weitere 19 Sekunden später traf der Überraschungs-Dritte Luis d´Antin ein. Auf Platz vier gönnte sich Olivier Jacque den ersten Erfolg als Honda-Werksfahrer noch vor seinem erfahrenen Teamgefährten Jean-Philippe Ruggia.Für den zweiten Werksfahrer-Neuling Jürgen Fuchs war hingegen nicht mehr drin als der siebte Platz. Nach einem Sturz im Abschlußtraining mit Prellungen übersät, kämpfte er mit einer schlecht abgestimmten Maschine. »Ich habe mich abgerackert wie noch nie. Von dem Highsider gestern tat mir alles weh, und wenn ich die Kurven nur anbremste, hat das Motorrad schon zu wackeln und zu schlenkern angefangen. Ein furchtbar einsames Rennen.«Da hatte es Peter Öttl im 125 er Lauf schon geselliger. Mit einem Trick bei der Vergasereinstellung kam der Aprilia Deutschland-Star besonders gut aus den Startlöchern, zischte aus der dritten Reihe wie eine Rakete nach vorn, schnappte sich Emili Alzamora aus dem Windschatten und war im Nu Zweiter hintere Stefano Perugini.Dirk Raudies, der schon im Training mit den Tücken der Honda-Schaltautomatik gekämpft hatte und auf ein KLS-System umrüstete, rollte im Rennen mit gebrochener Kurbelwelle aus. Peter Öttl dagegen verteidigte seine Position eisern und ging im letzten Renndrittel sogar zeitweilig in Führung. »Perugini und ich konnten uns absetzen. Als es acht Runden vor Schluß zu nieseln begann, habe ich gesehen, wie unser Vorsprung auf zwei Sekunden zusammenschrumpfte. Deshalb habe ich die Spitze übernommen und das Tempo forciert.«Doch weil viel Trainingszeit wegen technischer Probleme verstrichen und das Set-Up nicht ganz optimal war, hatte Öttl im Schlußspurt »unheimliche Rutscher« und mußte sich am Ende doch noch gegen Perugini und Weltmeister Haruchika Aoki geschlagen geben. »Ich war eingangs der letzten Runde Zweiter und wollte Perugini schnappen, machte aber einen Fehler auf der Gegengeraden und verlor wertvollen Speed, so daß mich Aoki noch erwischte. Nach meiner Verletzung im Winter und nach all den Problemen bei Tests und im Training bin ich aber trotzdem glücklich - jetzt ist das alte Selbstvertrauen wieder da!«Teamkollege Tex Geissler ließ hingegen den Kopf hängen. »Ich kam hervorragend vom Start weg und war überrascht, wie locker ich in der Verfolgergruppe mitfahren konnte. Ich schonte meine Reifen und wollte am Schluß attackieren. Doch dann ging der Motor fest - ich konnte nur mit Glück einen Sturz vermeiden!«Vizeweltmeister Kazuto Sakata hatte sich bei einem Sturz im Warm Up am Sonntagmorgen derart das Knie angeschlagen, daß er aus dem Streckenspital getragen werden mußte, schwang sich aber trotzdem in den Sattel und wurde tapferer Zehnter. Auch im Ditter Plastic-Team zahlte sich Durchhalten aus: Neuling Darren Barton stürzte nach zwei Trainings-Crashs zwar im Rennen erneut, dafür buchte Masaki Tokudome nach schweren Abstimmungssorgen einen achtbaren vierten Platz knapp hinter Öttl.GP IndonesienErst beim zweiten Rennen in Indonesien hatte Ditter-Cheftechniker Lucas Schmidt die neuen Aprilia-Werksmotoren mit Magnesium-Gehäuse richtig unter Kontrolle, worauf Tokudome seinen Kollegen schon mit dem dritten Trainingsplatz ordentlich einheizte. »Mein Motorrad läuft wie eine Rakete, doch in dieser Affenhitze weiß ich noch nicht, welchen Reifen ich verwenden soll«, grübelte er angesichts der nahezu 60 Grad, die über dem Asphalt gemessen wurden.Im Rennen entschied er sich für eine relativ weiche Mischung und legte mit viel Grip los wie ein geölter Blitz. Die meisten Runden hielt er seinen Landsmann Haruchika Aoki souverän in Schach, erst bei einem schlimmen Vorderradrutscher beim Bremsen zwei Runden vor Schluß zeigte sich, daß er seine Michelins schon weitgehend aufradiert hatte.Als Aoki in der letzten Runde vorbeiging, schien der Lauf schon verloren, doch in der letzten Kurve schlug Tokudome unter tosendem Applaus der 65000 Zuschauer nochmals zurück und hatte die Nase am Zielstrich um eine Zehntelsekunde vorn - ein Happy-End auch für den strahlenden Teambesitzer Rolf-Peter Ditter, der bei der hoffnungslos verstopften Zufahrt zur Strecke drei Stunden im Stau verbracht und die letzten fünf Kilometer zu Fuß zurückgelegt hatte. »Ich wußte, daß Aoki in der letzten Runde alles versuchen würde und daß ich keine Reserven mehr hatte, deshalb versuchte ich eisern, die Konzentration zu bewahren. Doch mir rann der Schweiß ins rechte Auge, und es hat derart gebrannt, daß ich es zukneifen und durchs linke Auge blinzeln mußte. Deshalb hat mich Aoki erwischt«, berichtete Tokudome im Ziel. »Glücklicherweise hatte er in der letzten Kurve einen mächtigen Slide, das konnte ich dann doch noch zum Konter nutzen. Aber wenn mein Motorrad nicht so großartig gelaufen wäre, hätte es nicht geklappt«.Peter Öttl hatte lange an dritter und vierter Stelle abgewartet und rechnete sich mit einem Schlußspurt ebenfalls Chancen aus auf den Sieg, doch seine Aprilia lief am Schluß nicht mehr ganz so flott. »Vielleicht war die Hitze schuld. Am Schluß hatte ich jedenfalls keine Chance mehr, die Lücke zu schließen«, berichtete Öttl. »Ich bin auch nicht ganz so locker gefahren wie auf meinen schnellsten Trainingsrunden. Ich habe immer noch mit der Umstellung von Bridgestone auf Michelin zu tun«.Öttl und sein Teamkollege Tex Geissler waren beide im Abschlußtraining übers Vorderrad gestürzt, im Rennen hielten die ungewohnten Reifen für Geissler dann die nächste mißliche Überraschung parat. »Ich lag komfortabel vor Perugini an vierter Stelle, wollte eigentlich nur in meinem Rhythmus zu Ende fahren und hätte ihn sogar vorbeigelassen, wenn er plötzlich energisch Druck gemacht hätte. Trotzdem ist mir beim Rausbeschleunigen zwei Runden vor Schluß urplötzlich das Hinterrad weggerutscht. An einer Stelle, wo es normalerweise gut kontrollierbar ist, ging es schlagartig weg«, wunderte sich der Aprilia Deutschland-Nachwuchsmann. Malaysia-Sieger Perugini, der sich schon zu Beginn des Rennens einen Ausritt geleistet hatte, kam durch den Zwischenfall zum zweiten Mal aus dem Rhythmus und wurde Achter.Dirk Raudies war der lachende Dritte und sahnte den vierten Platz ab. Rechtzeitig vor dem Abschlußtraining hatte Techniker Ulli Maier einen ab Werk fehlerhaften Zylinder entdeckt und ausgetauscht, worauf die kleine gelbe Honda besser, aber immer noch nicht so überlegen die Geraden entlangrannte wie gewohnt. »Ich bin froh, daß ich diesmal wenigstens das Ziel erreichte«, meinte Raudies. »Doch der Karren lief immer noch nicht richtig. Die Aprilias zogen mir gnadenlos davon«. Nur die von Kazuto Sakata nicht: Mittlerweile hatten die Ärzte vier Brüche in seinem Fuß entdeckt. Der tapfere Japaner fuhr im Rollstuhl durchs Fahrerlager, ließ sich das Fahren aber trotzdem nicht nehkmen und rettete zwei Punkte.Bei den 250ern rechnete jeder damit, daß Aprilia-Star Max Biaggi die Welt abermals vorführen und wie in Malaysia davonziehen würde, doch diesmal funktionierte die neue Yamaha von Tetsuya Harada wie ein Uhrwerk und war der Aprilia auch auf den Geraden durchaus ebenbürtig. »Ich bin happy«, strahlte Harada nach der Trainingsbestzeit listig.Und ging im Rennen vom Start weg in Führung. Eine Runde dauerte es, bis der Weltmeister zum Vizeweltmeister aufgeschlossen hatte und mal links, mal rechts neben dem voluminösen Heck der Werks-Yamaha auftauchte, doch bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen Biaggi es schaffte, sich an seinem Erzrivalen vorbeizuzwängen, hatte Harada stets umgehend die richtige Antwort parat. Am Ende hatte er den Italiener zermürbt, gewann mit 1,8 Sekunden Vorsprung und liegt nun auch an der Tabelle Kopf und Kopf mit dem Champion. »Meine Taktik hieß: Volle Kraft voraus«, schmunzelte Harada und lobte seine neue Maschine und die Michelin-Reifen über den grünen Klee.Der geschlagene Biaggi wirkte hingegen nachdenklich. »Ich habe mein Bestes gegeben, doch mein Hinterreifen rutschte in den letzten Runden immer unkontrollierbarer. Haradas Reifen halten länger, und sein Motorrad wird Tag für Tag besser. Ich denke, vor uns liegt eine Menge Arbeit«.Daß auch die offizielle Werks-Honda technisch im Rückstand ist, war für Ralf Waldmann an diesem tage zweitrangig - denn er hatte als Dritter zwar das Rennen und zwölf Sekunden verloren, aber einen ganz entscheidenden Kampf gegen sich selbst gewonnen.Zehn Tage nach seinem Test-Sturz in Malaysia drehte er schon wieder am Gas wie zu den besten Zeiten, und das, obwohl er wegen seiner Gehirnerschütterung beim Losfahren einen Schwindelanfall hatte und obwohl das operierte linke Schlüsselbein in den engen Schikanen immer noch Schmerzen verursachte. »Wegen der Beschleunigung drehte sich plötzlich die Welt vor meinen Augen, doch als ich kurz vom Gas ging, wurde es wieder besser«, schilderte Waldi. »Dank Sepp Schlögl war meine Honda wieder mal die schnellste von allen. Es fiel mir leicht, die anderen Honda-Werksfahrer zu überholen. Jetzt muß ich vor dem Japan-Grand Prix hart an mir arbeiten. Denn wenn ich fit bin, geht es bestimmt noch eine halbe Sekunde schneller pro Runde«.Darauf hofft auch Jürgen Fuchs, der sich im Training mit einem eingeklemmten Rückennerv abplagte. »Am Anfang fand ich meinen Rhythmus nicht und verbremste mich dreimal in den ersten drei Runden. Doch dann holte ich wieder auf - und schlug Ukawa am Ende um drei Tausendstelsekunden«, schilderte er nach Platz sechs erleichtert.Auch Luca Cadalora klagte über einen eingeklemmten Nerv. Weder Dr. Claudio Costa noch die gute Laune im Team konnten seine hartnäckigen Genickschmerzen vertreiben, außerdem gefiel ihm die Strecke mit ihren engen Bremsschikanen nicht. Schon bei seinem fünften Trainingsplatz deutete sich an, daß er nicht an den Triumph von Malaysia würde anknüpfen können, im Rennen fuhr er dann einem einsamen sechsten Platz entgegen. »Heute morgen ging es mir besser, worauf ich auf eine Spritze verzichtete. Ein klarer Fehler: Die Schmerzen kamen zurück und machten mich so schwach, daß ich nichts ausrichten konnte«, bekannte er.Dafür trumpften andere stark auf. Michael Doohan holte sich nach der Pole Position den ersten, klaren Sieg der Saison, hinter ihm kam Alexandre Barros, der Überraschungszweite von Malaysia, schon wieder aufs Podest und übernahm die Führung im Gesamtklassement. »Das ist ein Trost für die vielen Rückschläge, die hinter mir liegen«, strahlte der Brasilianer, der im letzten Jahr nur WM-Siebter wurde, dafür aber das Glück hat, einziger Südamerikaner von Weltniveau zu sein: Honda Brasilien stellt dem Team nicht nur Motorräder und Ersatzteile, sondern zahlt darüber hinaus auch noch 1,5 Millionen Dollar in die Teamkasse.Loris Capirossi feierte seinen dritten Platz nicht minder ausgelassen. Trotz seiner verletzten linken Ferse fuhr er zu Beginn des Rennens munter als Zweiter mit, machte es sich nach den ersten Vorderradrutschern auf Platz drei gemütlich, schlug seine Markengefährten Bayle und Abe um Welten und bescherte Teamchef Wayne Rainey den zweiten großen Erfolg des Tages.Hinter ihm duellierten sich der am Ringfinger operierte Alex Crivillé und sein spanischer Landsmann Carles Checa vom Start bis ins Ziel, nur die Zweizylinder-Fans warteten vergeblich auf einen großen Auftritt. Der Trainingsdritte Tadayuki Okada war nach drei Runden Dritter. In der Windschattenschlacht wurde seine Honda jedoch zu heiß und ging brachial fest. Shinichi Itoh hatte sich bei seinem Malaysia-Sturz die rechte Hand verletzt, konnte Gas und Bremse nicht koordinieren und wurde 13.; Aprilia-Star Doriano Romboni erwischte einen katastrophalen Start, wurde von den Vierzylindern nach Strich und Faden aufgeschnupft, ruinierte bei der Aufholjagd seine Reifen und wurde Elfter.Auch für das Swissauto-elf-Team mit Adrian Bosshard und Juan Borja war es kein guter Tag. Hatte Borja in Malaysia als Zehnter wenigstens das Ziel erreicht, so fielen in Indonesien alle beide aus - Borja wegen steckengebliebener Auslaßsteuerung, Bosshard wegen Getriebeschadens.

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