Grand Prix Portugal in Estoril (Archivversion)

Schrei nach Hilfe

Valentino Rossi demütigte seine Gegner zum siebten Mal. Erhört wurden Kenny Roberts’ Klagen: Suzuki versprach ihm für 2002 das schnellste Bike im Feld.

Nach dem Start erreicht der 500er-Pulk am Ende der Geraden von Estoril etwa Tempo 200 und muss sich dann durch eine Erste-Gang-Kurve zwängen. Das führte im Gedränge prompt zu einer Massenkollision mit Kenny Roberts, Carlos Checa, Sete Gibernau, Tohru Ukawa, Norick Abe, Alex Barros und Alex Crivillé. Max Biaggi war heil durchgekommen und führte das Rennen zwei Runden lang an, doch auf den Römer wartete das dicke Ende noch. Nicht genug, dass er seinen Rivalen Valentino Rossi zum siebten Saisonsieg davonziehen lassen musste, erlebte er sechs Runden vor Schluss auch noch einen ähnlichen Sturz wie zwei Wochen zuvor in Brünn. »Tempo, Schräglage und Federweg waren identisch mit den vorhergegangenen Runden, trotzdem ist das Vorderrad weggerutscht. Es zeigt sich: Wir können im Training ein, zwei perfekte Runden vorlegen, den Speed im Rennen aber nicht durchhalten«, analysierte Biaggi, der seine Yamaha tapfer aus dem Kiesbett gefischt und noch Platz fünf gerettet hatte. »Für den Rest sprechen die Tatsachen: Meinem Motorrad fehlen zehn km/h Topspeed auf Rossi und Capirossi, Garry McCoy hat als Dritter auf der Yamaha 14 Sekunden eingebüßt.« Weltmeister Kenny Roberts stimmte in das Lamento ein und sprach von einer Zehntelsekunde, die man pro Kurve verbessern müsse. Nach dem Gerangel in der ersten Kurve zeigte er aber wieder neuen Kampfgeist und wurde am Ende Sechster. »Wahrscheinlich tut ihm der Hintern noch weh von den Tritten, die ihm sein Vater verpasst hat«, vermutete Rossis Cheftechniker Jerry Burgess, Kenny senior habe den Sohnemann nach der Aufgabe in Brünn, wo er mit intaktem Motorrad in die Box gesteuert war, gründlich wach gerüttelt. Zur Wiedergutmachung lud Roberts sein Team am Donnerstagabend zu einem Dinner ein. Dann ließ er eine Presseerklärung veröffentlichen, in der er seine Brünn-Aktion als einen »cry for help« darstellte. Das Erstaunlichste war freilich die Antwort, die dieser »Hilferuf« nach sich zog. Sadayuki Inobe, Direktor und Generalmanager von Suzuki, schrieb seinen Fahrern einen Brief mit einem der ehrgeizigsten Versprechen der Rennsportgeschichte: Er habe seine Rennabteilung instruiert, die Grand-Prix-Motorräder 2002 hätten besser zu sein als die Motorräder von Honda oder Yamaha, mit zwei oder vier Takten. Sind die Wogen bei Suzuki vorläufig geglättet, so stehen den deutschen 250er-Piloten schwere Zeiten bevor. Aprilia will alle finanziellen Kräfte auf das GP1-Viertaktprojekt konzentrieren und künftig die vier Fahrer Melandri, Rolfo, Nieto und McWilliams mit Werksmaschinen ausstatten, aber nur, wenn die dazugehörigen Teams finanziell unabhängig vom Werk operieren können. Für Aprilia Germany-Teammanager Dieter Stappert bedeutet das intensive Sponsorensuche, wenn er 2002 im Geschäft bleiben will. Für Klaus Nöhles tickt die Uhr sogar schon jetzt: Der elfte Platz in Estoril war Aprilia-Renndirektor Jan Witteveen zu mager, Nöhles zu den kostspieligen letzten vier Überseerennen mitzunehmen. Falls kein Wunder passiert, ist Nöhles als Ralf-Waldmann-Nachfolger endgültig gescheitert und wird beim letzten Europa-GP in Valencia auch sein letztes Rennen als Werksfahrer bestreiten. Weil Alex Hofmann stürzte, lief nur für Katja Poensgen bei ihrem Comeback auf einer Honda mit Platz 20 alles nach Plan. Auch Daijiro Katohs Werks-Honda war für die bucklige, mit einer extrem engen Bergauf-Schikane gespickten Estoril-Piste die ideale Wahl. Während er vier Aprilia-Werkspiloten mit dem siebten Saisonsieg in die Schranken verwies, waren es bei den 125ern Manuel Poggiali und Youichi Ui, die sich auf den Gilera- und Derbi-Werksmaschinen das Leben gegenseitig schwer machten. Der junge Italiener trickste den erfahrenen Japaner auf dem Weg zum Zielstrich gekonnt aus und gewann um elf Tausendstelsekunden. Der tapfere Sachse Steve Jenkner blieb an elfter Stelle mit einem Elektrikdefekt stehen.
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Parc fermé (Archivversion)

Passagier BernieTeure FrachtFormel 1-Zampano Bernie Ecclestone überraschte das Grand-Prix-Fahrerlager von Estoril nicht nur mit seinem Besuch, sondern auch mit zwei Runden als Sozius von Randy Mamola auf der doppelsitzigen Spezial-Yamaha YZR 500. »Ich liebe den Motorradsport, er ist eine gute Show mit guten Leuten, und die Fahrt war wirklich super, eine großartige Erfahrung«, freute er sich nach dem Parforceritt. Mamola räumte eine gewisse Nervosität vor dem Start ein. »Bernie ist die wertvollste Fracht, die ich jemals an Bord hatte, also musste ich auf ihn aufpassen«, lachte der 13fache GP-Sieger über den Briten, der im Formel 1-Geschäft rund 1,5 Milliarden Mark im Jahr verdient.Superstar RossiAcht MillionenBei Valentino Rossis Verhandlungen fürs nächste Jahr sind rekordverdächtige Zahlen im Spiel. Honda soll zur Gesamtgage von insgesamt acht Millionen Dollar deren fünf beitragen. Dass der Vertrag noch nicht unterschrieben ist, liegt weniger am Geld: Rossi will für die neue GP1-WM das beste Motorrad haben und deshalb frei zwischen der Zweitakt-NSR 500 und dem Viertakt-Prototypen RC211V wählen können. Honda hat aber von vornherein festgelegt, dass es die Viertaktmaschine mit V5-Motor sein wird. Rossi zögert mit seiner Unterschrift deshalb mindestens bis zu weiteren Tests im Oktober.

Grand Prix Portugal (Archivversion)

Rennen 125 cm3Fahrer (Nation) Maschine Zeit (Min) WM-Stand1. Manuel Poggiali (RSM) Gilera 42’55.454 Elias 1582. Youichi Ui (J) Derbi - 0.011 Poggiali 1453. Toni Elias (E) Honda - 8.306 Ui 1194. Simone Sanna (I) Aprilia - 8.473 Cecchinello 1085. Daniel Pedrosa (E) Honda - 26.230 Azuma 1016. Jakub Smrz (CZ) Honda - 30.439 Sanna 957. Jaroslav Hules (CZ) Honda - 30.513 Borsoi 948. Mirko Giansanti (I) Honda - 31.500 Jenkner 859. Max Sabbatani (I) Aprilia - 33.982 Ueda 8110. Arnaud Vincent (F) Honda - 35.553 Vincent 6911. Alessandro Brannetti (I) Aprilia - 36.820 Giansanti 5612. Gabor Talmacsi (HUN) Honda - 37.344 Sabbatani 5113. Gaspare Caffiero (I) Aprilia - 50.138 Hules 5114. Raul Jara (E) Aprilia - 57.302 Nieto jr. 5015. Gino Borsoi (I) Aprilia - 57.409 Pedrosa 4619. Jascha Büch (D) Honda - 1’40.128 Trainingsbestzeit: Poggiali in 1’45.923 = 142.133 km/hSchnellste Rennrunde: Ui in 1’46.329 = 141.590 km/h (Rekord)Schnitt des Siegers: 140.295 km/hRennen 250 cm3Fahrer (Nation) Maschine Zeit (Min) WM-Stand1. Daijiro Katoh (J) Honda - 44’38.464 Katoh 2222. Marco Melandri (I) Aprilia - 16.993 Harada 1783. Tetsuya Harada (J) Aprilia - 27.360 Melandri 1694. Roberto Rolfo (I) Aprilia - 34.207 Rolfo 1285. Jeremy McWilliams (GB) Aprilia - 36.916 Nieto 986. Naoki Matsudo (J) Yamaha - 37.101 Alzamora 847. Fonsi Nieto (E) Aprilia - 44.441 McWilliams 798. David Checa (E) Honda - 45.404 Locatelli 779. Franco Battaini (I) Aprilia - 49.202 Matsudo 7010. Shahrol Yuzy (MAL) Yamaha - 51.072 Debon 5111. Klaus Nohles (D) Aprilia - 55.776 Battaini 4912. Alex Debon (E) Aprilia - 59.663 Hofmann 4713. David de Gea (E) Yamaha - 1’19.420 Porto 3614. Jay Vincent (GB) Yamaha - 1’19.835 Yuzy 3415. Jeronimo Vidal (E) Aprilia - 1’20.435 Guintoli 3220. Katja Poensgen (D) Honda - 1 RundeTrainingsbestzeit: Harada in 1’41.993 = 147.610 km/hSchnellste Rennrunde: Katoh in 1’42.285 = 147.188 km/h (Rekord)Schnitt des Siegers: 146.141 km/hRennen 500 cm3Fahrer (Nation) Maschine Zeit (Min) WM-Stand1. Valentino Rossi (I) Honda - 47’25.357 Rossi 1952. Loris Capirossi (I) Honda - 1.756 Biaggi 1663. Garry McCoy (AUS) Yamaha - 14.030 Capirossi 1274. Carlos Checa (E) Yamaha - 24.337 Barros 1075. Max Biaggi (I) Yamaha - 31.348 Abe 1006. Kenny Roberts (USA) Suzuki - 31.925 Nakano 1007. Jurgen vd. Goorbergh (NL) Yamaha - 37.140 Criville 918. Olivier Jacque (F) Proton KR - 41.043 Checa 769. Shinya Nakano (J) Yamaha - 50.273 Gibernau 6810. Jose Luis Cardoso (E) Yamaha - 29.758 Ukawa 6411. Haruchika Aoki (J) Honda - 58.227 Roberts 6212. Anthony West (AUS) Honda - 1’27.139 Haga 4413. Johan Stigefelt (S) Yamaha - 1’27.459 vd Goorbergh 4314. Brendan Clarke (AUS) Honda - 1 Runde McCoy 4215. Barry Veneman (NL) Honda - 1 Runde Jacque 30Trainingsbestzeit: Biaggi in 1’40.076 = 150.437 km/hSchnellste Rennrunde: Capirossi in 1’40.683 = 149.530 km/h (Rekord)Schnitt des Siegers: 148.152 km/h

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