Grand Prix Spanien (Archivversion)

Amokfahrer PoggialiStevestürmtSteve Jenkner hatte schon nach dem Abschlusstraining als Fünfter gute Laune.Noch besser wirkte es auf den Fernsehbildschirmen, als der 125er-Aprilia-Pilot nach einem »exzellenten Start” an die zweite Stelle, in Runde vier dann in Führung stürmte. »Mein Ziel für heute war ein Sieg”, erklärte Jenkner. »Leider habe ich bei meinen vergeblichen Versuchen, den anderen davonzufahren, rasch meine Reifen verbraucht und konnte in den schnellen Kurven nicht mehr früh genug Gas geben. Nach einem kleinen Rutscher ging dann Lucio Cecchinello vorbei, in der nächsten Kurve musste ich nach einer kleinen Berührung mit Manuel Poggiali fast ins Gras.”Steve Jenkner war danach Fünfter, hatte am Schluss aber das Glück des Tüchtigen und erbte noch Rang drei, den dritten Podestplatz seiner Karriere. Das wiederum hatte mit der fortwährenden Angriffslust seines Gegners Poggiali zu tun: An einem Kurvenausgang boxte er seinen Landsmann Alex de Angelis derart brutal nach außen in Richtung Streckenrand, dass er dessen Vorderbremse blockierte und einen spektakulären Sturz auslöste. Zunächst ungeschoren davongekommen, setzte Poggiali bei einem Schlussangriff auf Sieger Lucio Cecchinello abermals alles auf eine Karte, stürzte und brach sich das Schlüsselbein. Dass er seine Gilera noch als Zehnter über die Linie rettete, sollte ihm nicht viel nützen: Die Renndirektion disqualifizierte den Weltmeister, weil er de Angelis durch »unverantwortliche Fahrweise in Gefahr” gebracht hatte.Heidolf ohne GlückFonsiserster SiegAprilia-Werkspilot Fonsi Nieto hielt sich bis zehn Runden vor Schluss des 250er-Rennens an vierter Stelle versteckt. Dann fiel er gekonnt über Marco Melandri und Roberto Locatelli her, schnappte sich als letzten Leckerbissen den führenden Honda-Star Roberto Rolfo und feierte seinen ersten GP-Sieg. Weniger Fortune hatte sein Markengefährte Dirk Heidolf: Nachdem seine Maschine bereits im Training mit nicht abstellbaren Fehlzündungen in den großen Gängen aufgewartet hatte, lief die private Aprilia des Sachsen im Rennen nur auf einem Zylinder. Heidolf stellte sein Motorrad entmutigt ab.KTM-Pläne125er undMotoGPKTM hat kühne Pläne: Schon im nächsten Jahr will der österreichische Hersteller siegreicher Motocross- und Enduromaschinen mit einer 125er in die Straßen-WM einsteigen, die Teilnahme an der MotoGP-Königsklasse soll dann in zwei, drei Jahren folgen. «Wir denken laut über diese Möglichkeit nach”, bestätigte Sport-Direktor Heinz Kinigadner. «In der 125er-Cross-Szene beherrschen wir die Zweitakttechnologie, und da KTM demnächst Straßenmodelle auf den Markt bringt, ist es eine logische Überlegung, auch hier Kompetenz zu zeigen.” Junior-Piloten sollen auf den KTM-125ern mit langfristigen Verträgen zu MotoGP-Piloten aufgebaut werden und schließlich den MotoGP-Viertakter steuern. Rekrutiert werden sie in Spanien, aber auch im deutschsprachigen Gebiet. »Unser Traumpartner als Konstrukteur wäre Harald Bartol. Er wäre das Nonplusultra”, verriet Heinz Kinigadner. Dem Derbi- und Gilera-Konstrukteur liegt denn bereits ein verlockendes Angebot vor. Ehrenrunde im BMWAus fürAlexAlex Crivillé, der wegen seiner epileptischen Anfälle schon bei den Vorsaisontests das Handtuch geworfen und eine Pause unbestimmter Dauer angekündigt hatte, trat beim Jerez-Grand-Prix unter Tränen endgültig vom Rennsport zurück. Die obligate Ehrenrunde vor über 100 000 Fans brachte der Halbliter-Weltmeister von 1999 in einem BMW-Cabrio hinter sich: Honda hatte ihm eine Ehrenrunde auf einer NSR 500, mit der er den Titel geholt hatte, mit dem Hinweis verweigert, er sei ein Yamaha-Pilot. Allerdings verzichtete Crivillé wohlweislich auch auf die Ausfahrt mit der YZR 500 des Antena 3-Teams, für das er ganze zwei Tests absolviert hatte: Damit hätte sich der Spanier nämlich die letzten Hoffnungen zunichte gemacht, seine Weltmeistermaschine doch noch als privates Sammlerstück erhalten zu können.

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