Grand Prix Spanien (Archivversion) «Kopfsache”

Grand-Prix-Experte Jürgen Fuchs über den sensationellen zweiten Platz von Daijiro Kato auf der Zweitakt-Honda NSR 500.

Bis dato wurde nur die Konzeptfrage diskutiert. Also über die Zahl der Zylinder oder ob Zwei- oder Viertakter in der neuen MotoGP-Klasse für Erfolge erforderlich sind. Was der Fahrer dabei für eine Rolle spielt beziehungsweise in welche er dabei automatisch gedrängt wird, kommt erst jetzt so nach und nach zum Vorschein.Hervé Poncharal, der Teamchef von Olivier Jacque und Shinya Nakano, spürt das im Moment ganz deutlich. Er musste sich in der Vergangenheit nie über Motivationsprobleme seiner Fahrer Gedanken machen. Es war selbstverständlich, dass beide immer bereit waren, 100 Prozent zu geben. Nakano war 2001 als WM-Fünfter bester 500er-Neueinsteiger und logischerweise hoch motiviert, in diesem Jahr um Siege mitzukämpfen. Jetzt schlägt er sich deutlich unter Wert. Das ist eine völlig neue Situation für eine ganze Reihe von Piloten. Max Biaggi ist Testfahrer statt Siegfahrer. Die Pons-Truppe kämpft um die besten Plätze hinter einem Viertakter. Die Dunlop- oder Bridgestone-Piloten fighten um den besten Nicht-Michelin-Platz. Es ist nicht nur so dahingesagt, dass sich die »letzte Sekunde« im Kopf abspielt. Wenn du als Fahrer absolut daran glaubst, dass eine bestimmte Rundenzeit möglich ist, oder besser noch, wenn es dir ein anderer mit den gleichen technischen Möglichkeiten vormacht, bist du in der Lage, unglaubliche Reserven zu mobilisieren.Die unterschiedlichsten Konzepte und Reifen in der neuen MotoGP-Klasse erleichtern die Orientierung zwar nicht gerade, doch der sensationelle zweite Platz von Daijiro Kato in Jerez zeigt auch den anderen Piloten, dass die Tage des Zweitakters noch nicht gezählt sind.

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