Grand Prix Spanien (Archivversion)

65 SensorenBiaggis Star-Trek-KombiWaren Lederkombis bisher ein eher archaischer Schutz vor möglichen Verletzungen, so katapultiert der italienische Hersteller Dainese die Wissenschaft des idealen Schnitts nun ins Star-Trek-Zeitalter. D-Tec, Daineses Forschungs- und Entwicklungsabteilung, erprobte beim Jerez-Grand-Prix ein neues, Procom genanntes Elektroniksystem, um den Komfort eines Fahrers messen und wissenschaftlich auswerten zu können. Max Biaggi trug in Jerez einen Spezial-Unteranzug mit 32 Feuchtigkeits- sowie Temperatur- und einem Herzschlagsensor, die im Fünf-Sekunden-Takt aktiviert und deren Werte in einem im Rückenspoiler der Lederkombi versteckten Rechner gespeichert werden. Eine spezielle Software schließt später Rückschlüsse auf das Befinden des Fahrers und damit die Effizienz bestimmter Schnitte und Materialien. Schon Offroad-Star Edi Orioli testete einen Prototypen des Systems bei der Desert Challenge 2000, vor allem aber soll das System den Alltagsfahrern mit einem breit angelegten Testprogramm im normalen Straßenverkehr zugute kommen.Honda-HinterbremseHigh-Tec mitGummizugDas Bremspedal für die hinteren Bremsen der beiden Repsol-Honda-Stars Alex Crivillé und Tohru Ukawa war in Jerez mit einem Stück abgeschnittenem Schlauch versehen, der bestenfalls an ein Einmachglas, keineswegs aber an GP-Hochtechnologie erinnerte. Der Grund: Honda hatte die Werksfahrer in Südafrika mit größeren, giftiger zupackenden Bremsscheiben versehen, deren Wirkung die Techniker etwas dämpfen wollten. Die Crew von Valentino Rossi, der die hintere Bremse kaum einsetzt, brachte das Problem mit einer starken Spiralfeder unter Kontrolle. IRTA – DornaElf Teams,22 FahrerMit einem offiziellen Handschlag besiegelten Carmelo Ezpeleta, Direktor von GP-Promoter Dorna, und Sito Pons, Vorsitzender der Teamvereinigung IRTA, einen neuen Vertrag bis 2006, dem gleichen Datum, an dem auch der Vertrag zwischen Dorna und der internationalen Motorradsportföderation FIM ausläuft. Darin wird die Beibehaltung der drei GP-Klassen festgeschrieben, außerdem gibt es für die einzelnen IRTA-Teams beträchtlich mehr Geld. Doch vor allem der Wert eines GP1-Startplatzes dürfte in Zukunft sprunghaft ansteigen: Für die ab 2002 beginnende Viertakt-Ära sind bislang nur elf Teams mit je zwei Fahrern vorgesehen, die nach Formel 1-Vorbild als Franchise geführt und damit verkauft werden können. Nachdem die Dorna neue Vierzylinder-Teams in diesem Jahr noch mit Sonderprämien anlockte, dürfte bald ein harter Verdrängungswettbewerb einsetzen. Neben Honda, Suzuki, Yamaha, der Kenny Roberts Group und Aprilia wollen MZ, Ducati, womöglich bald auch BMW, Kawasaki, Gilera und das neuseeländische Pulse GP-Team mit eigenen Prototypen an der Viertakt-WM teilnehmen, außerdem melden sämtliche Leasingteams Ansprüche auf eine Fortsetzung ihrer Verträge an. »Wir behalten uns vor, die Startplätze bei Bedarf um ein oder zwei Teams aufzustocken«, ließ sich Ezpeleta deshalb ein Hintertürchen offen.Gilera, DerbiSiamesischeZwillingeVor dem Jerez-Grand-Prix kam es in Bologna zu einem Geheimtreffen zwischen Derbi-Konstrukteur Harald Bartol, Derbi-Cheftechniker Mario Galeotti, Derbi-Teammanager Giampiero Sacchi, Gilera-Berater Carlo Pernat und Gilera-Finanzchef Claudio Verna, um über ein eigenständigeres technisches Profil der baugleichen 125-cm3-Werksmaschinen von Derbi und Gilera zu beraten. Doch eine Trennung der siamesischen Zwillinge erscheint unmöglich. »Ich kann für Gilera nicht etwas anderes bauen, nur damit es anders ist«, beharrte Bartol, der die Maschinen nach dem Jerez-GP mit einem neuen, selbst entwickelten Getriebe ausstattete und die Yamaha-Vergangenheit der Motoren damit endgültig abstreifte. Konstruktiver endete die Debatte über einen möglichen GP1-Einstieg von Gilera: Bartol schlug einen V2-Viertaktmotor als Basis vor.Bridgestone-TestsDirekterVergleichFür das Entwicklungsprogramm der Bridgestone-GP1-Reifen war eigentlich nur eine Serie privater Erprobungsfahrten des Testteams von Erv Kanemoto vorgesehen. Doch die Rundenzeiten von Testpilot Nobuatsu Aoki waren so vielversprechend, dass Bridgestone bereits jetzt auf einen direkten Vergleich mit aktuellen Grand-Prix-Teams brannte. Die Halbliter-Teams wurden deshalb eingeladen, die Tage nach dem Jerez-Rennen, an denen Bridgestone die südspanische Strecke gemietet hat, zu bleiben und nach Herzenslust mit Aoki um die Wette zu fahren.Italienisches FernsehenSuperstars mitSuperquotenDer Südafrika-Grand-Prix war im italienischen Fernsehen etwa so populär wie »Wetten, dass...« am Samstagabend im Ersten: Über sieben Millionen Zuschauer sorgten für eine Einschaltquote von 34 Prozent, um zu sehen, wie der Krimi zwischen Valentino Rossi und Max Biaggi in die zweite Runde ging.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote