Grand Prix Spanien (Archivversion) 125/500: Rossi riesig

Valentino Rossi bugsierte seine Honda im Abschlusstraining zum Jerez-Grand-Prix erstmals auf Platz zwei. Noch schneller war er bei der obligaten Pressekonferenz der vier Trainingsbesten zur Stelle, um die Stühle auseinanderzurücken und möglichst viel Platz zwischen sich und seinen Erzfeind Max Biaggi zu bringen.Auch im Rennen blieb der Abstand gewahrt. Der 250-cm3-Weltmeister, wie die anderen Werkspiloten mit den durchzugskräftigen Vorjahresmotoren ausgerüstet, übte sich nur in der Anfangsphase wegen des vollen Benzintanks in Zurückhaltung und glühte dann als Dritter zum ersten großen Erfolgserlebnis seiner Halbliterkarriere – hinter Lokalmatador Carlos Checa und WM-Leader Kenny Roberts.Max Biaggi erlebte dagegen ein Desaster. Schon in der Aufwärmrunde purzelte der Superstar beim Anbremsen der zweiten Haarnadelkurve vom Motorrad. Sein Werks-Yamaha fing Feuer, dank aufräumender Streckenposten und einer geduldigen Rennleitung hatten die Mechaniker allerdings genügend Zeit, die Ersatzmaschine klar zu machen. Biaggi startete wiederum aus der Pole Position, gab dann aber wegen einer rutschenden Kupplung auf. Doch auch im weiteren Verlauf blieb das Rennen ungewöhnlich. Denn als in Runde 16 ein kurzer Regenschauer niederging, hob der führende Kenny Roberts sofort die Hand und drehte das Gas zurück. 150 000 spanische Fans, die bis dahin die Aufholjagden von Checa und Crivillé bewundert hatten, verfielen in ein gellendes Pfeifkonzert.In der ersten Aufregung dachte jeder, das Rennen sei zu Ende, doch tatsächlich waren von den erforderlichen 65 Prozent der Gesamtdistanz erst 61 erreicht. Die Spanier hatten damit nochmals eine Chance, und Crivillé dominierte die restlichen zehn Runden vor Checa auf meisterhafte Weise. Am Groll des Publikums auf Gesamtsieger Kenny Roberts änderte das wenig. »Ich hätte nie für möglich gehalten, dass man Flaschen 50 Meter weit schleudern kann”, staunte der Suzuki-Star.Schon bei den 125ern hatte Regen gleich in der Startrunde für eine Unterbrechung gesorgt. Japan-Sieger Youichi Ui fuhr auch beim zweiten Mal als Bester weg, sah sich aber frühzeitig mit Reifenproblemen konfrontiert, stürzte von seiner Derbi und wurde gerade noch 21.Die spanischen Fans wurden jedoch großzügig entschädigt. Emilio Alzamora, der im letzten Jahr ohne Grand-Prix-Sieg Weltmeister geworden war, sicherte sich den lang ersehnten ersten Heimsieg seiner Karriere. Steve Jenkner biss sich trotz seiner in Japan erlittenen Fußverletzung an die zehnte Stelle durch, Reinhard Stolz fiel wegen mangelndem Hinterradgrip auf Platz 19 zurück. Dafür wurde im Italjet-Team nach Kräften gefeiert: Jaroslav Hules bescherte den Newcomern die ersten beiden WM-Punkte.

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