Grand Prix Valencia (Archivversion) Die Wette von Sete

Suzuki-Pilot Sete Gibernau wettete trotz nasser Piste auf reinrassige Slicks – und feierte vor 120 000 begeisterten Fans in Valencia seinen ersten Grand- Prix-Sieg.

Seit Brünn fährt Sete Gibernau einen »Screamer«-Motor mit 180 Grad Zündabstand zwischen den Zylinderpaaren, der nach Meinung des Spaniers besser am Gas hängt als der 90-Grad-Big-Bang, dem Kenny Roberts wegen geringerer Vibrationen die Treue hielt. Als nächste Stufe der Weiterentwicklung lieferte Suzuki für den Valencia-Grand-Prix neue Verkleidungen mit zentralem Lufteinlass für die Airbox, die den japanischen Technikern zufolge vier km/h an Topspeed bringen sollen.Und endlich feierte das gedemütigte Werksteam denn auch den lang ersehnten Erfolg. Beim letzten Europa-Rennen fuhr der noch amtierende 500er-Weltmeister erstmals in diesem Jahr aufs Podest, wo er seinem Teamkollegen Sete Gibernau zum größten Triumph seiner Karriere gratulieren konnte. Vor 120 000 tobenden Fans, die ganze Gewitter von Feuerwerkskörpern abbrannten und die Arena mit dicken Rauchschwaden einhüllten, gewann der Enkel von Bultaco-Firmengründer Ignacio Bultó seinen ersten Grand Prix, küsste sein Motorrad ab und rammte voller Begeisterung die spanische Flagge in die heimische Erde. Freilich hatte der Durchbruch der Werks-Suzuki weniger mit den jüngsten technischen Errungenschaften als mit den Launen des Wetters zu tun. Nach Ende des 250er-Rennens war ein kurzer, aber ergiebiger Regenschauer über der Ricardo- Tormo-Strecke niedergegangen und hatte den Fahrern heftiges Kopfzerbrechen über die richtige Reifenwahl beschert. Die Suzuki-Piloten wetteten auf reinrassige Slicks, bewahrten in einem absurden Sturzchaos der ersten Runden vorsichtig die Balance, drehten bei abtrocknender Strecke jedoch immer kühner auf und spielten ihren Vorteil zum Schluss nach Herzenslust aus. Nur Regenspezialist Alex Barros leistete erfolgreich Widerstand und konnte sich mit seiner Kombination aus Hinterrad-Slick und Intermediate-Vorderreifen zwischen die Suzuki-Piloten schieben.Die beiden großen WM-Rivalen bei den 500ern waren einer mutigen Reifenwahl für trockene Verhältnisse aus dem Weg gegangen. Um seine WM-Führung besorgt, setzte Valentino Rossi konservativ auf einen Intermediate vorne und einen handgeschnittenen Slick hinten, was ihm eine frühe Führung, am Ende aber doch eine klare Niederlage mit dem elften Platz einbrachte. Max Biaggi konnte diese Chance nicht nutzen. Der Römer überholte Rossi zwar kurz vor Rennende, machte trotzdem nur ein mageres Pünktchen in der Tabelle gut. Mit einem Intermediate vorn und einem Hinterradslick, dem die Techniker mit der Rasierklinge auf der rechten Flanke einige sparsame Schnitte beigebracht hatten, war Biaggi zwar etwas mehr auf Angriff eingestellt und besser besohlt als sein Erzfeind. Doch dass Loris Capirossi gleich zweimal, einmal in der Aufwärmrunde, dann in der ersten Kurve des Rennens, und eine Runde später auch noch Cardoso und Haga vor seiner Nase ausrutschten, schüchterte den Yamaha-Star nach den eigenen jüngsten Sturzeskapaden zu sehr ein. Ganz nach dem Geschmack der Spanier verlief auch das Rennen der 250er. Fonsi Nieto, Neffe des ehemaligen Multi-Weltmeisters Angel Nieto, torpedierte zwar zunächst seinen Aprilia-Markengefährten Marco Melandri aus dem Sattel, behielt aber selbst die Balance und war Dritter, als der Lauf wegen eines Regenschauers unterbrochen wurde. Im zweiten Teil reichte ihm ein vergleichsweise konservativer vierter Rang hinter Emilio Alzamora, um in der Addition als Dritter seinen ersten Grand-Prix-Podestplatz feiern und die Zündschnüre einiger Böllergarben in Brand setzen zu können. Funkstille herrschte dagegen bei Alex Hofmann: Eine Zündkerze hatte elf Runden vor Schluss den Geist aufgegeben.Stürmt 250er-Sieger Daijiro Katoh mit Vollgas in Richtung WM-Titel, so tobt um die 125er-Krone ein ebenso erbitterter Kampf wie um jeden einzelnen Laufsieg. Zehn Fahrer hingen noch in der letzten Kurve zusammen wie ein wütender Wespenschwarm, aus dem urplötzlich Gilera-Star Manuel Poggiali zustach und Lokalmatador Toni Elias den Sieg wegschnappte. Für fünf prachtvolle Runden hatte auch Steve Jenkner den süßen Duft seines ersten GP-Siegs in der Nase, wurde in den letzten Runden aber doch wieder auf den siebten Rang abgedrängt.

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