Grand Prix-Vorschau––––– (Archivversion)

King bei Kenny–––––

Ralf Waldmann kam auf Anhieb mit dem Protokoll der Königsklasse zurecht - und fuhr bei den allerersten Tests auf King Kennys Maschine fast so schnell wie sein erfahrener Teamkollege.

Kenny Roberts sah immer noch aus wie bei der »Pfeil und Bogen«-Jagd anläßlich eines Kurzurlaubs auf seiner Ranch in Montana und trat bei den Jerez-Tests der Grand Prix-Teamvereinigung IRTA mit Dreitagebart, Parka, ausgefransten Jeans und Cowboystiefeln auf. »Im Vorjahr war mein Team nur auf Image und Ergebnisse getrimmt. Jetzt kommen 70 Prozent des Budgets aus der technischen Industrie. Die verhandeln keine Ergebnisse gegen Prämien; sie sind als Konstrukteure an diesem Umfeld interessiert«, erklärte er.Auffälliger als das Logo der malaysischen Automarke Proton war die fehlende rote Farbe auf den Modenas-Maschinen. Bis auf das persönliche Budget für Ralf Waldmann sind die Verhandlungen mit Marlboro noch nicht ausgestanden, und Roberts redet schon mal vom Sparen: »Wir planen einen neuen Motor mit Ausgleichswelle und einem zusätzlichen Kurbelwellenhauptlager. Aber wir werfen sicher keine 400000 Dollar für einen Prototypen aus dem Fenster, den wir wieder einstampfen«.Die Fahrer Kenny Roberts junior und Ralf Waldmann waren deshalb noch mit der 1997er KR3 unterwegs, die sich nach Fahrwerksmodifikationen und dem Komplettumbau des Kühlsystems unerwartet flott um die winklige Jerez-Piste zirkeln ließ. Beim Dirt Track-Fahren auf Kennys Trainingsranch in Barcelona zuvor wirkte Waldi noch zerstreut. Vielleicht, weil er an die V2-Werks-Honda des gelähmten Takuma Aoki dachte, die er ohne den Roberts-Vertrag hätte übernehmen können.Doch sowie er in Jerez auf die Modenas V3 stieg, hatte er wieder Spaß an seinem Job, wenn er auch konstatierten mußte: »Ich fahre noch zu eckig, weil ich zu schnell an den Kurven ankomme und dann zu stark abbremse. Carlos Checa zieht aus jeder Kurve einen sauberen schwarzen Strich - das ist eine andere Liga.«Trotzdem verlor Waldi nur 1,5 Sekunden auf die Bestzeit des Spaniers, der seinen außerirdischen Teamkollegen John Kocinski um 28 Hundertstel hinter sich lassen konnte. Auf Kenny Junior fehlten Waldi vier Zehntel. Dem Star der neuen Sachsen-Offensive MuZ 500, Doriano Romboni, fuhr Waldi dagegen um 1,2 Sekunden davon. Während der Deutsche auf den gewohnten, leicht zu beherrschenden Dunlop-Reifen antritt, mußte sich Romboni an die zwar besser haftenden, aber im Grenzbereich kritischeren Michelin-Reifen gewöhnen und erlebte einen der verhaßten Stürze übers Vorderrad.Sein italienischer Landsmann Valentino Rossi zeigte sich bei den 250ern dagegen schon als Hecht im Karpfenteich. Trotz heftiger Windböen legte der 125er Weltmeister bei seinem ersten offiziellen Auftritt in der Viertelliter-Welt eine Rekordzeit von 1.44,2 Minuten aufs Parkett und düpierte seine Teamkollegen Tetsuya Harada und Loris Capirossi. Keiner mehr sprach von einem Lehrjahr des Grünschnabels.»Wahnsinn«, anerkannte auch der deutsche Aprilia-Werksfahrer Jürgen Fuchs. Die zwei Sekunden, die er auf Rossi verloren hatte, steckten allerdings weniger in der Gashand als im unteren der beiden Zylinder seines neuen Motors. Beharrliche Aussetzer störten den Testbetrieb im Docshop-Team. Dank stärkerer Fahrwerke, neuer Motoren und verbesserten Airboxsystems waren sogar die spanischen Yamaha-TZ 250-Piloten Luis d´Antin und José Cardoso schneller.Weil sich das Honda-Werk auf Übersee-Tests konzentrierte, fiel der erste Schlagabtausch mit den Honda-Top-Stars ins Wasser. Die anwesenden 125er Honda-Reiter traten in Spanien noch mit den alten Modellen an und waren den neuen Werks-Aprilia dennoch überlegen. Roberto Locatelli als Tagesbester düste dem schnellsten Aprilia-Piloten Gino Borsoi um fast eine Sekunde davon. Über vier Sekunden gar betrug sein Vorsprung auf die deutsche Hoffnung Steve Jenkner, der sich nur langsam mit seiner neuen Werks-Aprilia anfreundete.Der WM-Auftakt am 5. April im heimischen Suzuka dürfte aber auch für die japanischen Stars der deutschen Teams zum harten Brocken werden. Yamaha-Kurz-Pilot Youichi Ui und Aprilia-Docshop-Star Masaki Tokudome verloren über zwei Sekunden auf Locatelli, der WM-Dritte Tomomi Manako, obwohl auf Honda, gar drei. »Gleich am ersten Tag sind uns wegen des Bleifrei-Benzins zwei Motoren festgegangen«, schilderte sein UGT 3000-Teamchef Mario Rubatto, »ich hätte heulen können.“
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Grand Prix-Termine 1998––––– (Archivversion)

5. April Suzuka/Japan19. April Johor Bahru/Malaysia3. Mai Jerez/Spanien17. Mai Mugello/Italien31. Mai Circuit Paul Ricard/Frankreich14. Juni Jarama/Spanien27. Juni Assen/Niederlande5. Juli Donington Park/England19. Juli Sachsenring/Deutschland23. August Brünn/Tschechien6. September Imola/Italien20. September Circuito Catalunya/Spanien4. Oktober Phillip Island/Australien18. Oktober Jacarepaguá/Brasilien25. Oktober Buenos Aires/Argentinien

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