MotoGP Saison 2011 Analyse: Wird Moto2 besser als die 250er-WM

Das völlig neue Grand Prix-Moto2-Reglement mit 600-cm³-Honda-Einheitsmotoren als Nachfolger der nach 61 Jahren abgeschafften 250-cm³-Traditionsklasse wurde im Vorfeld eher kritisch beäugt. Die 17 Rennen der ersten Moto2-GP-Saison aber geben den neuen Regeln recht..

Foto: 2snap

Das vorrangige Ziel der Kostendämpfung hat die seit 2010 neue Moto2-Klasse des Grand Prix erreicht. Während Aprilia für die Saison 2009 satte 760 000 Euro für das Leasing eines 250er-Zweitakt-Werksrenners in Rechnung stellte, mit Ersatzteilen und Betreuung an der Rennstrecke sogar deutlich über eine Million, so war eine konkurrenzfähige Maschine nach dem Nachfolge-Reglement Moto2 übers Jahr betrachtet bereits für 315000 Euro zu haben.

Vor allem aber war Chancengleichheit garantiert. Während sich finanziell weniger gut gestellte Teams zu 250er-Zeiten mit billigeren Semi-Werksmaschinen oder gar käuflichen Production Racern behalfen und von vornherein auf verlorenem Posten standen, war die Ausgangsbasis 2010 bis auf wenige unbrauchbare Exoten für alle Teams weitgehend gleich.

Dies führte zu einem kunterbunten Spektakel, wie es der GP-Sport selten erlebt hat. Neun verschiedene Fahrer holten Siege, mehr als je zuvor in der GP-Mittelklasse - nur bei den kleineren 125ern gab es 1996 und 2003 gleich viele Sieger.

Ein Vergleich mit der 250er-GP-Vergangenheit zurück bis 1999, als Valentino Rossi in dieser Klasse Weltmeister wurde, demonstriert die neue Vielfalt in beeindruckender Weise. Neben den neun Siegern gab es nicht weniger als 17 verschiedene Piloten auf dem Podest, rund doppelt so viele wie in den vergangenen zwölf 250er-Jahren. Schafften es im letzten 250er-Jahr 2009 15 verschiedene Fahrer, zumindest einmal einen Grand Prix unter den ersten fünf zu beenden, so waren es im Moto2-Premierenjahr 20. Insgesamt 31 schafften sogar einen der Top-Ten-Ränge. Anders ausgedrückt: Gut drei Viertel des Moto2-Felds sind gut genug, um unter die ersten zehn zu fahren.

Ähnlich beeindruckend die Bilanz der Qualifikationstrainings: Acht verschiedene Fahrer standen bei den 17 GP auf der Pole Position. 21 Piloten holten Startplätze in der ersten Reihe. Und insgesamt 34 Fahrer starteten aus den ersten zwei Startreihen.

Solche Zahlen sind nicht nur für die Fans, sondern auch für potenzielle Sponsoren von größtem Interesse. Mit den 34 verschiedenen Fahrern in den ersten beiden Startreihen und 17 verschiedenen Piloten auf dem Podest haben die Teams überzeugende Argumente in der Hand, für weniger Geld als bisher eine breiter gestreute Präsenz bei den Fernsehübertragungen garantieren zu können.

Während es bei den 250ern nur drei teilnehmende Werke gab - Aprilia und Gilera unterschieden sich nur durch den Schriftzug auf den ansonsten identischen Maschinen - so teilten sich heuer nicht weniger als sieben Hersteller die Podestplätze, wobei wir zwischen FTR und Speed Up auch hier keinen Unterschied machen. Das bisherige Marken-Monopol ist verschwunden. Mit vier Herstellern, die 2010 Siege erringen konnten, gibt es genügend Auswahl für die Teams, ohne das Preisdiktat eines überlegenen Herstellers.

Passend zu dieser Chancengleichheit war die Spannung der einzelnen Rennen. Bei acht GP war der Ausgang bis zum Zielstrich völlig offen, klar mehr als der Durchschnitt der letzten zwölf 250er-Jahre.

Rekordhalter war hier allerdings die Saison 2006, in der die 250er-Piloten bei zehn Rennen bis zum Abwinken um den Sieg kämpften. Obwohl es in vielen Moto2-Rennen große Führungspulks gab, wie in Jerez, Silverstone oder zuletzt in Valencia, sahen die Fans auch Alleinfahrten von Andrea Iannone oder Weltmeister Toni Elias: Im Durchschnitt kämpften 2,18 Fahrer pro Rennen um den Sieg, etwa gleich viele wie 2006 bei den 250ern.

Was die Zeitdifferenzen im Ziel angeht, war der Zweitplatzierte in drei Moto2-GP weniger als 0,1 Sekunden hinter dem Sieger. Sechsmal war dieser Unterschied geringer als eine halbe Sekunde, deutlich knapper also als im Durchschnitt der letzten 250er-Dekade. Galten die Viertelliter stets als die Klasse hart kämpfender Pulks bis in die letzte Runde, so setzt die Moto2-Klasse diese Tradition nicht nur fort, sondern zeigte sich sofort gleichauf mit den besten 250er-Jahren aller Zeiten.

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