GrandPrix compact (Archivversion) Schöne Nebensache

Jorge Lorenzos erneuter 250er-Triumph war längst nicht so spannend wie die Planspiele für 2008 hinter den Kulissen.

Nicht nur MotoGP-Dominator Casey Stoner, sondern auch der 250er-WM-Leader Jorge Lorenzo feierte in Brünn seinen siebten Saisonsieg. Wie Stoner ist Lorenzo der überlegene Mann seiner Kategorie, weshalb der Direktaufstieg zum Teamkollegen von Valentino Rossi im Yamaha-Werksteam im nächsten Jahr mittlerweile bestätigt wurde. Lorenzo testete die Yamaha M1 sogar bereits im spanischen Almeria, allerdings nur für eine wenige Runden währende erste Sitzprobe. Der Fotograf, der sich im Auftrag einer spanischen Zeitschrift nach Andalusien aufgemacht hatte, lauerte leider einen Tag zu spät im Gebüsch. Von einem neuen Cheftechniker für Lorenzo ist ebenfalls bereits die Rede: Ramón Forcada. Der erfahrene Spanier hatte im LCR-Honda-Team im Vorjahr Casey Stoner betreut und arbeitet derzeit dort mit Carlos Checa.
Nach dem Doppelsieg auf dem Sachsenring reichte es in Brünn für KTM nur zu einem dritten Platz von Mika Kallio und Rang sechs für Hiroshi Aoyama. Trotzdem haben die österreichischen Werksmaschinen einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass sich fürs nächste Jahr eine Elefantenhochzeit anbahnt: Derzeit plant Repsol-Honda-Team­direktor Alberto Puig, mit seinen 125er- und 250er-Nachwuchsteams zu KTM zu wechseln. Wie bei der Dakar-Rallye zeichnet sich auch in der GP-Szene eine Zusammen-arbeit zwischen Repsol, Red Bull und KTM ab, die spätestens bis zum Portugal-GP Mitte September in trockene Tücher gebracht werden soll. Bei der Talentsuche, etwa dem Red-Bull-Rookies-Cup, passt die Verbindung zu Puig ebenfalls, der seinerzeit den spanischen Honda-Movistar-Cup ins Leben rief und dort Dani Pedrosa entdeckte.
KTM-Konstrukteur und Teamchef Harald Bartol weigerte sich, über ungelegte Eier zu gackern, sprach von Alberto Puig jedoch in den höchsten Tönen. »Ich habe 1990 und 1991, als er Yamaha 250 fuhr, mit Alberto zusammengearbeitet und seinen Werdegang seither eng verfolgt. Hut ab vor dem, was er auf die Beine gestellt hat. Die Art, wie er mit den jungen Fahrern umgeht, ist richtig, selbst wenn das manch einem nicht gefallen mag. Mein Vertrauen hat er zu hundert Prozent.«
Für das offizielle KTM-250-Werksteam sind drei Fahrer geplant, neben Kallio und Hiroshi Aoyama steht der in Brünn fünftplatzierte Alvaro Bautista auf der Wunsch­-liste. Auch für dessen Verpflichtung wäre ein Repsol-Deal hochwillkommen. Der Spanier fordert nämlich für einen 250er-Fahrer unglaubliche zwei Millionen Euro pro Saison. »So viel«, sagt Bartol, »zahlt KTM gewiss nicht.« fk

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