Größer, stärker (Archivversion) Größer, stärker

Das Bessere ist des Guten Feind – ein weiser Spruch,
der auch auf die beiden Ultra-Maschinen in dieser Ausgabe von MOTORRAD zutrifft.
Zunächst auf den Bombast-Cruiser Triumph Rocket III. Mit ihrem 2,3-Liter-Motor stellt sie alles bisherige in Sachen Hubraum in den Schatten. Dann die Ducati Desmosedici RR: Der Ableger des MotoGP-Renners wird 2006 auf den Markt kommen und als erste Serienmaschine die 200 PS-Schallmauer durchbrechen. Erneut werden Grenzen verschoben, neue Bestmarken gesetzt, und erneut drängt sich die Frage auf: Reichen uns Zwei-Liter-Cruiser und 180-PS-Sportler nicht?
Nun, sie genügen uns nur so lange, bis etwas Größeres
und Stärkeres lockt. Dazu kommt das stete Bestreben der
Hersteller, die Konkurrenten zu überflügeln. Das größte, stärkste, schnellste, technisch aufwendigste Motorrad ist meist auch
das erfolgreichste, das die Marke in hellerem Glanz erstrahlen lässt. Dies war schon zu Zeiten einer Honda CB 750 so, die leistungsmäßig dann von einer Kawasaki Z 900 übertrumpft wurde, dies war, um im Cruiser-Segment zu bleiben, bei einer Suzuki VS 1400 so, die die großen Harleys im Hubraum überbot. Man kann beide Stränge, den der Leistungs- und den der Hubraumsteigerung, wunderschön aufmalen. Es gibt kein Halten.
Was mich immer wieder fasziniert: Es funktioniert auch. Redakteur Gert Thöle, der kürzlich von der Fahrpräsentation
der mächtigen Triumph zurückkam, erzählt begeistert, wie
gierig dieser Dreizylinder zieht. Und wundert sich, warum es
nicht schon früher Maschinen dieser Hubraumklasse gab.
Und ich bin mir sicher, wenn wir in zwei Jahren die MotoGP-Replika von Ducati bewegen dürfen, werden wir nicht unbe-
eindruckt und abgeklärt reagieren, sondern stolz sein, diese immense Leistung gebändigt zu haben.

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