Haftungsgrenzen (Archivversion)

Das Überschreiten der Zuladung wird relativ milde geahndet: Wer das Gesamtgewicht um 5 bis 10 Prozent überschreitet, wird mit 20 Mark zur Kasse gebeten, von 10 bis 15 Prozent werden 60 Mark fällig, 15 bis 20 Prozent kosten 75 Mark. Punkte in Flensburg gibt es erst bei Überschreitung ab 20 Prozent, was bei zulässigen 400 Kilogramm glatte 80 Kilogramm mehr wären. Unangenehm könnte ein Rechtsstreit aber enden, wenn jemand infolge zu langen Bremswegs in einen Unfall aufgrund Überladung verwickelt wird. Dazu Rechtsanwalt Dr. Gerd Koch aus Heilbronn: »Die Haftpflichtversicherung zahlt zunächst Schäden an Dritten, kann aber bei nachgewiesener Gefahrenerhöhung beim Versicherungsnehmer regressieren, und zwar bis maximal 10000 Mark. Allerdings gilt dies nur bei nachhaltiger Gefahrenerhöhung, nicht bei einem einmaligen oder geringfügigen Verstoß.« Die von Kofferherstellern angegebenen Grenzen für Zuladung und Höchstgeschwindigkeit sind verkehrsrechtlich nicht bindend. Wer schneller fährt oder mehr zulädt als vom Kofferhersteller empfohlen, riskiert kein Bußgeld. Kompliziert könnte die rechtliche Situation allerdings wiederum bei einem Unfall werden, der mit dem Gepäck in Zusammenhang steht. Zum Beispiel, wenn der Biker wegen Pendelerscheinungen zu Fall kommt oder ein überladener Koffer vom Gepäckträger abbricht. Auch hier bezahlt die Haftplicht zunächst, könnte bei groben Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht eventuell regressieren. Eigene Schäden, zum Beispiel Schmerzensgeld, kann der Verunfallte vom Kofferhersteller jedoch in diesem Fall nicht verlangen, der ist durch seine Geschwindigkeitsempfehlung aus dem Schneider. Ähnliches gilt auch bei Beladung über die vom Kofferhersteller genannte Grenze.Koffer und Träger sind übrigens weder genehmigungs- noch eintragungspflichtig. Eigenkonstruktionen sind somit erlaubt, eine TÜV-Vorführung ist nicht nötig.

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