Hallen-Trial Koblenz (Archivversion) Stammspieler

Die Erfolgsserie von Weltmeister Doug Lampkin beim hochkarätig besetzten Indoor-Trial in Koblenz hält an: vierter Sieg in Folge für den Briten - mit lautstarker Unterstützung des Papas.

»One inch back, left, left, perfect - go ahead, go ahead.« Die Kommandos von Ex-Champion Martin Lampkin sind beim Koblenzer Hallentrial nicht zu überhören. Sie gelten seinem Sprößling Doug, den er haargenau durch die Sektionen dirigiert. Wenn es sein muß, wird vor dem Start sogar noch der Staub von den künstlichen Hindernissen gepustet. Und zwischendurch hält der Papa neben weiteren Ratschlägen immer einen Schluck zu trinken bereit, denn Trial unterm Dach ist ein schweißtreibendes Geschäft. Die stetige Gratwanderung zwischen Durchkommen und Scheitern belastet nicht nur mental, sie fordert auch die Physis der Akteure: Aus dem Stand und ohne großen Anlauf sind riesige Sprünge zu absolvieren, ständig muß das Motorrad durch hüpfen und rangieren in Position gebracht werden.Die väterliche Fürsorge dankt der junge Lampkin sowohl beim Freilandtrial als auch in der Halle derzeit fürstlich. In beiden Sparten ist der 22jährige Brite Weltmeister beziehungsweise Weltcup-Sieger. So kam er auch als klarer Favorit nach Koblenz. Daß es diesmal nicht um Weltcup-Punkte ging, schmälerte den prima organisierten Event in der Sporthalle Oberwerth keineswegs. 3600 Zuschauer drängten sich am Samstag abend in der restlos ausverkauften Arena, um neben Lampkin weitere fünf Fahrer aus den Top ten der WM zu bewundern: Steve Colley, David Cobos, Graham Jarvis, Takahasi Fujinami und Bruno Camozzi. Der Startverzicht von Vize Marc Colomer fiel da nicht weiter ins Gewicht. »Der wollte zuviel Kohle«, begründete Kurt Holz, der Pressesprecher des Veranstalters Motorsportfreunde Winningen, die Abwesenheit des Spaniers. Komplettiert wurde das internationale Starterfeld durch die Deutschen Carsten Stranghöner und Andreas Lettenbichler. Daß die meisten Kletterakrobaten gern nach Koblenz kommen, begründete Lettenbichler so: »Hier herrscht einfach eine super Atmosphäre, und der Club gibt sich verdammt viel Mühe, tolle Hindernisse in die Halle einzubauen.« Acht Sektionen mit bis zu drei Meter senkrecht in die Höhe ragenden Hürden waren zu bewältigen - zusammengesetzt aus kräftigen Baumstämmen, gewaltigen Kabeltrommeln, verschachtelten Paletten, dicken Felsbrocken sowie mit Balken und Bahnschwellen gespickt. Die Zuschauer konnten den Parcours gut überblicken und bekamen die prickelnde Action nicht nur in natura, sondern zusätzlich auch auf einer Videowand präsentiert.Die Fahrer wurden von Organisationschef und Hallensprecher Jörg Hennig paarweise in den Parcours geschickt. Und in der ersten Sektion mußten sie - sonst im Trialsport unüblich - direkt gegeneinander fahren. Zwei parallel angeordnete, aus Holzbalken gezimmerte Waschbretter galt es hin und zurück auf Bestzeit zu durchhoppeln. Und wie beim Supercross trennte sich hier schnell die Spreu vom Weizen. Die einen düsten auf dem Hinterrad ohne große Mühe über die Rüttelpiste, andere kamen schon nach wenigen Metern aus dem Rhythmus, tauchten mit dem Vorderrad ein und hatten ihre liebe Mühe, sich wieder aus der mißlichen Lage zu befreien. Ein Hammer-Aufstieg von fünf oder sechs Metern fehlte dieses Mal. »Aber die Höhe allein macht`s nicht beim Hallen-Trial. Gefragt sind auch die technischen Raffinessen«, lobte Andreas Lettenbichler den aktuellen Parcours. Auf den ersten Blick relativ harmlos aussehende Sektionen können es ganz schön in sich haben - wie zum Beispiel das Rondell aus Rundhölzern mit kaum mehr als reifenbreiter Fahrspur. Beim seitlichen Versetzen von einem Teil aufs andere gerieten selbst die Topstars ins Schwitzen oder rutschen gar ab. Nur Bruno Camozzi schaffte diesen Balanceakt in den beiden Runden einmal ohne Fehler, der Rest setzte mindestens einen Fuß.Doug Lampkin leistete sich hier einen Fehler und einen weiteren in einer anderen Sektion - das war`s auch schon für den Briten im Vorlauf. Deutlich mehr Strafpunkte hatten die Konkurrenten auf dem Konto. Acht waren`s für den zweitplazierten Honda-Werksfahrer Takahisa Fujinami, der in Koblenz sein einziges Indoor-Trial in diesem Winter bestritt, und elf für Bruno Camozzi. Abgeschlagen am Ende des Feldes rangierten Carsten Stranghöner und Andreas Lettenbichler, dessen Wunsch sich wieder nicht erfüllte, endlich bei einem internationalen Hallen-Trial einmal das Finale zu erreichen. Besser lief es für die beiden aber am Sonntag, als in Koblenz der erste Lauf zur Hallen-Trial-DM auf dem Programm stand. Lettenbichler gewann, Stranghöner kam immerhin auf Platz vier.Im Endlauf der besten Sechs am Samstag wurden die Sektionen in umgekehrter Richtung befahren oder durch Modifikationen erschwert. Nun mußte auch der Weltmeister Federn lassen und kassierte kurz vor Halbzeit der Finalrunde zweimal die maximalen Strafpunkte. Die beiden Fünfer konnten Lampkin aber nicht aus der Bahn werfen. Den Rest spulte der Beta-Pilot unter der Obhut des Vaters mit gewohnter Routine ab. Das Ergebnis: vierter Sieg in Folge für Doug Lampkin in Koblenz.Und was machte der Engländer, bevor er zusammen mit Steve Colley und David Cobos aufs Siegerpodest stieg? Etwa eine Ehrenrunde drehen und den donnernden Applaus der begeisterten Fans genießen? Oder eine kleine Show abziehen, wie das zum Beispiel die Spaßvögel Bruno Camozzi und Takahisa Fujinami schon während des Wettbewerbs immer wieder getan hatten? Weit gefehlt. Lampkin schnappte sein Motorrad, versuchte sich noch einmal an einem Hindernis, an dem er zuvor gepatzt hatte und probierte so lange, bis es endlich klappte - diesmal sogar ohne die Hilfe seines Daddys.

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