Hallentrial-WM in Koblenz (Archivversion) Rheingold

Prima Stimmung, große Stars, knifflige und spektakuläre Hürden – der Koblenzer Lauf zur Hallentrial-WM hat alle Zutaten, die ein Spitzen-Event braucht.

An Dreikönig der Auftakt in Sheffield, fünf Tage danach der zweite Lauf in Dubai und wiederum 48 Stunden später am Samstagabend das dritte Meeting in Koblenz - die Stars der Indoor-Trial-WM kommen herum in der Welt. Richtig glücklich sind die Fahrer natürlich nicht mit dem engen Terminplan des zehn Läufe umfassenden Championats und dem Leben in Flugzeug, Auto und Hotel. »Aber das gehört eben zu unserem Job«, so Multi-Weltmeister Doug Lampkin, »schließlich sind wir Profis.« Der Start in Koblenz war für den Engländer und seine Kollegen jedoch keineswegs nur business as usual. Die Kletterkünstler kommen gern in die Sporthalle Oberwerth und verlangten nach mehreren prädikatsfreien Veranstaltungen für 2001 ausdrücklich einen WM-Lauf in der Arena am Rhein. Wegen des anspruchsvollen Parcours, des fachkundigen Publikums und der immer wieder fantastischen Stimmung in der kompakten Halle, die 3500 Zuschauer fasst und in diesem Jahr erneut bis auf den letzten Platz besetzt war. Den Wunsch der Stars vernahmen die Motorsportfreunde Winningen als Ausrichter gern. Die Realisierung eines solchen Events ist in Zeiten einer zentralen WM-Vermarktung aber keine leichte Übung. Rund zwei Monate gingen die Verträge zwischen dem Club von der Mosel und dem spanischen WM-Promoter Esedos hin und her, bis endlich alle Interessen abgeglichen, die finanziellen Dinge geklärt und die Unterschriften auf dem Papier waren. Denn die Winninger wollten auf jeden Fall den eigenen Charakter ihrer Veranstaltung wahren, sprich, die mit viel Liebe zum Detail selbst gebauten Hindernisse nicht gegen die Hürden tauschen, die Esedos bei den anderen WM-Läufen auftürmen lässt. So präsentierten sich Fahrern und Fans schließlich sieben spektaluläre Sektionen unterschiedlichen Zuschnitts, die teils ohne große Probleme zu bewältigen waren, teils aber einen derart hohen Schwierigkeitsgrad aufwiesen, dass selbst Stars wie Lampkin große Mühe hatten, ohne Fehler durchzukommen. Dazu gehörte ein etwa vier Meter hoher Berg aus Lavasteinen und die ebenfalls sehr knifflige, weil glitschige Wasserdurchfahrt am Ende des Parcours. Neun Minuten hatten die acht Fahrer Zeit, die Hindernisse in der ersten Runde zu meistern. Der Zwischenstand bot das seit Jahren bekannte Bild: Doug Lampkin führte die Konkurrenz an, diesmal allerdings nur knapp vor seinem britischen Landsmann Steve Colley. Die mit einer Wild Card ins Feld gekommenen Local Heros Carsten Stranghöner und Andreas Lettenbichler rangierten am Ende. Doch der Auftritt des amtierenden deutschen Freiluft-Meisters aus Herford und seines bayerischen Sportskollegen war keinesfalls so schlecht, wie es das blanke Resultat vielleicht vermuten lässt. Denn neben dem kräftigen Applaus des Publikums bekamen die beiden Deutschen auch ein dickes Lob vom Weltmeister zu hören. »Carsten und Andreas waren heute sehr gut«, so Lampkin. »Bei anderen Wild-Card-Fahrern, die nur ein- oder zweimal im Jahr bei der Hallen-WM starten, besteht immer die Gefahr, dass sie bei manchen Hürden böse abstürzen.« Von Fehlern ist freilich auch der große Meister selbst nicht gefeiht, der nun bereits seit 1997 die Weltmeisterschaften im Freien und in der Halle souverän dominiert. In der Finalrunde der besten vier Fahrer leistete sich Doug Lampkin an einer unüberwindbaren, mannshohen Holzkiste in Sektion zwei wie alle Konkurrenten einen Fünfer, setzte aber noch einen Fuß in Abschnitt vier und kassierte einen weiteren Strafpunkt beim Ritt über die Lavasteine. Hier hatte der 24-jährige Montesa-Honda-Pilot zwar keinen Bodenkontakt, überschritt bei dem schwierigen Balanceakt aber das vorgegebene Zeitlimit - wenn es auch nur eine einzige Sekunde war. Albert Cabestany, 20 Jahre alt und mit seinen spanischen Landsleuten amtierender Team-Weltmeister, war im Finale zunächst etwas besser drauf als Lampkin und hätte womöglich eine Sensation schaffen können: Der Sieg über den großen Champion schien greifbar. Mit Sektion sieben stand Cabestany wie die meisten Fahrer allerdings auf Kriegsfuß. Die Schlusshürde sollte eine eingestürzte, von Wasser umspülte Brücke darstellen. Sie dennoch fehlerfrei zu passieren war eine entsprechend schwierige und für die meisten kaum lösbare Aufgabe. Einen mit sprudelndem Wasser gefüllten Pfeiler galt es da unter anderem zu überwinden, und waren die Reifen erst einmal nass, fehlte anschließend natürlich der Grip für die steile Holzrampe, die aus der Sektion hinausführte. In der ersten Runde war Cabestany als einer der wenigen Fahrer ohne Fehler durchs Wasser gewatet, im entscheidenden Moment ging der junge Spanier jedoch wie die beiden anderen Finalisten Steve Colley und Marc Colomer baden - fünf Strafpunkte, maximale Fehlerquote. Als Letzter war nun Doug Lampkin an der Reihe. In den Sektionen zuvor hatte sein Vater Martin stets die Hindernisse von Staub und Drecke frei gepustet oder mit einem Handtuch abgewischt. Im Wasserbecken gab es für Daddy Lampkin nichts mehr zu putzen, da konnte er seinem Sprössling nur noch die Richtung weisen. Leichtfüßig wie eine Gemse erklomm der Weltmeister zunächst den Pfeiler, hüpfte im Stand in die günstigste Ausgangsposition, um dann im Sprung den direkten Weg zur Ausstiegsrampe zu nehmen und die dazwischenliegende Wasserfurt auszulassen. Punktgenau landete Doug Lampkin auf dem vom Vater angezeigten Punkt, schraubte sich die Rampe hoch und war durch. Die Halle tobte, Moderator Jörg Hennig schrie ins Mikrofon, was wohl alle Fans angesichts dieses Kabinettstückchens dachten: »Der pure Wahnsinn.« Lampkins sechster Sieg in Koblenz und der dritte in Folge in der aktuellen WM war unter Dach und Fach. Feierabend konnte der Champion aber noch lange nicht machen. Nach der Pressekonferenz ging die Reise gegen Mitternacht per Auto direkt weiter in die Heimat nach England, wo am Sonntagmorgen ein Auftritt bei der Auto-Car-Show in Birmingham wartete. In deutsche Lande kommt Lampkin in dieser Saison übrigens auch noch mal - am 3.März zum vorletzten Indoor-WM-Lauf in der Bremer Stadthalle.

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