Handbücher für Motorräder: Stilblüten als Literaturtipp (Archivversion) THE MAKING OF

Im Wesentlichen haben Betriebsanleitungen dem einen Anspruch zu genügen: unabhängig vom Nutzer und der Sprache jede Information verständlich zu vermitteln.

Um dies zu erreichen, wird jedes kleinste Detail beschrieben. Leser mit Hintergrundwissen langweilen sich dabei schnell und werfen das Papier in die Ecke. Weniger Bewanderte tun mitunter dasselbe – weil sie überfordert sind. Wichtige Informationen und Gefahrenhinweise bleiben so leider unentdeckt.Äußerst problematisch sind Übersetzungen: Nicht für jedes deutsche Wort gibt es ein gleichbedeutendes Fremdwort und umgekehrt, zudem wird aus Kostengründen oft maschinell transferiert. »Mit Klammer C in Sakko oder Jacke von Lebenspartner einfräsen und lächeln für Erfolg mit GWK 9091« – ist nur ein Ergebnis solcher Automatisierung und stammt aus einer Bedienungsanleitung für elektrische Christbaumkerzen. Dolmetscher aus Fleisch und Blut stoßen allerdings auch an ihre Grenzen, da es zuweilen an tieferer Sachkenntnis fehlt oder das Ausgangsmaterial schon schlecht ist.Manchmal schreiben die Ingenieure die technische Dokumentation zu ihren Produkten selbst, nicht selten kommen dabei fachchinesische Anleitungen heraus, die kein Mensch mehr versteht. Dabei gewinnen Betriebsanleitungen im Zuge der Globalisierung immer höheren Stellenwert, denn steht auf der Mikrowelle nicht »keine Haustiere trocknen«, kann das in den USA zu einer Millionenklage führen. Deshalb unterhalten viele größere Firmen inzwischen Abteilungen, die sich nur mit der Erstellung von Handbüchern und der Einhaltung rechtlicher Klauseln beschäftigen. Und auch die deutschen Fachhochschulen haben die Marktlücke erkannt: So bieten Hannover und Karlsruhe den Studiengang »Technische Redaktion« an. Artur Bondza

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