Harald Eckls Superbike-Team (Archivversion) Fahrt ins Grüne

Der bayerische Teamchef Harald Eckl sattelte von Marlboro-roten Zweitaktern auf giftgrüne Viertakter um - als Chef des offiziellen Superbike-WM-Teams von Kawasaki.

Von gelegentlichen Gastspielen deutscher Pro Superbike-Asse abgesehen, war die Superbike-Weltmeisterschaft bisher ein rein ausländisches Unternehmen. Doch der 40jährige Harald Eckl, der sich nach Ende seiner aktiven 250er Karriere als emsiger Manager des Marlboro-Aprilia-Deutschland-Teams bei den Grand Prix verdient machte, möchte das ändern. Von den japanischen Managern zum neuen Chef des offiziellen Kawasaki Racing Teams berufen, baut Eckl im heimatlichen bayerischen Vohenstrauß derzeit eine 700 000 Mark teures Hauptquartier.Aufgrund ihrer Entäuschung über den amerikanischen Teamchef Rob Muzzy und dessen halbherzigen Einsatz in der WM hatten sich die Japaner bei Kawasaki Deutschland-Rennleiter Manfred John nach einem geeigneten Kandidaten für die Nachfolge erkundigt. Unmittelbar vor dem Brünn-Grand Prix 1996 machten sie einen Blitzbesuch in Vohenstrauß, drei Wochen später drängten sie bereits auf eine endgültige Entscheidung.Eckl zögerte nicht lange. »Persönlich war ich zwar nie so begeistert von den Superbikes, eben weil sie für die Straße und nicht für den Rennsport gebaut waren. Mein Herz schlug für die Zweitakter«, räumt der frühere deutsche Meister und Daytona-Sieger ein. Doch weil drohende Absagen von Marlboro Deutschland und dem deutschen Aprilia-Importeur die Zukunft im GP-Sport ungewiß machten, Kawasaki dagegen mit langfristigen, über einen ersten Drei-Jahres-Vertrag hinausgehenden Perspektiven lockte, war die neue Herausforderung am Ende reizvoller. »Lernen und neue Wege gehen zu müssen, um Kleinigkeiten an Motor und Fahrwerk zu verbessern, das macht mich heiß, und das macht mir Spaß«, sagt Harald Eckl. Und er hat keinen Zweifel, in direkter Zusammenarbeit mit Kawasaki Japan den Anschluß an die Weltelite herstellen zu können. Die Kawasaki - laut dem geflüchteten Anthony Gobert so schlecht, »als habe sie eine infektiöse Krankheit« - ist, so Eckl, viel besser als ihr Ruf. »Natürlich ist Gobert bei seinen beiden Siegen in Phillip Island über seine Verhältnisse gefahren und das Motorrad hat ständig geschlingert. Doch wenn das Fahrwerk nicht so gutmütig wäre, hätte es ihn runtergeschlagen«, hält der neue Teamchef fest.Beim schwachbrüstigen Motor setzt er auf angekündigte Leistungsteile. Vielleicht gelingt es dann sogar, den übermächtigen Ducati, Honda und Yamaha eins auszuwischen und es »den Riesen durch mehr Flexibilität« zu zeigen.Denn über seine 26jährigen Fahrer Akira Yanagawa und Simon Crafar (der laut Gobert »den ganzen Betrieb aufhält«) läßt Eckl nichts kommen. »Crafar ist liebenswert und sensibel, vielleicht eine Spur zu brav. Außerdem sind viele Dingen wie körperliche Vorbereitung und Abstimmung der Maschine noch Brachland. Doch wenn wir alles aus ihm herausholen, ist er für Überraschungen gut«, charakterisiert Eckl den Neuseeländer. Und der unbekannte japanische Teamkollege, der wegen einer Verletzung nur Neunter der japanischen Meisterschaft wurde? »Er hat Talent und wird alles daransetzen, seine Chance zu nutzen.«Für die Zukunft will Eckl freilich auch bei der Fahrerwahl mitbestimmen. Gut möglich, daß das Team, in dem Eckl jetzt schon fünf Landsleute beschäftigt - die Motorenleute Gerd Raban und Uwe Weber, Data Recording-Mann Alfred Willeke, Werkstatt-Mechaniker Axel Schnura, Hospitality-Chef Norbert Manja und Sektretärin Dorothea Etschmann - dann noch bayerischer wird. »Denn mein Traumfahrer«, verrät Harald Eckl, »ist Jürgen Fuchs.«- Ende -

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