Harley-Davidson expandiert: Reportage (Archivversion)

Harold Lenfesty, Vizepräsident von Harley-Davidson Europe Ltd., nimmt Stellung zu den neuen Entwicklungen bei der amerikanischen Traditionsfirma.

Warum senkt Harley-Davidson 1997 in Deutschland die Preise?Wir passen unsere Preise jedes Jahr an die veränderten Marktbedingungen an. Diesmal wollen wir sie mit unserer gesamteuropäischen Preisstrategie in Einklang bringen. Solche Strategien werden wichtiger, je mehr Handelsbarrieren zwischen den Ländern fallen.Welche Funktion hat das europäische Hauptquartier von Harley-Davidson in London?Früher sind die meisten Entscheidungen, die Europa betrafen, in den USA gefällt worden. Jetzt haben wir im Londoner Hauptquartier Finanzen, Buchhaltung, Logistik zentralisiert. So sind wir viel näher am Markt und arbeiten in derselben Zeitzone. Wir haben einfach erkannt, daß wir angesichts des zu erwartenden Wachstums unsere Verpflichtungen gegenüber Händler und Kunden am besten erfüllen können, wenn wir vor Ort arbeiten.Im Jahr 2003 will Harley-Davidson 200 000 Motorräder produzieren. Gefährdet das nicht die Exklusivität der Marke?Exklusivität ist Definitionssache. In einer Welt mit einigen Milliarden Menschen sind ein paar hunderttausend Motorräder immer noch ziemlich exklusiv. Obwohl wir in Deutschland viele Bikes verkaufen, werden wir wohl keine 200 000 dort verkaufen. Wir wollen immer ein Motorrad weniger bauen, als der Markt verlangt. Wir haben aber in den letzten Jahren darüber nachgedacht, daß wir auch einige Kunden verlieren könnten, wenn wir nicht genügend Motorräder ausliefern. Mit den anvisierten 200 000 Motorrädern wollen wir die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage verkleinern, die seit einigen Jahren klafft.Wie stellt sich Harley-Davidson auf die kommenden europaweiten Geräusch- und Abgaslimits ein?Wir müssen den Gesetzgebern immer einen Schritt voraus sein und schon vorher wissen, welche Modifizierungen notwendig sein werden, um den Anforderungen zu genügen. Deshalb engagieren wir uns sehr stark in Brüssel bei der EU und haben sogar einen Lobbyisten bei den Vereinten Nationen in Genf. Unsere Designer und Ingenieure versuchen, die geforderten Limits so umzusetzen, daß die Integrität des Designs bewahrt wird und das Ergebnis ein aufregendes Motorrad bleibt.Was plant Harley-Davidson in Zukunft? Wir denken in sehr unterschiedlichen Richtungen. Das Ergebnis steht noch nicht fest. Wir investieren in neue Technologien und gründen zudem ein neues Entwicklungszentrum, das seine Tore 1997 öffnen wird. Harley-Davidson wird immer seine eigene Identität beibehalten, aber das heißt nicht, daß wir nichts ändern.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote