Harley-Davidson meets MOTORRAD (Archivversion) Hundert hoch 2

Zwei Dickhäuter feiern 100. Geburtstag: Harley-Davidson und MOTORRAD. Macht nach Adam Riese 10000 gute Gründe, gemeinsam zu festeln – auch wenn sich die beiden nicht immer grün waren.

Schnarchnasen – haben Sie gedacht, gell? Verpennen die bei MOTORRAD vor lauter eigenem Geburtstags-Stress doch tatsächlich Harleys Hundertsten. Was ne Panne. Und jetzt wollen uns die Damen und Herren Redakteure mit läppischen fünf Seiten abspeisen. Fünf Seiten! Für ein Jahrhundert Motorradgeschichte. Das muss man sich mal reinziehen. Typisch für »Europas Größte«, mit Harley hatten die eh nie viel am Hut.Man erinnere sich nur an den ersten einigermaßen seriösen Test – »Begegnung mit einem Saurier« – der geschlagene 59 Jahre auf sich warten ließ. Auf dem Kalender stand Oktober 1962, als sich »Das MOTORRAD« endlich bequemte, eine Maschine aus Milwaukee genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei gab es schon 1924 einen offiziellen Importeur für Deutschland: Georg Suck in Hamburg, jawohl, der Name taucht bis heute im Harley-Händlerverzeichnis auf. Und ab 1925 ging in der Hansestadt der Tratsch von einer Frau Mahnka oder so, die ein Harley-Gespann nicht nur erworben, sondern gar öffentlich bewegt haben soll. Unerhört, eigentlich. Den Weibsbildern schien wohl nichts mehr heilig. Aber das ist eine andere Geschichte.Erster Test also. Eine Duo Glide FLH 74 aus dem Privatbesitz eines gewissen Alois Hezel: 1207 Kubik, 57 PS, geschätzte 170 km/h. »Die volle Leistung wird man nie bei unseren Verkehrsverhältnissen ganz ausnutzen können«, schreibt ein begeisterter Ernst »Klacks« Leverkus, zitiert Nashörner, Stahlrösser, sich bekreuzigende Bäuerinnen und Pfaffen, gibt alles, um dieses gewaltige Motor-Ereignis irgendwie in Worte zu fassen. Und dann? Driftet er völlig unvermittelt ins ganz und gar Profane ab: mieser Kettenschutz, minderwertige Filzfilter, Tankvolumen »ein Witz«. Naserümpfen ob der Lage von Batterie und Regler, »man muß eben ein bißchen an der Maschine arbeiten, um allen Gammel wegzubrigen«.Gammel! Er hat tatsächlich »Gammel« geschrieben, Freunde. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft......die im Februar 1965 ihre Fortsetzung findet. Mit der »Geschichte einer Harley namens Bullerjan«. An der Schreibmaschine abermals Leverkus, sein Objekt abermals die Duo Glide des Herrn Alois. Jetzt allerdings per Steib-Seitenwagen zum Gespann mutiert. Testmaschinen sind rar dieser Tage, vor allem amerikanische, kein Wunder, dass Bullerjan zur Titelstory avanciert. Alles wird gut.13 Jahre und 18 Harley-Berichte später: Mit ein paar hübsch zurecht gemachten Seiten in Heft 19/1978, zelebriert die Redaktion den 75. Geburtstag des letzten lebenden amerikanischen Motorradherstellers, gekrönt durch ein feudales Interview mit den Gründer-Enkeln Willie G. und John A. Davidson. Und was macht er, der investigative Journalist und spätere BMW-Pressesprecher Hans Sautter? Fragt, wie man die Qualitätsprobleme in den Griff bekommen wolle, und warum die Bremsen einer Harley so schlecht seien? Happy birthday!Zum 90. gab’s keine Audienz bei Willie G. – dennoch aber ein dickes Extra (Heft 1/1993). 57 Seiten am Stück! Dicke Freunde werden die Amis und MOTORRAD trotzdem nicht. Erbsenzählerische Tests auf der einen Seite; Glaube, Liebe und Visionen auf der anderen. Als man in Stuttgart schließlich die Erfindung des Top-Tests und der humorlosen 1000-Punkte-Wertung feiert, scheint der Abbruch der bilateralen Beziehungen unmittelbar bevor. Doch weit gefehlt: Milwaukee ist ganz verrückt darauf, kann kaum erwarten, die V-Rod pylonieren zu sehen. Funkensprühend locht sie bei 512 Punkten ein. Beachtlich, für einen Cruiser. Wohlgefallen hüben wie drüben – nach all den Jahren.Und jetzt, live on stage: ein Exclusiv-Interview mit dem obersten aller Harley-Bosse Mister Jeffrey L. Bleustein. Einer der Mannen, die mächtig am Rad gedreht haben, um die Company Anfang der 80er vorm Aus zu bewahren. Und danach feiern wir Harleys Hundertsten. Mit einem zünftigen Sonderteil in MOTORRAD 15/2003 und einer riesen Party in – na, wo wohl: Hamburg.

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