HB-Rückzug (Archivversion) Aus die Maus

Nach 14 Jahren zieht sich die im Zigarettenmarkt gebeutelte Marke HB aus dem Motorradsport zurück. Dabei gaben nicht nur finanzielle Gründe den Ausschlag.

Zum Saisonende 1996 steigt HB als Sponsor aus dem Motorradrennsport aus. Damit fällt der Vorhang über ein Stück Sportgeschichte, das 1982 mit den Halbliter-Stars Randy Mamola und Virginio Ferrari begann und schon 1986 mit dem 250er WM-Titel des Venezolaners Carlos Lavado seinen Höhepunkt erreichte. Denn in den zehn Jahren seit 1987, als der neue Motorsportmanager Dieter Stappert das Ruder übernahm, gab es außer den drei 250er Vizeweltmeisterschaften von Reinhold Roth 1987 und 1989 sowie Helmut Bradl 1991 nicht allzu viel zu feiern. Stappert gelang es zwar, immer üppigere Budgets für teure Stars loszueisen, er hatte aber wenig Gespür für die Nachwuchsbetreuung. Erst Jürgen Fuchs schaffte es, sich als zweiter Mann im HB-Rennstall zu behaupten, geriet in diesem Jahr aber als Werksfahrer-Neuling im Schatten des von Stappert klar bevorzugten Ralf Waldmann in derartigen seelischen Streß, daß er sich eine Magenschleimhautentzündung zuzog.»In einem Team mit dieser Athmosphäre wird nie einer Weltmeister«, prognostizierte Rennarzt Dr. Christoph Scholl schon vor einem Jahr. Statt positiver Fernseh- und Zeitungsberichte gerieten in dieser Saison die teaminternen Querelen zwischen Fuchs und Waldmann in die Schlagzeilen, und weil Dieter Stappert die Wogen nicht zu glätten vermochte und manche Privatinteressen allzu offen im Fahrerlager auslebte, war HB ein schnelles Ende mit Schrecken lieber als ein Schrecken ohne Ende. Um der Marke, so ein Mitarbeiter, »weitere Peinlichkeiten zu ersparen« und den »untragbaren Zuständen ein Ende zu bereiten«, kam es vor dem Frankreich-Grand Prix zu einer Sitzung, bei dem der in der Kritik stehende Dieter Stappert das Ende für sein Team nicht mehr abwenden konnte. Daß HB von einst über 20 Prozent Martkanteil über zwölf Prozent zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung auf derzeit acht Prozent absank und der Motorsport im Zuge neuer Werbestrategien ohnehin auf den Prüfstand kam, ist nach außen hin der Hauptgrund für den Rückzug. Rund 6,5 Millionen Mark Jahresbudget war für die dahinsiechende Marke schlicht zu teuer.

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