Hehlerware bei Ebay (Archivversion) DeaLETtanten

Was so alles passieren kann, wenn ein gestohlenes Motorrad Teil-weise bei Ebay auftaucht, der Bestohlene es wieder erkennt und der Verkäufer sich einer falschen Identität bedient...

Dass seine Daytona so einzigartig
dastehe, habe ihn viel Zeit und Geld gekostet, sagt Sven Rikwald, Handwerksmeister in Berlin. Dem dieses Unikat am
8. August 2004 in Rostock abhanden kam. Geklaut. Und der es nicht fassen konnte, seine Triumph bei Ebay zu finden, besser gesagt: Teile davon. Wesentliche Teile. Wie den Motor und das komplette Heck mit dem Spezialauspuff. »Die haben nicht mal meinen Firmenaufkleber abgemacht.«
Rikwald informierte sofort Polizei und Versicherung. Die Polizei, meint Rikwald, habe zunächst zögerlich reagiert, die wiederum gibt an, sie habe sich sofort mit Ebay in Verbindung gesetzt und auch alle dort vorliegenden Informationen über den Anbieter, taenzer73, erhalten. Was, wie Ebay erklärt, Usus sei bei »begründetem Verdacht und offizieller Anfrage einer staatlichen Behörde«.
Währenddessen bietet Rikwald um das Daytona-Heck mit, geht bis auf 500 Euro rauf, denkt, keiner bietet mehr. Irrtum,
jemandem war Rikwalds Kreation 503 Euro wert. Rikwalds Plan, durchs Ersteigern dem Anbieter – und damit dem Dieb – auf die Schliche zu kommen, geht also schief. Allerdings gelingt es ihm und seinem
Anwalt, den Käufer des Motors, einen
Motorradhändler in Jena, zu identifizieren. Der erweist sich kooperativ, rückt die Daten des Anbieters raus, dessen Rechnung er, logo, nicht begleicht.
Rikwald gibt diese Unterlagen sofort an die Polizei weiter. Die hatte die aber schon. Von Ebay, was Rikwald nicht wusste. Der zunächst auch nicht wusste, dass der Anbieter die Identität einer anderen Person benutzt, deren Papiere gestohlen worden waren, und unter ihrem Namen
ein Konto eröffnet hatte. »Um an den
Dieb oder den Hehler ranzukommen«,
sagt die Polizei, habe sie die insgesamt acht Auktionen nicht gestoppt und auch die Käufer nicht darüber informiert, dass
sie Hehlerware erwerben, auf die sie
kein Eigentumsrecht besitzen. Denn dann
hätten die Bieter ja einen Fehler, eine
Unachtsamkeit begehen und den Dieb warnen können, befürchtet die Polizei.
Ebay dazu: »Wenn uns eine Strafverfolgungsbehörde darüber informiert, dass bei einem Angebot Hehlerware verkauft werden soll, dann beenden wir das fragliche Angebot.« Es sei denn, die Polizei verlangt, wie in diesem Fall, das Gegenteil.
Die Käufer der Motorradteile werden Besuch bekommen. Von der Polizei, die dann auch die gestohlenen Teile beschlagnahmen wird, die nur deshalb versteigert wurden, weil sie es wollte. Schadenersatzansprüche können diese Leute freilich nur an den Dieb oder Hehler stellen, sagt der Strafrechtler Paul Vogel von der Berliner Rechtsanwaltsgesellschaft mbH Vogel*. Wollte man die Polizei haftbar machen, müsse man dieser schon eine schuldhafte Amtspflichtverletzung nachweisen. Was ein äußerst schwieriges Unterfangen sei.
MOTORRAD wird über den weiteren Verlauf der Ermittlungen berichten.

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