Helm-Lackierung (Archivversion) Bunt fürs Leben

Früher waren preisgünstige Helme schlicht lackiert, hoch dekorierte entsprechend teuer. Heute gibt es kunterbunte Phantasie-Designs bereits zum erschwinglichen Preis. Wie das?

Bis vor einigen Jahren ließ sich ein mehrfarbiges Design nur realisieren, indem der Helm aufwendig in mehreren Schritten lackiert wurde. Dabei mußten die nicht zu lackierenden Flächen jeweils exakt mit Folien abgedeckt werden, ein zeitraubendes und teures Verfahren, zumal zwischendurch jeweils Trocknen erforderlich ist. Durch großflächige Aufkleber versuchten die Hersteller, kostbare Produktionszeit zu sparen. Der Nachteil der Dekor-Aufkleber: Sie lassen sich nicht beliebig auf dem runden Helm aufbringen, ohne Falten zu bilden. Außerdem bleiben deren Kanten selbst dann gut sichtbar, wenn sie von einer schützenden Klarlackschicht überzogen sind. In den letzten Jahren hat sich Entscheidendes getan. Aufwendige Dekore werden heute auf eine Trägerfolie aufgebracht, die sich hinterher so wieder vom Helm abziehen läßt, daß der darauf gedruckte Lack dauerhaft auf der Helmoberfläche verbleibt. Die einzelnen Arbeitschritte sind folgende: Zuerst wird die einfarbig lackierte oder auch eingefärbte Helmschale im Ofen auf etwa 80 Grad gebracht. Nach dem Herausnehmen muß fix gearbeitet werden. Der Helm wird mit Wasser befeuchtet, dadurch läßt sich die Dekorfolie richtig positionieren. Die Folien sind so flexibel, daß auch starke Krümmungen keine Probleme bereiten, durch den temperierten Helm lassen sie sich besonders gut anpassen. Mit einer Gummileiste wird dann das Wasser zwischen Folie und Helmschale herausmassiert. Anschließend wird der Helm 24 Stunden lang getrocknet. Während dieser Zeit passiert das Erstaunliche: Der Lack verbindet sich auf wundersame Weise mit der Helmschale. Der Chemiker nennt diesen Vorgang Polymerisation, der Laie muß die Abläufe im Molekularbereich wohl nicht unbedingt verstehen. Tatsache ist jedenfalls, daß die Farbe statt an der Trägerfolie nun pötzlich am Helm haften bleibt und die dünne Folie abgezogen werden kann. Der Aufwand im Vergleich zu einer mehrfarbigen Lackierung ist mit dieser Technik ungleich einfacher, schneller, billiger. Nach der Farbgebung bekommt der Helm eine Klarlackschicht, die hauchdünne Kanten der Lackflächen vollkommen einebnet und die gesamte Oberfläche schützt. Auch hier bedient man sich modernster Technik: Der Helm wird elektrostatisch aufgeladen und zieht quasi die anders gepolten Lackpartikel an. Nur 20 Prozent gehen dabei verloren, bei herkömmlicher Lackierung können das mehr als 50 Prozent sein. Ein weiterer Vorteil: Der Lack wird auf der gesamten Schale gleichmäßig dick verteilt, was selbst der routinierteste Lackierer nicht hinbekommt. Nach einer halben Stunde Trocknen bei 50 bis 60 Grad ist die Schale fertig zum Einbau der Innenausstattung und Visiermechanik.Erkennbar sind die auf die geschilderte Weise gefärbten Helme leicht daran, daß die Übergänge zwischen den Farbflächen keine fühlbaren Spuren hinterlassen. Bei herkömmlichen Aufklebern hinterläßt die relativ dicke Klarsichtfolie deutlich spür- und sichtbare Kanten. Fast alle europäischern Helmhersteller beziehen die bedruckten Trägerfolien bei einer italienischen Firma. Der Farbgebung sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Wilde Designs, stufenlose Übergänge, verlaufende Töne - alles dank Drucktechnik kein Problem. Wenn die neue Technik auch jedes noch so phantasievolle Design möglich macht, Sinn macht sie nbatürlich erst in großen Stückzahlen. Jeder Helm bleibt daher doch immer ein Serienexemplar. Wer ein Unikat will, muß sich zwangsläufig an einen Airbrush-Künstler wenden - das kann denn aber eine hübsche Stange Geld kosten.

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