Hersteller-Reaktionen (Archivversion)

Reibungs-Los

In puncto Abriebverhalten können Kunstfasern mit Leder nicht mithalten, das zeigte der Vergleichstest von 16 Textilanzügen in MOTORRAD 18/1996. Das schlechte Ergebnis war bei den Herstellern ein heißer Diskussionspunkt.

Preis und Leistung stehen bei den meisten Konsumgütern in Zusammenhang. Wer mehr ausgibt, bekommt - in der Regel - bessere Qualität, Ausstattung oder Verarbeitung. Wer weniger Bares über den Ladentisch schiebt, muß Kompromisse eingehen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Das zeigte auch der Vergleichstest der Textilanzüge, in dem die Preisspanne von 850 bis 2000 Mark reichte. Diese große Preisdifferenz wurde von einigen Herstellern kritisiert, macht aber den Test für den Verbraucher gerade interessant. Denn nicht immer bekommt er für viel Geld optimale Sicherheit oder Praxistauglichkeit. Umgekehrt hat der Test gezeigt, daß es auch in der mittleren Preisregion schon ordentliche Leistungen gibt, während die Anzüge unterhalb der 1000-Mark-Grenze in Praxis und Sicherheit Mängel aufwiesen. Ein weiterer Kritikpunkt war der Vergleich mit Leder im allgemeinen und mit der Schwabenleder-Kombi im speziellen. Dabei stellen einige Hersteller in der Werbung selbst recht vollmundig und offen Textil und Leder gegenüber: »Die hohen Abriebwerte »... sind mit Leder vergleichbar« oder »..so sicher wie Leder« heißt es wortwörtlich in Katalogen. In Fachgeschäften bekommt der Kunde Ähnliches zu hören und auch Leser melden sich oft in der Redaktion mit der Frage, ob Textilien als Schutzkleidung taugen. Daher erschien MOTORRAD gerade in diesem Punkt eine Aufklärung wichtig. Mit Absicht wurde für den Vergleich im Bereich Sicherheit als Meßlatte eine Lederkombi der Topklasse ausgewählt. Die Referenzkombi von Schwabenleder glänzte bisher in allen Stoßdämpfungs-Tests mit sehr guten Werten, zeigt also, was im Lederbereich praktisch machbar ist. Hinsichtlich Protektoren sieht es bei den Textilkombis aber gar nicht schlecht aus, hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Nicht zuletzt durch die CE-Norm für Protektoren ist der Standard mittlerweile recht gut, auch wenn noch ein Abstand zu Lederkombis der Topklasse besteht. Daß die Bewertung im Bereich Sicherheit generell eher mäßig ausfiel, liegt ausschließlich an der unbefriedigenden Abriebfestigkeit der textilen Obermaterialien: Nur vier von sechszehn Anzügen wurden mit befriedigend bewertet, dem Rest mußte mangelhafter Schleifschutz attestiert werden. Beim Abriebverhalten wurde neben dem Schwabenleder-Modell außerdem eine preiswertere Lederkombi von Ixs mitgetestet, die auf dem Schleif-Prüfstand der TH Darmstadt ebenfalls keinerlei Probleme unter allen Testbedingungen hatte. Leder scheint also grundsätzlich besser als Kunstfasern zu sein. Befriedigende Ergebnisse lassen sich bei Textilien bisher nur durch hohe Anteile von Kevlar erreichen, was die Anzüge allerdings teuer macht.Wichtig ist aber auch, daß bei der ganzen Diskussion um Sicherheits-Defizite das gute Praxisergebnis vieler Testanzüge nicht zu kurz kommt. Festzuhalten bleibt, daß sie einen breiten Einsatzbereich mit hohem Tragekomfort verbinden und damit auch eine Menge aktive Sicherheit bieten. Denn sicher fährt nur, wer sich auf dem Motorrad wohlfühlt und nicht durch Kälte oder Nässe gehandicapt ist. Und auch die Testfahrer von MOTORRAD werden weiterhin im Dienst wie in der Freizeit mit Textilkombis anzutreffen sein, jedoch wohl kaum bei ernsthaften Testfahrten und schon gar nicht auf der Rennstrecke.
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Textilkombi-Test: Reaktionen der Hersteller (Archivversion)

Kastentexte:Wir können ein begründetes Mißtrauen gegen die Anordnung und Durchführung des Tests nicht verhehlen:1. Unsere Jacke beinhaltet CE-geprüfte Protektoren. Wie kann der Test sich andere Kriterien anmaßen und zu anderen Werten kommen und somit die Vorgaben des Normenausschusses in Frage stellen?2. Die Durchführung des Schleiftests ist nachvollziehbar. Die Bewertung 0 bedeutet kein Meßergebnis, kein Schutz. Nur ist nach Angaben des Herstellers das von uns verwendete Dynax 30-mal haltbarer als Baumwollgewebe. Grotesk ist die Aussage, daß das Abriebverhalten bei 50 die Punktzahl Null bekommt, bei 100 hingegen 4 Punkte.3. Die vorderen Belüftungstaschen werden als »Gag« abqualifiziert. Leider wurde die dazugehörige hintere Belüftungsfalte im Rücken übersehen.4. Aufffallend ist generell, daß gleiche Materialien im Test zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.Wir nehmen trotzdem diesen Test sehr ernst. Wir werden berechtigte Mängel ergründen und abstellen, um unseren Kunden die gewohnte Held-Qualität zu bieten.Edgar Held, Burgberg, HeldAuch wenn wir uns eine bessere Plazierung gewünscht hätten, möchten Clover und Krawehl ein Kompliment für einen fundierten Test ausssprechen. Uns hat gefreut, daß Ihr Test eine gewisse Zahl von Herstellern nicht in die Pfusch-Ecke stellt, sondern Stärken und Schwächen aufzeigt. Besonders hervorzuheben ist, daß die Schutzwirkung über »Wasserdämpfe« gestellt wurde. Alexander Krawehl, Hamburg, KrawehlGut finde ich die umfangreiche Detailarbeit und Aufteilung der Kriterien. Schlecht ist der Vergleich mit Lederanzügen, der sich vom ersten Absatz bis zum Resümee wie ein roter Faden durch den Test zieht. Schwabenleder ist nun wirklich nicht die Alternative. Die Mehrheit fährt »normale« Lederbekleidung und fühlt sich dann durch das Zitat bestätigt: »Wer maximale Sicherheit will, kann auf die Lederhaut nicht verzichten.« Wir wissen, daß das so nicht stimmt. Schade, denn der Test ist gut.Johannes Kroner, Rukka, HamburgVergleichstests mit subjektiver Bewertung sind unserer Meinung nach immer heikel. Bei Ihrem Test werden Anzüge von 800 bis 2000 Mark verglichen. Hier kann man nicht jedem Hersteller gerecht werden, da in Punkten Sicherheit und Praxis die Materialkosten den Verkaufspreis bestimmen. Die Punktebewertung halten wir für sinnvoll. Man sollte es aber dem Leser überlassen, ob er die Anzüge mit gut oder mangelhaft beurteilt. Ab der IFMA 1996 sind bei Spidi CE-geprüfte Protektoren eingebaut. So glauben wir, in puncto Sicherheit das Möglichste getan zu haben.Manfred Emig,Garmisch-Partenkirchen, SpidiSich an einem Seil von einem Auto ziehen zu lassen ist wohl eher ein Ausrutscher in ihrem ansonsten repräsentativen Test. Denn auch wir haben Jacken von Fahrern zur Reparatur bekommen, die mit mehr als 100 km/h gestürzt sind. Daß eine Textiljacke dabei kaputter wirkt als eine Lederkombi, ist klar. Vermessen ist es, eine Renn-Lederkombi mit Tourenanzügen zu vergleichen. Der Test sollte doch wohl eher Motorradfahrer zu sicherer Kleidung bringen, die mit billigen XY-Jacken oder gar Jeans fahren. G. Seibold, München, RestlessDas gute Abschneiden unseres All Season-Anzugs, aber auch der hohe Testaufwand und die kompetente Darstellung haben in unserem Haus positive Reaktionen ausgelöst. Das soll aber nicht heißen, daß wir in allen Punkten mit Ihnen übereinstimmen. Es wurde zum Beispiel nicht erwähnt, daß die Hiprotec-II-Protektoren CE-geprüft sind. Den Schleiftest ohne Protektoren durchzuführen halten wir für nicht realititätsnah. Peter Kaiser, Düsseldorf, Gericke

Textilkombi-Test: Reaktionen der Hersteller (Archivversion)

Herzlichen Glückwunsch zu einem dank richtiger Zutaten gelungenen Test: Sachkenntnis, Know-how, akribische Durchführung und objektive Bewertung so unterschiedlicher Kriterien wie Sicherheit und Praxis. Einziger Kritikpunkt: Auch wenn der Rückenprotektor beim Orlando nur als Zubehör erhältlich ist, hätten Sie ihn der besseren Vergleichbarkeit wegen mit in den Test einbeziehen sollen. BMW ist auch ein bißchen stolz auf das Ergebnis, schließlich haben wir vor genau zehn Jahren den ersten Gore-Tex-Anzug auf den Markt gebracht und damit einen neuen Trend eingeläutet.Hans Sautter, München, BMW Alle Achtung vor dieser Riesen-Arbeit, wir gratulieren zu einem objektiven, praxisbezogenen Test. Die Testergebnisse unseres »Futura« sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das Konzept stammt aus dem Jahr 1993, bei früheren Tests wären wir bestimmt ganz vorn dabei. Um so erstaunlicher, daß er trotz aller zwischenzeitlichen Fortschritte noch »bei den Leuten« ist. Anzumerken ist zu den »unbequemen Protektoren« an den Schultern, daß diese großflächigen Formteile den Zweck haben, auch Schlüsselbein und Schulterpartie optimal zu schützen. Guido Bongartz, Sursee, Schweiz, IxsEin umfangreicher Test, der kaum Fragen unbeantwortet läßt. Trotzdem einige Anmerkungen von Gore:1. Ich bin gegen ein verallgemeinernde Aussage, Leder sei besser als Textil. Schauen Sie sich doch einmal an, was an Lederbekleidung auf dem Markt im Umlauf ist. 2. Ihr Schleiftest hinter dem Auto ist der schwächste Teil im Test. Da es keine relevanten Daten aus der Unfallforschung gibt, fischen alle Versuchsaufbauten mehr oder minder im Trüben. Uns liegen Kombis vor, die bei Stürzen mit 140 km/h ihre Fahrer vor Verletzungen geschützt haben. Was will man mehr?3. Auch Leder kann wasserdicht sein, siehe BMW-Atlantis mit Gore-Tex-Innenanzug.4. Sie schreiben, kein Rennfahrer würde Textil tragen. Bereits 1990 trug Martin Wimmer eine Schoeller-Keprotec-Kombi, mit der er sogar einen Sturz bei 240 km/h unbeschadet überstand.3. Bei Gore wird die Atmungsaktivität nicht nur nach MVTR gemessen, sondern auch nach dem im Test angewendeten »Hohensteiner Hautmodell«. Letzteres wurde sogar in Zusammenarbeit mit unseren Spezialisten entwickelt.Uwe Reichelt, Putzbrunn, GoreLeider war uns vorher nicht klar, daß die Textilanzüge mit Leder verglichen werden sollten. Dazu ist der MQP-Anzug nicht gedacht, und auch die Mitbewerber können kein vergleichbares Abriebverhalten bieten, wie der Test zeigt. Feste Materialien und Verstärkungen machen einen Textilanzug teuer, so daß er nicht billiger ist als eine Lederkombi plus Regenoverall. Warum der getestete Anzug nicht wasserdicht war, werden wir untersuchen. MQP hat eine Garantiestelle, um Reklamationen von Kunden zu beheben. Neue Jacken werden getauscht, ältere können auch nach der Garantiefrist repariert werden. Bianca Levering, Rotterdam, Holland, MQPUns als alte »Lederhasen« hat das Ergebnis im Bereich Sicherheit nicht überrascht. Wir haben nie behauptet, daß Cordura es mit Leder aufnehmen könnte. Wie Sie richtig bemerkt haben, hat eine Textilkombi Multifunktionseigenschaften, die letztlich aktive Sicherheit bringen. Wer in einer Lederkombi schwitzt oder naß wird, wird eher verunfallen als mit einem Textilanzug, in dem man sich wohlfühlt. Unsere Absicht war, eine bezahlbare Textilkombi mit solchen aktiven Sicherheitseigeschaften zu konstruieren. Dies ist uns gelungen, wir haben im Test die günstigste Kombination mit der Bewertung »gut« im Praxistest. Bedanken möchten wir uns für die Anregungen, die wir sorgfältig analysieren und bei Modellmodifikationen berücksichtigen werden.Christian Oberkönig, Beckum, Modeka

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