Hinter den GP-Kulissen (Archivversion) Kenny Family

Kenny Roberts junior dreht nicht nur am Gas wie einst sein Vater. Der neue Suzuki-Star denkt und analysiert auch ganz im Stil von King Kenny, dem dreimaligen 500er Champion.

Die wilden Rodeoritte von Kevin Schwantz sind Legende, denn kein Nachfolger konnte die Suzuki jemals wieder so haarsträubend über alle Limits treiben.Jetzt feiert Suzuki wieder Siege, doch bis auf die Plazierungen von einst ist heute alles anders. Statt sich schüttelnd aufzubäumen, zieht das Motorrad wie auf Schienen seine Spur, und trotz des Sturzes in Frankreich strahlt der Fahrer nicht jene ständige, akute Verletzungsgefahr aus, die dem berühmten Texaner eigen war. »Wir haben jahrelang nach einem neuen Kevin Schwantz gesucht - und am Ende einen neuen Kenny Roberts gefunden«, erklärt Teammanager Garry Taylor.Denn wie sein berühmter Vater ist auch Kenny Roberts junior, 25 Jahre alt und seit den Auftaktsiegen in Malaysia und Japan Mitfavorit auf den Halbliter-Titel 1999, die Ausnahmeerscheinung schlechthin im Fahrerlager. Beim Dirt Track-Fahren von Berühmtheiten wie Eddie Lawson, Wayne Rainey, Randy Mamola und Roberts senior zu lernen war für den Junior so selbstverständlich wie für andere Knirpse sich das kleine Einmaleins anzueignen. Und als er vor fünf Jahren in der Weltmeisterschaft ankam, hielten den talentierten Grünschnabel nur unglückliche Umstände von Erfolgen ab.Doch Suzuki, jahrelang vernichtend geschlagen, bot im Spätsommer 1998 eine Chance mit verlockenden Perspektiven. Nur dort gab es die Möglichkeit, ein Motorrad auf Kenny junior maßschneidern zu lassen, und daß Roberts senior nicht nur seinen Sohn, sondern auch seinen langjährigen Cheftechniker Warren Willing ziehen ließ, war die Garantie für kommende Erfolge.Denn Willing wußte, wie man der seit Jahren im Kreis rotierenden Entwicklung der RGV 500 wieder eine klare Richtung geben konnte. »Die Suzuki hat nicht die Bärenkräfte des Honda-Motors, deshalb suchten wir unseren Vorteil in den Kurven. Denn wenn du den Gasgriff beim Herausbeschleunigen zu 65 Prozent aufdrehen kannst und die Honda-Piloten nur zu 55 Prozent, dann kommst du unterm Strich trotz weniger PS zum gleichen Ergebnis«, verdeutlicht Willing. Auch das Fahrwerk wurde entsprechend getrimmt.Schon bei Vorsaisontests zeigte Roberts seine Qualitäten, doch wo er wirklich stand, zeigte sich erst beim Saisonauftakt in Malaysia. »Das Rennen war die ultimative Fahrt. Ich traf jeden Kurvenscheitelpunkt auf den Zentimeter genau, war in jeder Runde überall exakt bei dem Tempo und an jenem Punkt der Strecke, den ich anvisierte. In jeder Kurve rutschte ich kontrolliert übers Vorderrad und glich das durch kontrollierte, mit dem Gasgriff ausgelöste Hinterrad-Drifts wieder aus«, schmunzelte Roberts. Kenny junior denkt schon weit über die Horizonte der meisten Berufskollegen seines Alters hinaus. »Ich möchte mithelfen, diesen Sport größer zu machen«, erklärt er ganz im Stil des Vaters.Durch Autogrammstunden will er zum Beispiel mehr Kids an die Rennstrecken locken. »Und wenn mir einer 1000 Dollar bietet, um eine Mütze mit seinem Logo zu tragen, werde ich ihm sagen, er soll das Geld lieber in eine Zeitungsanzeige für diesen Sport investieren. Wir müssen alles tun, um unsere Show bekannter zu machen!“

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