Hinter den Kulissen (Archivversion) Das falsche Rezept

Aprilia-Star Jürgen Fuchs fuhr statt um Siege bisher vor allem in die Pannenstatistik. Die richtige Kur für seine kranke Maschine fand sein holländisches Docshop-Team bisher noch nicht.

Als die blaue Docshop-Aprilia im verregneten Warm-Up zum Grand Prix von Frankreich schon wieder nicht richtig lief, wurde auch der Fahrer krank. »Der Motor ist in jeder Kurve abgesoffen. In der kurzen Zeit habe ich solches Fieber gekriegt, daß ich zu Dr. Costa mußte. Unsere Techniksorgen werden auch für mich zum massiven Gesundheitsproblem«, schilderte Jürgen Fuchs, der eigentlich um die 250er WM mitfahren wollte, derzeit aber an hoffnungsloser 17. Stelle liegt. Die richtige Therapie fand sein von der holländischen Medizinbedarfsfirma Docshop gesponsertes Team freilich auch diesmal nicht. Auf einem Zylinder stotternd, rollte die V2-Werks-Aprilia an den Startplatz, statt Beschleunigung produzierte der überfettete Motor eine Qualmwolke. »Es war derart niederschmetternd, daß ich sogar daran dachte, alles hinzuschmeißen und aufzuhören«, kochte Fuchs, der kaum mit dem Safety Car mithalten konnte. Der gedemütigte Cheftechniker Lucas Schmidt stand laut Pressesprecher Stefan Prein »kurz vor dem Herzinfarkt«, blieb aber im Amt. Denn nicht alle Pannen sind derart klare Mechanikerfehler wie der falsch zusammengesetzte Motor, der Fuchs schon beim Saisonauftakt in Japan am Siegen hinderte: Der achte Platz in Malaysia war eine Niederlage, die sich der Fahrer wegen falscher Reifenwahl selbst zuschreiben mußte. Bei allen anderen Defekten hatten die Unwägbarkeiten der heiklen Aprilia-Technologie ihren Anteil. Beim Kurbelwellenbruch von Jerez wurde die offizielle Laufleistung erst hinterher ab Werk diskret von 1200 auf 700 Kilometer reduziert. Auch das Versagen der Elektronikbox am Ersatzmotorrad war ein Produktionsfehler.Ärger mit dem unteren Zylinder ist ebenfalls ein chronisches Aprilia-Leiden. In Mugello, wo auch Tetsuya Harada am Start zurückfiel, ging der untere Kolben bei Fuchs trotz extrafetter Bedüsung fest. In Le Castellet vermasselte neben Fuchs auch Loris Capirossi wegen der Aussetzer den Start, der Argentinier Sebastian Porto bog mit ruckelnder Maschine in die Box ab. Selbst Werks-Mechaniker wie Fausto Colombo, der Lucas Schmidt seit dem Frankreich-GP »zur Entlastung« zur Seite gestellt wurde, blicken nicht immer durch. Der von Colombo in Le Castellet aufgebaute Motor drehte nicht, das von Lucas Schmidt betreute Aggregat war an der Grenze seiner Laufleistung, worauf das Team fürs Rennen auf den Reservemotor zurückgreifen mußte. Das war ein klarer Regiefehler, denn Gleichheit ist bei Aprilia eine relative Größe. Wegen der Serienstreuung lassen sich Einstelldaten nicht von einem Motor auf den anderen übertragen, und weil zusätzlich auch noch das Wetter umschlug, stimmte am Rennsonntag gar nichts mehr. Das soll sich künftig ändern. Fuchs fordert zahmere Steuerzeiten, notfalls auf Kosten der Höchstleistung, damit die sensible Gas-Schwingungssäule des Drehschiebermotors auch bei niedrigen Drehzahlen stabil bleibt und die verheerenden Aussetzer verhindert. Künftig will er auch bei Änderungen an der Bedüsung mitreden. Vor allem aber will er schon am Samstag wissen, mit welchem Set-Up er am Sonntag ins Rennen geht. »Sonst dreh´ ich durch - das machen meine Nerven nicht mehr mit!”

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