Hofmann, Alexander: Interview (Archivversion) »Ich hatte immer einen wasserdichten Vertrag“

Alex Hofmann, Kawasaki-Racing-Teamchef Harald Eckl hat Sie
unmittelbar vor dem Start zum Saisonfinale in Valencia als MotoGP-Fahrer auch für 2005 bestätigt. Aber man konnte dennoch nicht von einer ruhigen Vertragsverlängerung sprechen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich den ganzen Rummel nicht verstanden. Ich hatte und habe mit dem Kawasaki Racing Team einen Vertrag, der absolut wasserdicht ist. Dort steht explizit drin, dass ich 2005 beschäftigt werde – und zwar als Rennfahrer, nicht als Tester oder Entwicklungsmann oder sonst irgendwas. Darüber hinaus ist das Vertragswerk so abgefasst, dass es für beide
Seiten gar keine Ausstiegsklausel gegeben hätte. Kawasaki und ich waren in jedem Fall für die MotoGP-Saison 2005 aneinander gebunden. So hatte Harald Eckl eigentlich keinen Grund und auch keine Chance, mich loszuwerden.
Dennoch gab es offenbar Gespräche zwischen Teamchef Eckl und einigen MotoGP-Starfahrern, die auf dem Markt waren, wie etwa Troy Bayliss oder Alex Barros.
Das hat mich zwischenzeitlich selbst verwirrt, auch weil ich denke, dass meine Leistungen in meiner ersten vollen MotoGP-Saison, also meinem Rookie-Jahr, durchaus zufrieden stellend waren. Beim Gesamtergebnis muss man außerdem die vielen technischen Probleme und Motorschäden mit einrechnen, die wir hatten.
Sie wurden oft mit dem Ducati-Privatfahrer Ruben Xaus
verglichen, der – ebenfalls in seinem Rookie-Jahr – Elfter der MotoGP-WM
wurde. Sie stehen in der Abschlusstabelle auf Rang 15.
Der Vergleich mit Xaus geht nicht in Ordnung, weil seine Vorjahres-Werks-Ducati mit Sicherheit unserer Kawasaki derzeit noch überlegen ist. Und dann darf man nicht vergessen, dass Xaus als Superbike-Vizeweltmeister gekommen ist, während ich zwei Jahre ohne volles Rennprogramm hinter mir hatte.
Haben Sie sich trotz Ihres gültigen Vertrages mit dem Gedanken beschäftigt, sich vielleicht doch ein anderes Team suchen zu müssen?
Ich hatte eigentlich nie die Befürchtung, aus der MotoGP-WM herauszufallen. Denn zum einen war da der Kawasaki-
Vertrag. Und zum anderen war ich mir sicher, dass meine auf-
steigende Leistungskurve in Verbindung mit der Tatsache, dass ein deutscher Fahrer in der MotoGP-WM dringend gebraucht wird, mir im entscheidenden Moment eine Tür geöffnet hätte.
Die MotoGP-Saison 2005 im Kawasaki Racing Team: Was muss sich ändern? Was erwarten Sie vom Team und sich selbst?
Nun, das Entscheidende wird sein, dass wir die Zuverlässigkeit der Maschinen in den Griff kriegen. Dann sollte es möglich sein, meinen 15. WM-Platz aus diesem Jahr deutlich zu verbessern und zudem meinen Teamkollegen Shinya Nakano mehr unter Druck zu setzen.

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