Hofmann, Alexander: Interview (Archivversion) »Alex Hofmann muss professioneller werden“

Herr Eckl, wie beurteilen Sie die Leistung, die Ihr deutscher Fahrer Alex Hofmann in der Saison 2004 gezeigt hat?
Akzeptabel, aber nicht herausragend.
Trotzdem haben Sie ihn für 2005 wieder verpflichtet?
Ein einziges Jahr reicht nicht, um sich in der MotoGP-Weltmeisterschaft zu bewähren. Alex hat ab und zu mal angedeutet, wozu er fähig ist. Das hätte nur häufiger passieren müssen.
Hätte er bei Ihnen eine Chance bekommen, wenn er kein Deutscher wäre?
Sicher nicht. Ich halte es für wichtig, einen deutschen Fahrer in der MotoGP-WM zu haben. Unter anderem, um ein Signal für andere junge Talente zu setzen: Es ist auch einem deutschen Fahrer möglich, in ein Werksteam zu kommen.
Was empfehlen Sie Hofmann für das nächste Jahr?
Er muss seine Einstellung ändern, professioneller werden. Vor allem auch in der mentalen Vorbereitung, auf die Saison, auf die Rennen, auf jede einzelne Trainingssitzung. Ein extremes Beispiel: Was soll das, sich von seiner Boxencrew den Abstand zum zehnten Platz anzeigen zu lassen? Will er Zehnter werden? Sein Teamkollege Shinya Nakano geht da ganz anders ran. Der sagt: Wenn mal alles passt, kann ich gewinnen. Das ist die Racing-Einstellung, die es braucht.
Nakano war schon mal 250er-Vizeweltmeister.
Deshalb ist Alex auch nicht so schlecht, wie er von vielen gemacht wird. Hätte er einen Kameraden wie Andrew Pitt gehabt, der auf dem 15. Platz herumfährt, wäre Alex 15. WM-Schlussrang eine sehr ordentliche Sache. Er hat noch Potenzial. In Australien ist er rundenlang Sete Gibernau hinterhergefahren – dieselben Zeiten, ohne dabei ein hohes Risiko einzugehen. Vielleicht hat ihm nur noch niemand professionelles Arbeiten beigebracht.
Braucht er auch ein stärkeres Motorrad, das seltener kaputt geht?
Wir hatten zwei Probleme. Einmal waren es untaugliche Kolben, so dass wir auf Alternativen umsteigen mussten, die uns Leistung gekostet haben. Das andere Problem lag im Bereich des Ventiltriebs. Da haben wir es wahrscheinlich mit der Laufleistung übertrieben. Hätten wir wie Yamaha alle 300 Kilometer die Motoren gewechselt, hätten wir wohl nicht so viele Defekte gehabt.
Was wird sich an der Werks-Kawasaki für 2005 ändern?
Am wichtigsten sind Verbesserungen im motorischen Bereich, bei der Fahrbarkeit.
Yamaha benutzt wie Kawasaki einen Reihenmotor, allerdings nach dem Big-Bang-Prinzip, während Sie eine Screamer-Konfiguration bevorzugen. Wird das geändert?
Ich hoffe, es geht ohne Big Bang. Das ist für mich nach wie vor etwas Unnatürliches, Kastriertes. Niemand weiß so genau, was es tatsächlich bewirkt. Es muss über die Weiterentwicklung der Elektronik möglich sein, die Fahrbarkeit zu verbessern.

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