Honda Hyper VTEC (Archivversion)

Tanz der Ventile

Mechanische Einrichtungen, die den Tanz der Ventile beeinflussen, reichen wie fast alle technischen Besonderheiten weit in die Historie des Verbrennungsmotors zurück. So konstruierte Wilhelm Maybach bereits 1901 für Daimler-Motoren Einlaßventile mit variablen Hüben und Öffnungswinkeln. Sie regelten anstatt der Drosselklappe den Leistungsbedarf. Heute setzen viele namhafte Pkw-Hersteller auf Motoren, deren Nockenwellen sich im Betrieb gegenüber der Kurbelwelle verdrehen. Damit lassen sich zwar die Steuerzeiten, nicht aber die Öffnungswinkel und Hübe der Ventile beeinflußen. Allein der Firma Honda gebührt der Lorbeer, derartige Systeme nicht nur entwickelt, sondern auch in großem Umfang in der Serie eingesetzt zu haben. So dedütierte 1984 die CBR 400, in deren Vierventil-Brennräumen bei niedrigen Drehzahlen jeweils ein Ein- und Auslaßventil stillgelegt wurde. Ein Sperrbolzen koppelte bei höheren Drehzahlen die getrennten Schlepphebel und aktivierte die vorher stillgelegten Ventile. Auf dem Pkw-Sektor perfektionierte Honda dieses System und machte es unter dem Namen VTEC zum Begriff. Durch die Kombination zweier Nocken mit unterschiedlichen Ventilerhebungskurven und dem Mechanismus von Schlepphebeln mit Sperrbolzen schafften es die Ingenieure sogar, drehzahlabhängig zwei unterschiedliche Ventilerhebungskurven zu realisieren und somit Literleistungen von mehr als 100 PS mit alltagstauglicher Leistungsentfaltung zu kombinieren. Doch die Entwicklungsabteilungen der Industrie sind heute bereits einen Schritt weiter. Viele renommierte Hersteller arbeiten an elektromechanischen oder -hydraulischen Systemen mit stufenlos verstellbaren Ventilhüben und Öffnungszeiten. Die Leistungsregelung erfolgt dann über die Öffnung der Ventile, die Drosselklappe entfällt, also genau die Technik, die Wilhelm Maybach bereits 1901 vorexerziert hatte. 1998 präsentierte BMW ein solches funktionsfähiges System, bei dem die Ventile rechnergesteuert beliebig variable Öffnungszeiten und Hübe ausführen. Bei zügiger Entwicklung zur Serienreife könnten die Bayern exakt 100 Jahre nach Wilhelm Maybach mit ihrem System in Serie gehen.
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