Honda-Mechaniker des Jahres (Archivversion) Schraubende Verbindung

Deutschlands bester Honda-Mechaniker werkelt in Mühlheim an der Ruhr. In einem Betrieb, der schon seit Jahren fest zusammenhält.

Bernd Seehafers berufliche Lebenswelt ist klein und überschaubar. Ein Verkaufsraum, in den gerade einmal drei Motorräder passen, eine Werkstatt, in der eine Montagebühne völlig ausreicht, und eine Personalstruktur, die einen Betriebsrat ebenso überflüssig macht wie einen Dienstplan. Die Honda-Vertretung Sebold in Mühlheim ist ein Drei-Personen-Betrieb: nebst Meister Seehafer sein Chef Adolf Sebold und Frau Ortrud. Die Belegschaft ist seit zehn Jahren, die Marke seit 35 Jahren dieselbe.Gewachsene Strukturen also, und die sind – da herrscht bei Chef und seinem Meister Einigkeit – wohl mit ein Grund für Seehafers Erfolg auf dem nationalen und internationalen Schrauberparkett. Zweiter bei dem deutschen Honda-Wettkampf 1996, Erster 1998 und damit Teilnahmer an dem Europa-Wettbewerb im belgischen Gent. Von Zufall kann keine Rede sein. Eher schon von optimalen Rahmenbedingungen.»Ich muß hier alles machen und kann mich dabei nicht auf andere verlassen«, lautet die zentrale Erklärung Seehafers für seinen Erfolg. Nicht der Chef kontrolliert, sondern der Kunde. Adolf Sebolds Firmenphilosophie: »Einen guten Mechaniker erkennt man daran, daß keine Reklamationen kommen.« Damit dies auch weiterhin der Fall ist, leistet Sebold – selbst Kfz-Meister und Mitglied im Prüfungsausschuß der Kfz-Innung – tatkräftige Schützenhilfe. Seehafer bekommt die Gelegenheit, alle vom Importeur angebotenen Fortbildungslehrgänge (siehe Interview) zu besuchen. Außerdem ermöglichte Sebold seinem einzigen Angestellten vor Jahren den Besuch der Meisterschule in Abendkursen, auch wenn sich jener dann schon mal nachmittags um drei »verdrückte«.Ganz ohne Hintergedanken geschah das freilich nicht. »Wir wollten nie die größten werden, unser Geschäft machen wir über den Service. Wir haben rund 300 Kunden, aber die müssen wir zufriedenstellen.« Und dazu heißt es, technisch auf der Höhe zu sein. »Es reicht nicht, Symptome zu kurieren, wenn man die Ursachen nicht kennt. Die Zusammenhänge sind wichtig«, lautet des Ruhrpottlers Mechaniker-Ethik . Den Problemen auf den Grund gehen eben. Bisher sei Seehafner noch immer erfolgreich gewesen, selbst bei jener CBR 600, bei der sich nur bei bestimmten Temperaturen die Membran des Unterdruckbenzinhahns undurchlässig zeigte, weil sich ein Plastikscheibchen verschoben hatte. »Und daraus resultiert dann der andere wichtige Punkt: Erfahrung. Tritt ein derartiger Defekt noch einmal auf, schaue ich gleich nach dem Benzinhahn.«Das hätte der 40jährige auch anläßlich der Honda-Europaausscheidung im Oktober in Gent tun sollen. Eine der Aufgaben: Eine VTR 1000 – die bewegt der Westfale auch privat – lief nicht richtig. Eine der Ursachen war ein Zündungsproblem, von Seehafer schnell lokalisiert und behoben. Den verschlossenen Benzinhahn unter dem Tank jedoch übersah er. Sein Gesamtergebnis nach fünf Prüfungen: Platz sechs. Tragisch, da die besten fünf Teilnehmer dem Mutterhaus in Japan einen einwöchigen Besuch abstatten dürfen. Noch tragischer fand Seehafer, daß er an der eigenen Nervosität scheiterte. Die menschenvolle Halle des neuen Technical Centers in Gent hier, Sebolds kleine, stille Werkstatt da. Unterschiedlicher können Arbeitsbedingungen nicht sein. Und so gereichte ihm die himmlische seboldsche Ruhe vielleicht ein einziges Mal zum Nachteil. Der innigen Verbindung der Sebolds zu ihrem Angestellten wird das aber keinen Abbruch tun.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote