Identifizierung von Verkehrssündern (Archivversion) Gesichtskontrolle

Ich bin unschuldig, Herr Richter. Dieser Waigel muß sich mein Moped gekrallt haben. Oder war«s doch wieder der Kohl?

Geblitzte 94 km/h bei ausgeschilderten 50. Das ist dieses kleine bißchen mehr, als die Polizei erlaubt. »War ich nicht. Da muß ein anderer meinen Bock bestiegen haben.« Wer - das wollte der Besitzer natürlich nicht verraten. Worauf das Schwandorfer Jugendgericht dessen Kumpels vorlud. Und obendrein einen Spezialisten: Dr. Cornelius Schott aus Langenselbold. Der beäugte zunächst das Radarbild, studierte alsdann minutenlang die Gesichter der Verdächtigten. »Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist der Angeklagte auch der Fahrer.« Der wollte das nicht wahrhaben: »Ich erkenne mich ja selbst nicht mal auf dem Bild.« Danke, das war«s. Schott ist ein Vertreter der Biologischen Anthropologie, jener Wissenschaft also, die sich mit der Entwicklung und Vielfalt der Menschen beschäftigt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde unter dem Deckmäntelchen dieser Disziplin Unmenschliches betrieben - Rassenlehre. »Das hatte mit Anthropologie nichts zu tun«, beteuert Schott. Er analysiert Videoaufnahmen von Banküberfällen und - immer öfter - Radarbilder von Verkehrsverstößen. Theoretische Grundlage dieser Tätigkeit ist die These, daß jeder Mensch schlicht und einfach unverwechselbar sei. Sogar eineiige doppelte Flottchen.»Wir arbeiten bei unseren Reihenversuchen eng mit den Spezialisten für Zwillingsforschung zusammen«, erzählt Schott. »Als die Polizei anfing, Fingerabdrücke abzunehmen, haben anfangs auch alle gelacht.« Zur Erkennung einer Person benötigt er nur ein paar wenige Merkmale. »Die sind selbst auf unscharfen Radarfotos auszumachen.« Lediglich in fünf Prozent der Fälle muß er passen. Das könnte sich ändern, wenn immer mehr Kanzler und Finanzminister Motorrad fahren.

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