IDM auf dem Eurospeedway Lausitz (Archivversion) Alte Garde

Neue Technik-Regeln für die Supersport-Klasse, einige interessante Umbesetzungen bei den Superbikes, ein nochmals gestiegenes Interesse ausländischer Piloten – beste Voraussetzungen also für eine spannende Saison 2007 der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM). Und auch die Motorrad- und Zubehörindustrie zieht mit. Ducati, MV Agusta und Triumph – gleich drei Motorradhersteller haben sich für die aktuelle Ausgabe der IDM neu dem bislang japanisch dominierten Sponsorenpool angeschlossen. Bemerkenswert auf Seiten der Zubehörlieferanten ist sicher der offizielle Auftritt von Reifenfabrikant Continental, der seine markante dunkelgelbe Hausfarbe durch ein eigenes Supersport-Team ins Spiel bringt, sowie die Präsenz der eher aus dem Automobilsport bekannten Fahrwerks-Spezialisten von ZF Sachs. Die beliefern zwar nur einen einzigen Fahrer, aber das ist Jörg Teuchert – der Titelverteidiger in der IDM Superbike.
Der 37-Jährige, im vergangenen Jahr noch auf einer privat eingesetzten Yamaha des extra für diesen Zweck gegründeten Inghart-Teams erfolgreich und für die Rückkehr der illustren italienischen Marke MV Agusta in die IDM mitverantwortlich, verkörpert geradezu ideal den typischen IDM-Erfolgspiloten anno 2007. Der verfügt über reichlich Erfahrung – Teuchert war 2000 Supersport-Weltmeister – und ist gesetzten Alters. Ein Blick in die Ergebnislisten der Qualifikationstrainings zeigt: Gerade einmal sechs Fahrer schaffen es bei den Superbikes, weniger als eine Sekunde langsamer zu sein als der Trainingsschnellste, und die sind bis auf den sechstplatzierten Stefan Nebel mit seinen 26 Jahren alle deutlich über 30. Bei den Supersportlern liegen nur drei Piloten, zwischen 31 und 45 Jahren, innerhalb einer Sekunde.
Dank IDM-Neuzugang Marcel Schrötter sinkt bei den 125ern zwar der Altersdurchschnitt unter 20 Jahre, aber dort bleibt bereits der dritte für die IDM-
Wertung eingeschriebene Fahrer um mehr
als 1,2 Sekunden hinter dem schnellsten
Kollegen zurück. Pro Runde, wohlgemerkt. Das wirft ein fragwürdiges Licht auf den Qualitätsstand dieser Meisterschaft, und die mit dem Zieleinlauf nach den Rennen dokumentierten Zeitabstände, so viel vorab, bestätigen diesen Eindruck.
Trotzdem hatte die Saisoneröffnung auf dem Eurospeedway Lausitz neben perfektem Wetter durchaus unterhaltsame
Rennen zu bieten. Die 125er-Klasse, wo der immerhin über Grand-Prix-Erfahrung verfügende Georg Fröhlich nach dem Abzug der KTM-Werksmannschaft, die in den letzten drei Jahren jeweils den Meister
gestellt hatte, wie erwartet siegte, einmal ausgenommen. Und auch die Gespanne, die trotz brachialer Einliter-Vierzylinder für ihre zwölf Rennrunden länger brauchten als die 125er, wobei der Zweitplatzierte sagenhafte 32 Sekunden länger unterwegs war als der Sieger.
Umso herzhafter ging es in den Viertakt-Soloklassen zur Sache – weil die Launen der Renngötter dankenswerterweise unvorhersehbar sind und ein Trainingsergebnis gerne mal konterkarieren. Honda-Superbiker Kai-Børre Andersen mag in den Helm geflucht haben, da er beim Start seines ersten Rennens auf der Pole Position den Motor abwürgte. Dafür blieb den Zuschauern fast die Spucke weg, als sie beobachten konnten, wie der Norweger das Feld von ganz hinten aufrollte, eine Rekordrunde nach der anderen fuhr und schließlich auf das zweite Treppchen des Siegerpodests hinter Suzuki-Pilot Andy Meklau, fast 40, hüpfte. Leider war ihm nicht vergönnt, im zweiten Lauf ähnliche Heldentaten zu zeigen – Andersen wählte in Runde fünf unfreiwillig einen spektakulären Abgang per Überschlag.
Doch dieses Rennen war ohnehin nicht für ihn, sondern für Jörg Teuchert gemacht. Der hatte seine MV Agusta vor dem ersten Lauf in der Warm-up-Runde mit Defekt parken und zuschauen müssen, war deshalb besonders motiviert. Völlig frei von jugendlichem Übermut beobachtete
er sechs Runden lang, wie Martin Bauer
an der Spitze des Feldes zurechtkam, um dann die Führung zu übernehmen und nicht mehr abzugeben.
Bei den Supersportlern fiel Rico Penzkofer die Rolle des Jokers zu – er steuerte erstmals die von Dietmar Franzen präparierte Dreizylinder-Triumph Daytona 675, die im Zuge der Reglementsänderung
die Zulassung für den Start in der IDM Supersport erhalten hatte. Glück für ihn, dass die kleine Viertakt-Klasse dieses Jahr bei fünf Veranstaltungen zwei Auftritte
hat. Denn im ersten Rennen in der Lau-
sitz verheizte das Triumph-Fahrwerk den Hinterreifen vorzeitig – Platz drei statt Sieg. Lauf zwei wurde mit geändertem Set-up dann sichere Beute für Penzkofer.
Das erste IDM-Wochenende 2007 hinterlässt zwiespältige Eindrücke. Fast 2000 Aktive – inklusive Helfern und Offiziellen – tragen zum Gelingen der IDM-Show bei, knapp 40 amtliche Trucks sorgen im Fahrerlager für eine eindrucksvolle Kulisse. Der sportliche Wert ist akzeptabel, alle Beteiligten strengen sich mächtig an. Suzuki unterstützt den Veranstalter ADAC-Berlin-Brandenburg bei der Zeitungswerbung, der ADAC hängt 10000 Plakate auf und sorgt für perfekte Vorberichte, selbst »Bild« Berlin macht mit. Da ist ein Besucher pro Plakat entschieden zu wenig. abs

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