IDM Superbike: Yamaha Deutschland steigt aus (Archivversion) Champion <br /><br /> ohne Job

Stefan Nebel, aktueller Gesamtsieger der Superbike-Klasse in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM), steht nach dem Saisonschluss genau wie sein Kollege Philipp Hafeneger erst einmal ohne Job da. Yamaha Motor Deutschland sperrt das von Ex-Superbike-Meister Michael Galinski vorbildlich geführte Team zu, das außerdem noch für den Doppelsieg des Belgiers Didier van Keymeulen und des Türken Kenan Sofuoglu im 1000-cm3-Superstock-Cup der internationalen Motorradsport-Föderation FIM verantwortlich zeichnete.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Theo Hoffmann, bis zuletzt für das Straßenrennsport-Engagement der deutschen Yamaha-Vertretung verantwortlich, sich wieder verstärkt um sein angestammtes Aufgabengebiet als After-Sales-Manager kümmern soll. Die Aktivitäten in der Supersport-Weltmeisterschaft, in der die beiden australischen Piloten Kevin Curtain und Broc Parkes 2005 den Vizetitel so-
wie Platz sechs erreichten, werden mit
finanzieller Unterstützung der Yamaha-
Europa-Zentrale fortgesetzt. Beide Fahrer sowie der bewährte Teammanager Terrel Thien bleiben an Bord. Yamaha Motor Deutschland wird weiterhin Poolpartner der IDM sein und im Rahmen der Rennserie den Yamaha-R6-Cup veranstalten – der Markenpokal geht damit ins 28. Jahr seines Bestehens.
»Wir können die Augen vor den Reali-
täten des Marktes nicht verschließen«, versucht Theo Hoffmann die Entscheidung zu begründen – Yamaha Deutschland musste bei den Neuzulassungszahlen von Januar bis September 2005 im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum einen Rückgang von mehr als zehn Prozent hinnehmen. Freilich hatten auch alle anderen in der IDM vertretenen Hersteller – Honda, Kawasaki sowie Suzuki und MV Agusta – Rückschläge einzustecken, trotzdem stellen diese ihre IDM-Aktivitäten für 2006 zunächst nicht
in Frage. Ein herber Schlag, wenn ausgerechnet die Meister-Mannschaft den
Stecker zieht. Das wirft ein fahles Licht
auf den Vermarktungswert der höchsten deutschen Motorradsport-Kategorie, trifft den erfolgreichen Teamchef Galinski wie eine gänzlich unverdiente Strafe und sägt den potenziellen Nachwuchsstars Nebel, Hafeneger und Sofuoglu, der seit seinem Sieg im R6-Cup 2002 zur Yamaha-Deutschland-Familie gehört, zumindest ein, zwei Sprossen aus der Karriereleiter.
Wenn nicht mehr. »Wo sollen denn die überall gesuchten deutschen Helden herkommen, wenn nicht einmal ich als dreimaliger deutscher Superbike-Meister mit nur 24 Jahren die Chance bekomme, international weiterzumachen?« Stefan Nebel ist ziemlich verzweifelt. Er und Sofuoglu, 22, gehören in die Superbike-WM, unter Führung von Galinski oder Thien und Yamaha Deutschland wäre das auch aus deutscher Sicht ein Dream-Team gewesen. Um sich in eine andere Profimannschaft einkaufen zu können, hätten beide um
die 200000 Euro an Sponsorgeldern auftreiben müssen. Die weder in Deutschland noch in der Türkei zu finden sind. Philipp Hafeneger kann noch ein Jahr in der IDM vertragen. Das weiß er, und er wird auch ein Top-Team finden – die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen. Sie wird auf
jeden Fall gegen Yamaha sein – ziemlich sicher auch bei Nebel und Sofuoglu, wenn es denn weitergeht. Top-Vertreter der Marke wird in der IDM 2006 der Österreicher Günther Knobloch sein, der jedoch selbst unter günstigsten Voraussetzungen nur mit einer Gesamtplatzierung »zwischen drei und fünf« rechnet.
Der frühere Verkaufsleiter Jost Schaper ist jetzt für das Tagesgeschäft im Motorsportbereich von Yamaha Motor Deutschland zuständig. Schaper hofft noch auf
die Realisierung eines »Plan B«: »Ich ver-
handele noch mit externen Sponsoren, die uns helfen könnten, das Budget für ein eigenes IDM-Team auf die Beine zu stellen.« Aber auch er ist sich im Klaren darüber, dass die Zeit zu knapp sein könnte, seine bisherigen Top-Athleten zu halten. abs

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