Ihre Meinung (Archivversion) Was halten Sie von Bioethanol-Sprit E 10?

Umfrage aus MOTORRAD 6/2008

Ugur Bator
Für mich ist das Geldmacherei. Allein die Herstellung von Biosprit ist ein ökologischer Reinfall. Demnächst wird den Bauern dann wohl vorgeschrieben, nur noch Weizen, Mais und Rüben anzu-pflanzen, Kartoffeln werden importiert. Wir haben‘s ja. Komplett vergessen scheint übrigens, dass man uns mal Mobilität zur Sicherung unserer Arbeit predigte.

Dieter Neuschütz, Oberuzwil, CH
Bioethanol aus Nahrungs- und Futtermitteln ist wegen des intensiven Ein-satzes von Dünger alles andere als »grün« und ethisch mehr als bedenklich. In einer globalen Wirtschaft bedeutet dies noch mehr Hunger auf der Welt. Eine unheilige Allianz aus Bauernlobby und Politikern hat den Biokraftstoff-Hype erzeugt. Zukunftsfähiger sind Kraftstoffe aus Zellulose.

Annette Bahn alias Missy D, Stuttgart
Prestige-Umweltschutz auf unsere Kosten: nein danke! Nach Feinstaub-Plakette jetzt Biosprit: beides Vorschriften, die ältere Fahrzeuge aus dem Verkehr nehmen oder teuer machen. Das kommt doch der Industrie entgegen und der Staatskasse gleich mit. Wenn sich Deutschland unbedingt umweltpolitisch brüsten will, dann bitte umsonst für den Bürger: Plaketten, ASU und so weiter kostenfrei anbieten. Was soll die Abzocke? Und noch was: Unsere Erde hat Jahrmillionen der Veränderungen überlebt. Stich­-wort: Evolution. Stirbt der Mensch einmal aus, wird sie auch das wegstecken.

Christof Nolte, Hilden
Solange die aufwendige Produk- tion den positiven Effekt zunichte macht, halte ich von Biokraftstoffen gar nichts. Unangebracht auch: uns Bürgern per Schnellschuss den Konsum zu veror­d­-nen. Die Folgen sind vielfach nicht kalku­-lierbar, und die Zeche zahlt – wie immer! – der Verbraucher: Schäden am Fahrzeug, Mehrverbrauch, erhöhte Preise für Super Plus etc. Von der rasanten Verteuerung von Lebensmitteln ganz zu schweigen.

Ulrich Genger
Weniger wäre mehr! Nur eine Ver-ringerung des Verbrauchs hat eine positive Umweltbilanz zur Folge. Alles andere ist Augenwischerei. Aber für derlei Beschlüsse müsste unsere Politik ‘nen Arsch in der Ho-se haben und nicht den großen Egoisten.

Klaus Schlüsener, Denklingen
Pack die Tortillas in den Tank! Schon jetzt kann das Prekariat in Mexiko keine Tortillas mehr backen, weil Maismehl zu teuer ist. Warum? Die Bauern steigen auf den lukrativeren Anbau von Mais für Bioethanol um. Unsere Politiker sollten das Resthirn einschalten und zu Ende denken.

Günter Mantoan, Sundern
Sicher wird das Thema E10 jetzt etwas übers Knie gebrochen. Nur: Fest steht, Erdöl geht zur Neige, und Alternativen müssen her. Je früher, desto bes­ser.

Wolfram Heinz, Gaggenau
Ich lehne jede Art von »Biosprit« ab! Das Verbrennen von poten-ziellen Futterpflanzen ist ökologisch blödsinnig, vor allem aber ist es pervers. Solange wir das Welternährungsproblem nicht in den Griff bekommen, gehört auf jeden verdammten Quadratzenti-meter dieses Planeten keine Rapspflanze, sondern Gerste, Weizen, Hirse...

Gerhard Gutersohn, Heroldsberg
Die Grundidee nachwachsender Energieträger halte ich für richtig, von der derzeitigen Planung allerdings nichts. Sie führt zu schädlingsanfälligen Mono­kulturen, erhöhtem Düngemitteleinsatz, Verteuerung von Lebensmitteln und ver-lockt, bisher »ungenutzte Flächen« wie Urwälder nutzbar zu machen. Ferner sei die Frage erlaubt: Wie viel mehr Energie wird von den Pflanzen erzeugt, als in der gesamten Verarbeitungskette vorher verbraucht wurde? Nullsummenspiel?

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel