Instruktoren-Tipp (Teil 26) (Archivversion) Fahren mit dem Kopf

Motorradfahren hat nicht nur mit der körperlichen Verfassung (wie Fitness, Ermüdung, Kondition), sondern auch mit der Umgebung zu tun – also mit allen Faktoren, die um uns herum sind (Motorrad, Wetter, Straße, andere Verkehrsteilnehmer).
Der dritte Faktor, der oft unterschätzt wird, ist das Mentale. Darunter versteht man, vereinfacht ausgedrückt, viele Prozesse und Zustände, die man erlebt, weil man im Kopf aktiv ist: Man nimmt etwas wahr, bewertet es, denkt darüber nach, erinnert sich oder stellt sich etwas vor. Das geschieht fortlaufend – auch beim Motorradfahren. Und davon hängt letztlich die Beherrschung des Motorrads ab. Denn nicht das Motorrad verursacht einen Sturz, weil es plötzlich erschrickt. Ebenso wenig überbremst das Vorderrad sich selbst – der Fahrer tut dies. Im Kopf fängt das an, und diesen kann man, mental, trainieren.
Das Grundprinzip des mentalen Trainings ist ganz einfach: Man muss sich nur klarmachen, dass die Vorstellungen, die man vom Bremsen oder Kurvenfahren hat, das Tun weitgehend bestimmen.
Im ersten Schritt baut man eine zweckmäßige Vorstellung dessen auf, was man zu trainieren beabsichtigt. Will man
beispielsweise das Bremsen trainieren, lässt man sich dies am besten von
einem Experten erklären. Im zweiten Schritt lernt man diese Erklärung auswendig, wie ein Drehbuch. Der Experte muss dann prüfen, ob das Drehbuch stimmt. Jetzt weiß man, wie es geht,
und übt mit dem Motorrad auf Plätzen,
bei jedem Wetter (auch bei Nässe!).
Beim praktischen Üben prüft man sein Drehbuch und passt es immer wieder
an. Dabei wird man schnell feststellen, dass die Sätze zu lang sind: Man muss
sie auf Schlagworte verkürzen – der
dritte Schritt des mentalen Trainings.
Die richtigen Schlagworte markieren die »Knotenpunkte«, also die Phasen der trainierten Handlung. In unserem Falle sind dies die fünf Knotenpunkte des Bremsens, die stets gleich sind: Knie an den Tank, beide Hebel ziehen, Arme fest, weit über das Hindernis hinausschauen, Druck spüren.
Im Laufe der Zeit bekommt man einen Rhythmus heraus und braucht keine Worte mehr. Das wäre dann der vierte Schritt
des mentalen Trainings. Mental trainieren – und das ist ein Riesenvorteil! – kann
man dann überall, auch ohne Motorrad.
Es funktioniert in der Bahn genauso
wie beim Spazieren gehen. Trainiert man das Motorradfahren mental und praktisch im ständigen Wechsel, erzielt man die besten Resultate.

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