Inter-Straßen-DM Nürburgring (Archivversion) Final Countdown

Die DM-Saison ist in der heißen Phase. Entsprechend waren die Favoriten beim drittletzten Rennen am Ring hoch motiviert.

Während in der Formel 1 nach Michael Schumachers vorzeitigem Titelgewinn Langeweile wie in der zweiten Serie von »Big Brother« droht, begann in der Internationalen Deutschen Motorrad-Meisterschaft (IDM) der Auftakt zu einer ganz heißen Schlussphase.Die Youngster der 125er-Klasse besorgten es sich beim drittletzten Lauf am Nürburgring ordentlich. Jascha Büch, der in den kommenden GP den verletzten Jarno Müller ersetzen wird, konnte seine Honda auf die Pole Position neben den 16-jährigen Tobias Kirmeier stellen, der in seinem ersten IDM-Jahr bereits in Augsburg und Schleiz gewonnen hatte. Auch Claudius Klein, Patrick Unger und Andreas Hahn gesellten sich zum Kreis der Favoriten in der blutjungen 125er-Riege.Dass Kirmeier der Kettenspanner riss und Büch wegen defekter Kupplung und einem Ausrutscher nicht ins Ziel kam, minderte die Spannung keineswegs. Denn Unger drückte sich mit einer sehenswerten Bremsaktion in der vorletzten Kurve zu seinem ersten IDM-Sieg vor Klein und Hahn. Klein führt zwei Runden vor Saisonschluss die Tabelle an vor dem Dänen Robin Harms und Kirmeier mit 28 Punkten Rückstand.Dirk Heidolf, wie Unger aus der Nähe des Sachsenrings stammend, hatte nach einem dritten, zwei zweiten Plätzen und zwei Siegen vor dem Nürburgring die Führung in der 250er-Klasse vor dem amtierenden Meister Matthias Neukirchen übernommen und war heiß auf Sieg Nummer drei. Doch es sollte ganz anders kommen. Heidolf stürzte über die Honda des Trainingsdritten Yves Polzer, eine Runde später stolperte Max Neukirchner über deren Trümmer, und Matthias Neukirchen wurde am Ende Opfer einer missverstandenen Rundenanzeige. »Als ich über die Ziellinie kam, zeigte die Rundenanzeige eine zwei. Da hat jemand wohl zu spät geschaltet. In der tatsächlich letzten Runde konnte ich den Christian Gemmel nicht mehr erwischen«, berichtete der zweitplazierte Neukirchen enttäuscht. Die spannende Ausgangslage für die letzten beiden Rennen: Neukirchen liegt einen Punkt vor Gemmel, der wiederum drei vor Heidolf. Exzellente Chancen auf seinen ersten Supersport-Titel besitzt dagegen Ex-250er-Meister Michael Schulten: Zweiter Platz am Ring hinter Gastfahrer Christian Kellner und vor dem amtierenden Meister Herbert Kaufmann. Die Supersport-Truppe von Yamaha hatte die Rennpause in der WM genützt, um in der Eifel sozusagen »unter Rennbedingungen zu trainieren«, wie es Weltmeister Jörg Teuchert ausgedrückte. Teuchert allerdings konnte lediglich mit Sprecher Bernd Fulk kommentieren, was sein Teamkollege Kellner auf der Strecke trieb. Im rechten kleinen Finger steckte noch ein so genannter Kürschner-Draht, den die Ärzte nach dem Sturz in Brands Hatch eingeschossen hatten – Start unmöglich, der WM-Titel geht vor. Dafür hatte Sieger Kellner ein prominentes Grid Girl: GP-Star Katja Poensgen.Schwerer als für Schulten wird es in den restlichen Rennen für Superstock-Titelaspirant Volker Bähr. Weil das Getriebe seiner Yamaha streikte und Claus Ehrenberger zu seinem ersten Saisonsieg fuhr, tauschten die beiden die Plätze eins und zwei in der Tabelle. »Für mich gilt jetzt: Voll auf Angriff«, schnaufte Bähr enttäuscht in der Box. Und Ehrenberger analysierte lässig: »Die Serie ist unglaublich hart, aber heute habe ich gezeigt: Es geht aufwärts. Und ich kann beruhigter in die letzten beiden Rennen gehen.« Zur Ergänzung: Markus Wegscheider wurde Zweiter, Martin Bauer aus Österreich stand als Dritter auf dem Podest.Trotz der spannenden Rennen gab es ein paar Sorgenfalten beim Veranstalter MSC Freier Grund: Offensichtlich läuft die Vermarktung der IDM-Serie immer noch sehr schleppend. So regt sich nicht nur bei vielen Teams der Unmut sondern auch der Club überlegt sich wohl, ob das nicht sein letztes IDM-Rennen gewesen sei. Knapp 4000 Zuschauer sind zur Finanzierung einfach zu wenig.

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