Internationale Straßen-DM auf dem Salzburgring/Österreich (Archivversion) Auswärtssieg

Der Steirer Andreas Meklau fühlt sich nicht zu Hause auf dem Salzburgring. Dennoch beherrschte er die Pro Superbike-DM-Rennen ohne Probleme.

Andreas Meklau ist der Nationalheld der österreichischen Motorradfans. Und dennoch sieht er selbst die Rennen zu Pro Superbike-DM auf dem Salzburgring nicht unbedingt als Heimspiel an. »Schließlich wohne ich ja in Sichtweite zum A1-Ring in der Nähe von Graz, und die Strecke, die mir am meisten liegt, ist der Pannonia-Ring in Ungarn.«Dennoch war der Deutsche Meister aus der Steiermark auf der Powerstrecke von Salzburg mit der endlos langen Bergaufgeraden schon im Training klar vorn. Und auch in den beiden Rennen ließ er die Konkurrenten über seinen Führungsanspruch nur kurz im unklaren, bevor sich der Ducati-Fahrer von seinem Erzrivalen Christer Lindholm und dessen Yamaha R7 absetzen und sicher gewinnen konnte. Noch deutlicher beherrschte Meklau das zweite Rennen. Schon aus der ersten Runde kam er vor gut 6000 Zuschauern mit anderthalb Sekunden Vorsprung zurück und ward künftig von Lindholm und den anderen kaum noch gesehen. »Es zahlt sich jetzt aus, daß wir die Doppelbelastung DM und WM auf uns genommen haben«, freute sich der Österreicher, »das bringt einen ganz erheblichen Entwicklungsvorsprung.«Lindholm war in Salzburg trotzdem reichlich verdutzt über Meklaus Dominanz nur drei Wochen nach seinen Solosiegen auf dem kleinen Kurs von Hockenheim. Doch der Schwede hatte in Österreich plötzlich noch ein ganz anderes Problem. Im zarten Alter von 37 Jahren setzte Ex-250er-Meister Michael Schulten auf seiner Schäfer-Suzuki seinen Yamaha-Konkurrenten in beiden Rennen ohne Unterlaß ganz gewaltig unter Druck.Reichte es für Lindholm im ersten Lauf noch knapp auf Rang zwei, hatte Superbike-Einsteiger Schulten im zweiten Rennen das Heft fest in der Hand, auch wenn er nach dem zweiten Platz im Ziel sehr bescheiden relativierte: »Ich bin besser durch die Überrundeten gekommen als Christer. Und die Yamaha hat zwar ein wenig besser beschleunigt als meine Suzuki, aber dafür war ich in der Höchstgeschwindigkeit oben am Berg schneller - das ist entscheidend hier in Salzburg.« Der zweifache deutsche Meister aus Schweden war etwas verwirrt ob des neuen starken Gegners. »Ich bin ziemlich sauer«, grantelte Lindholm nach dem Rennen, »aber wenn ich genau überlege, fällt mir niemand außer mir selbst ein, den dieser Zorn treffen könnte.«Bedeutend mehr Grund zum Ärger hatte Ex-Meister Jochen Schmid und die anderen Suzuki-Teams. Schmid fuhr mit seiner 1998er Werks-Kawasaki ZX-7RR in beiden Rennen im Niemandsland hinter den drei Spitzenreitern auf Rang vier. »Wir haben herausgeholt, was möglich war«, klang der Kommentar des Schwaben fast ein wenig resignativ. Darüber hinaus wurde Jochen Schmid im ersten Rennen noch von einem nicht entscheidungsberechtigten Funktionär, quasi im Vorrübergehen, des Frühstarts bezichtigt und zwischenzeitlich mit 30 Strafsekunden belegt. »So geht es ja nun wirklich nicht«, regte sich Teamchef Manfred John zu Recht auf, »zum Thema Frühstart hat nur der Startreihenposten etwas zu sagen. Und der hatte nichts beanstandet.« Die Strafe war dann auch entsprechend schnell wieder vom Tisch.Einen weiten Weg zu seinen Rängen sechs und fünf mußte Suzuki Deutschland-Fahrer Kirk McCarthy gehen. In den wenigen trockenen Minuten des Zeittrainings fing seine GSX-R 750 Feuer. Nach dem Lösch- und Reparaturarbeiten mußte er von Startplatz 19 auf die Reise gehen.Noch aufreibender waren die Abenteuer des Alpha-Technik-Trios. Im ersten Rennen eliminierte Brian Morrison sich selbst und seinen Teamkollegen Gianni Bussei gleich mit. »Vor der Schikane hatte ich Bremsprobleme. Deshalb knallte meine Yamaha in Giannis Suzuki, und wir flogen beide ab.« Ungefähr zur gleichen Zeit mußte Michael Rudroff die Alpha-Technik-Suzuki TL 1000 R mit Elektrikschaden abstellen. Das Mulitteam aus dem nahe gelegenen Rosenheim mit drei Fahrern auf drei verschiedenen Maschinen war ausgerechnet beim Heimrennen vor vielen Firmenangehörigen und Geschäftspartnern ruck zuck aus dem Rennen.Die Wiedergutmachung funktionierte leidlich. Bussei wurde in Lauf zwei Sechster vor Morrison. Und Rudroff setzte den Show-Höhepunkt des Tages. Im Kampf um Rang acht pfeilte der König vom Chiemsee im Stile eines Kamikaze-Lehrmeisters auf einer völlig wahnwitzigen Linie in der Zielkurve innen am verdutzten Jonnie Ekerold vorbei. Leider verdarb er sich dabei die Beschleunigung am Kurvenausgang und mußte den jungen Südafrikaner auf dem Weg zur Ziellinie wieder um vier Hundertstelsekunden vorlassen.Das Rennen der Supersport 600-DM wurde für das hochfavorisierte Alpha-Technik-Duo auch nicht zum erwarteten Totalerfolg. Jürgen Oelschläger und MOTORRAD-Mitarbeiter Markus Barth waren sich auf weitgehend identischen Suzuki GSX-R 600 vielleicht nicht so einig, wie sich das für Teamkollegen zumindest vor der entscheidenden Endphase gehört. Dies konnte der alte Fuchs Herbert Kaufmann auf seiner Laaks-Yamaha ausnutzen und das Rennen vor Barth und Oelschläger gewinnen. Immerhin, die DM-Führung bleibt bei Alpha-Technik. Sie wechselte wieder von Oelschläger zu Barth.Nichts Neues gab es an der Spitze der 125er und 250er DM. Klaus Nöhles und Mike Baldinger meldeten sich zurück, nachdem sie drei Wochen zuvor in Hockenheim wegen EM-Starts im niderländischen Assen gefehlt hatten - und siegten mit bekannter Überlegenheit.Das Gespann-Rennen gewann die österreichisch-schweizerische Kombination Klaffenböck/Hänni vor Setinhausen/Schmidt.

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