Internationale Straßen-DM in Hockenheim (Archivversion) Last Order

In der Internationalen Deutschen Meisterschaft fielen die Entscheidungen erst bei einem dramatischen Finale in Hockenheim.

Das Drehbuch für das spannende Finale der Inter-Straßen-DM in Hockenheim war eine Woche zuvor in Oschersleben geschrieben worden. Bei den 125ern hatte Claudius Klein nur acht Punkte Vorsprung auf den Dänen Robin Harms. In der gleichen Situation befand sich 250er-Titelverteidiger Matthias Neukirchen: Sieg in Oschersleben, zweiter Platz für Dirk Heidolf, der mit neun Punkten Rückstand hartnäckig auf seine Chance lauerte.Supersport-Favorit Michael Schulten dagegen kam mit komfortablen 23 Punkten Vorsprung auf Herbert Kaufmann ins Badische gereist, hätte aber bereits in Oschersleben »den Sack zu machen können, wenn mich Gastfahrer Christian Zaiser nicht vorsätzlich blockiert hätte«. Superstock-Leader Claus Ehrenberger war der Titel nur noch zu nehmen, wenn Volker Bähr gewinnen und er selbst ausfallen sollte. Und bei den Gespannen würde ein Sieg aus beiden Läufen – in Hockenheim wurde das in Lausitzausgefallene Rennen nachgeholt – Jörg Steinhausen und Axel Kölsch genügen.Claudius Klein machte die Sache auf seine Art perfekt. Nach Trainingsbestzeit vor Andreas Hahn und Titelkonkurrent Harms fuhr der 19-Jährige unbekümmert zu seinem ersten IDM-Sieg überhaupt, wurde neuer 125er-Meister und nahm zwei wichtige Schecks in Empfang: 10000 Mark überreichte ihm Honda-Vertreter Klaus Wilkniß aus dem Topf der Honda-Sportförderung, 12000 Mark kamen vom Juniorpokal des nationalen Verbands DMSB und der Zeitschrift Motorsport aktuell.Dramatik bei den 250ern: Neukirchen, von Platz zwei losgefahren, kollidiert im Startgetümmel mit seinem Nebenmann, weitere drei Fahrer stürzen – Rennabbruch. Neukirchens Docshop-Team fasst die zweite Yamaha aus. Heidolf kämpft zunächst um die Spitze, später um den dritten Platz. Neukirchen ist sicherer Achter, das würde mit einem Punkt Vorsprung zum Titel reichen. Der Sieger heißt schließlich Gemmel, der Zweite Palander, der Dritte Heidolf. Neukirchen ist Neunter. Das bedeutet Punktgleichheit mit Heidolf, aber dank besserer Einzelergebnisse ist Neukirchen erneut Meister. Also doch: Jubel, Freudentränen, Sieger-T-Shirts angezogen.Dann alles zurück: Heidolfs Teamchef Michael Freudenberg hatte protestiert – Neukirchens Ersatzmotorrad sei nicht durch die technische Abnahme gegangen. »Quatsch«, sagen die Mechaniker. Die Rennleitung bestätigt den korrekten Ablauf. Die Feier bei Docshop fällt dennoch bescheiden aus. Der alte und neue Meister kann sich nach der Startkarambolage vor Schmerzen kaum bewegen. Einen Tag später plante er bereits fürs Jahr 2002. »Wir steigen um in die Supersport-Klasse, mit einer Yamaha R6 und Kurt Stückle als Tuner«, erklärte Neukirchens Teamchef Stefan Prein.Das wird hart, denn dort geht es richtig zur Sache. Michael Schulten fuhr zwar nicht vorn mit, aber auf einem sicheren neunten Platz, während an der Spitze Herbert Kaufmann die letzte Titelchance mit einem Sieg versuchte. Ex-Yamaha-Cup-Sieger Rico Penzkofer, inzwischen zu einem ernsthaften Siegfahrer gereift, schlug Kaufmann mit seiner Bohnhorst-Ducati und rettete Schulten somit den Titel.Der neue Meister erreichte nicht das Ziel: »Beim Anbremsen am Ende der Querspange hatte ich plötzlich keine Bremse mehr. Es sah so aus, als wäre etwas an der Bremse weggeflogen, vielleicht ein Stück Belag«, berichte Michael Schulten nach einem Besuch im Schwetzinger Krankenhaus. »Die Ärzte wollten mich sicherheitshalber röntgen.« Die Party für Penzkofer, den Retter des Titels, war sicher.Doppelstarter Herbert Kaufmann holte sich dafür enen klaren Sieg im Superstock-Rennen. Volker Bähr wurde Dritter, und Claus Ehrenberger reichte Rang acht zur zweiten Meisterschaft in Folge. Bähr, in Oschersleben durch technischen Defekt um seine letzte Chance gebracht, freute sich dennoch wie ein kleines Kind über den Vizetitel, verpasste Teamchef Klaus Faßbender aus Versehen eine schallende Ohrfeige im Eifer des Freudentaumels. Der wiederum war happy, weil sein zweiter Fahrer Stefan Sebrich seine Punkte nach einer zweifelhaften Entscheidung des DMSB wegen einer angeblich fahrlässig gelegten Ölspur Mitte der Saison in Oschersleben behalten darf und somit Dritter im Klassement ist.Sieben Rennen, sieben Siege für Jörg Steinhausen, davon vier mit Axel Kölsch als Passagier – das ist der Maßstab in der Gespannklasse. »Wir hatten zwar das Rennen in Schleiz ausgelassen, aber ich wollte unbedingt alle IDM-Rennen, die ich fahre, auch gewinnen«, freute sich der Sohn des ehemaligen Weltmeisters Rolf Steinhausen. Derweil ging hinter den Kulissen die Diskussion um die Zukunft und den Aufbau der IDM weiter. Am Freitag tagte der in diesem Jahr neu ins Leben gerufene Industriepool zusammen mit dem DMSB und kam zu dem Entschluss, ein Konzept für die IDM inklusive TV-Berichten des Sportvermarkters Octagon, der mit der Flammini Group in der Superbike-WM verbandelt ist, ad acta zulegen. Zu teuer, mittelfristig nicht realisierbar, war intern zu hören, wenngleich ein Konzept mit Vermarktungsansätzen nach Art der WM durchaus wünschenswert wäre.Aber es sollte, so der Tenor, zunächst mit der Basisarbeit begonnen werden. Reinhard Berier, Dunlop-Reifenmann, bemerkte: »Wer ein Haus bauen will, darf nicht mit dem Dach anfangen.« Kommentar des DMSB-Generalsekretärs Dr. Kurt Engel: »Wir sollten nicht über die zehn Prozent diskutieren, die wir erreicht haben, sondern über 90 Prozent, die auf uns zukommen.« ielleicht der richtige Weg, denn wer einen kleinen Garten hat, benötigt kein großes Gerät zum Beackern. Immerhin: Fast 10000 Zuschauer hatten den Weg in der milden Herbstsonne zum Finale gefunden. Und im Januar 2002 wird die IDM die größte Medienresonanz aller Zeiten haben: im Tatort-Krimi »Bienzle und die Schatten der Vergangenheit«, der im Rennfahrermilieu spielt, unter anderem mit den Fahrern Matthias Neukirchen und Andreas Göbel in den Nebenrollen – mit einer Einschaltqoute um die zehn Millionen.

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