Internationale Straßen-DM in Hockenheim (Archivversion) Je oller, je doller

Der mehr oder weniger hoffnungsfrohe deutsche Rennsportnachwuchs bekam in Hockenheim eine Lektion von einem Dänen und drei alten Meistern.

Durch Freikartenaktionen brachten die deutschen Importeure der großen japanischen Motorradhersteller ihre Kunden in nennenswerter Zahl an die Strecke, sodass das riesige Motodrom Hockenheim mit 6000 Zuschauern nicht ganz so gespenstisch wirkte wie bei den DM-Rennen der letzten Jahren. Und das hessische Fernsehen bringt am Samstag nach der Veranstaltung eine knapp halbstündige Reportage. Die Internationale Deutsche Motorrad-Meisterschaft (IDM) berappelt sich also nach jahrelanger Agonie. Das sportliche Hauptziel der IDM-Wiederbelebung, junge, talentierte Fahrer an die internationale Spitze heranzuführen, ist in Hockenheim gründlich daneben gegangen. Ganz oben auf dem Siegerpodest standen beim zweiten Saisonlauf mit einer Ausnahme die alten Hasen.Erst 18 Jahre alt ist der 125-cm3-Sieger Robin Harms aus Dänemark. Doch der Honda-Fahrer zählt in der Achtelliterklasse bereits zu den Routiniers. Was er mit einem überlegenen Sieg trotz technischer Probleme eindrucksvoll belegte. »Nach wenigen Runden hatte ich plötzlich Schwierigkeiten mit der Gasannahme«, erinnerte sich der Sieger im Ziel, »da dachte ich schon, alles wäre vorbei. Ich musste ein paar Runden etwas langsamer fahren. Auf einmal ging es wieder einigermaßen, ich würde sagen so 90-prozentig.« Das reichte, um von Rang sieben noch auf Platz eins vor ADAC-Junior-Team-Fahrer Claudius Klein und dem Finnen Mika Kallio zu fahren.250er-Titelverteidiger Matthias Neukirchen auf seiner Yamaha, Michael Schulten als cooler Supersport-Dominator und schließlich der aus dem Vorruhestand zurückgekehrte Volker Bähr, der in heißer Aufholjagd zum Sieg in der Superstock-Klasse jagte, bildeten anschließend das Rentnertrio in den Siegerlisten.Neukirchen schnappte sich im 250er-Rennen in der ersten Runde eingangs Motodrom die Führung und entschwand seinen jugendlichen Verfolgern in unwiderstehlicher Weise. »Ja, wenn sie nicht genug Gas geben«, lachte der 37-Jährige im Ziel, »nein, im Ernst: Es war nicht sehr schwer, heute zu gewinnen.« Tatsächlich hatten die einzigen ernsthaften Gegner, Honda-Fahrer Christian Gemmel und Yamaha-Pilot Dirk Heidolf, Startprobleme und mussten sich erst aus dem Feld befreien, bevor sie Meister Neukirchen, mit Respektabstand, überhaupt sehen konnten.In einem Supersport-Rennen mit zahlreichen Ausfällen und Stürzen nahm sich Yamaha-Laaks-Fahrer Michael Schulten lange Zeit, die beiden Suzuki-Helden, Meister Herbert Kaufmann und den aus der Superbike-WM zurückgekehrten Jürgen Oelschläger, zu studieren, um dann erbarmungslos zuzuschlagen. »Am Anfang des Rennens hatte ich noch echte Reserven«, so der 38-jährige Vizemeister des Vorjahrs, »zum Schluss hin aber musste ich mich schon ganz schön lang machen, um Öli und Herbert zu distanzieren. Und die Reifen rutschten auch schon ganz schön.«Das erwartete Duell der beiden Lokalhelden im Superstock-Rennen schien zu nächst auszufallen. Meister Claus Ehrenberger, ganz in der Nähe von Hockenheim in Angelbachtal zu Hause, hielt souverän den Platz an der Sonne, während der in die IDM zurückgekehrte Ex-Grand-Prix-Star Volker Bähr aus Sandhausen nach schwachem Start erstmal Zehnter war. Dann aber trieb der Badener seine gelbe Yamaha ohne größeren Widerstand ganz nach vorn und schnappte kurz vor Schluss auch noch Titelverteidiger Ehrenberger. »Das war ein hartes Stück Arbeit, aber ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal ganz oben auf dem Podest gestanden bin«, freute sich Bähr grenzenlos.Das Gespann-Rennen wurde schließlich zur sicheren Beute von WM-Fahrer Jörg Steinhausen, der zum letzten Mal mit Co Andy Hetherington angetreten war. Der Brite, ebenfalls nicht mehr der Jüngste, will sich, nach dem er in Monza beim WM-Rennen aus dem Boot gefallen war, vom Rennsport zurückziehen.

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