Internationaler BMW BoxerCup (Archivversion)

Tage des Donners

Wo der BMW BoxerCup auftritt, beben die Boxenmauern. Zum Beispiel beim Finale im Rahmenprogramm des Bol d’Or in Magny-Cours.

Luca Cadalora war schon zu Gast, Angel Nieto, Jorge Martinez, Helmut Dähne, Philippe Coulon, Mike Edwards, Eurosport-Kommentator Jürgen Fuchs und, beim Finale im Rahmen des Bol d’Or, Dirk Raudies. Die andern Größen, 32 Fahrer aus sieben Nationen, waren dieses Jahr ständig dabei: Etwa MOTORRAD-Mann Markus Barth, Endurance-Weltmeister Stéphane Mertens aus Belgien, sein Vorgänger und Suzuki-Werksfahrer Brian Morrison aus Schottland, Ex-Superbike-Meister Andy Hofmann aus der Schweiz, Thomas Hinterreiter aus Österreich oder Fernando Cristobal aus Spanien.Die Bayern haben ihren großen Auftritt: Im Fahrerlager steht ein gepflegtes weiß-blaues Dorf, verwaltet von 30 Mann/Frau Personal für Management, Catering, Maschinen- und Pressebetreuung. An der Spitze die zwei »Macher«: Berthold Hauser, Motorsport-Chef bei BMW in München, und Axel Zimmermann, Leiter der Motorsport-Koordination. Und natürlich der Botschafter des Cups: Randy Mamola, immer gut drauf, und wenn es sein soll, auch noch fürchterlich schnell unterwegs.Das Finale des im zweiten Jahr international ausgeschriebenen Boxer-Cups in Magny-Cours hatte ein gut vorbereitetes Drehbuch. Stéphane Mertens brachte einen komfortablen Vorsprung mit, Thomas Hinterreiter und Markus Barth die gehörige Motivation, Vorjahressieger Mertens den Sieg und damit das BMW M Coupé im Wert von 53000 Euro für den Sieger abspenstig zu machen. Insgesamt liegen übrigens 225000 Euro Preisgeld im Topf. Die Chancen für Barth und Hinterreiter waren zwar eher theoretischer Natur, aber im Rennsport kann bekanntlich viel passieren.Vor allem, wenn das Reglement für die Tatwerkzeuge, BMW R 1100 S mit 98 PS und 220 Kilogramm Lebendgewicht, eng ausgelegt ist und penibel kontrolliert wird. »Chancengleichheit hat bei uns oberstes Priorität«, so Hauser, »denn nur so können wir gewährleisten, dass die Rennen nicht langweilig werden.« In diesem Jahr waren bereits sieben Fahrer aus sieben Nationen, darunter einmal Kollege Barth, ganz oben auf dem Podest gestanden, und das Finale in Magny-Cours sollte das beste Rennen der Saison werden. Mertens, ob seines Vorsprungs mental unbelastet, führte einen Pulk von sechs BMW-Rittern an, in dem Cristobal, Lagrive, Hinterreiter, Roberto Panichi aus Italien, Morrison und Hofmann um den Platz an der Sonne rauften. Hofmann, mit einem gebrochenen Finger gestartet und fürs Rennen fitgespritzt, war eigentlich schon vorher aus dem Kreis jener ausgeschieden, die als Anwärter zumindest auf eine R 1150 GS Adventure für den zweiten oder eine F 650 CS für den dritten Gesamtsieger in Frage kamen.Die Tatsache, dass Cristobal mit elf Tausendstel vor Lagrive das Rennen gewann, der wiederum drei Tausendstel vor Hinterreiter lag, spricht für die Leistungsdichte des Cups. Die Fans haben es goutiert, Cristobal, dem alten Langstrecken-Kameraden aus MOTORRAD-ACTION-TEAM-Zeiten, kullerten die Tränen über die Wange. Mertens, bereits 43 Jahre, ist routiniert genug, dass er locker mit dem sechsten Platz leben konnte. Und Hofmann, inzwischen 48, genügte ein siebter Rang für den Gesamtdritten.Den Vorwurf »Alter Herren-Cup« weist Hauser von sich: »Sicher sind ein paar ältere Fahrer dabei, aber die sind immer noch schnell.« Und der Altersdurchschnitt zwischen dem 19-jährigen Richard Cooper aus England und dem 49-jährigen Jakob Hobi aus der Schweiz liegt eher im unteren Bereich. Gastfahrer Dirk Raudies, in Magny-Cours erstmals im Sattel eines Rennboxers und mit der Onboard-Kamera unterwegs, hatte vorher im Spaß gemeint: »Ich besorge mir besser einen Masseur, der mir die Unterarme lockert, damit ich die BMW um die Kurven wuchten kann. Und außerdem muss ich mir einen anderen Fahrstil angewöhnen.«In der Tat hat die Rennerei mit der R 1100 S verstärkt mit Muskelschmalz in den Armen zu tun, und der Fahrstil hat etwas, was die Fans besonders entzückt. Der kurveninnere Zylinder darf ruhig aufsetzen, dann rutscht die Fuhre spektakulär und mit lautem Kratzen ums Eck. Nach dem Rennen grinste der Ex-125er-Weltmeister aus Biberach: »Das hat richtig Spaß gemacht. Aber gegen die Spezialisten hatte ich keine Chance.« Deswegen ist Platz 30 auch keine Schande.In Magny-Cours schloss sich irgendwie der Kreis um die Historie des Boxer-Cups, beziehungsweise die der R 1100 S. Vor fünf Jahren stand bei einem 24-Stunden-Rennen von Moto Aktiv irgendwo in einer Box ein wunderschöner Rennboxer, ein handgefertigtes Einzelstück. Berthold Hauser und ein paar seiner Kumpels, die später im legendären Boxer-Team die Langstrecken dieser Welt unsicher machten, wiegelten grinsend ab, als Fachleute meinten, so könnte später in Serie aussehen, was hier angeblich nach Feierabend im kleinen Kreis entstanden war. Tatsache ist, dass der Sport-Boxer heute dem Prototyp von damals verblüffend ähnelt, was Hauser nicht bestreitet.Auf das Engagement von BMW im Rennsport angesprochen, erklärt der Motorsport-Chef: »Die Sport-Tradition bei BMW ist hinlänglich bekannt, über Schorsch Meier, Walter Zeller bis hin zu den Erfolgen bei der Rallye Paris-Dakar. Nach dem Ausstieg aus der Dakar fühlten wir uns dem Motorsport weiterhin verpflichtet und wollten mit einem charakterstarken Cup diese Dynamik BMW-typisch präsentieren und mit Emotionen ans Werk gehen. Mit den Einsätzen hauptsächlich im Grand-Prix-Sport und in der Endurance-WM haben wir eine optimale Plattform gefunden.«Der Wegbereiter hierzu war Motorsport-Koordinator Axel Zimmermann, der seit Jahren dafür gesorgt hatte, dass BMW zumindest auf vier Rädern bei den Grand Prix präsent ist: Die Pace Cars stammen samt und sonders aus Bayern. Die Idee des Cups ist allerdings so neu nicht: Jean-Michel Cavret, BMW-Direktor von Frankreich, rief bereits 1999 einen nationalen Cup ins Leben, ebenso seine belgischen Kollegen. Die Folgen davon donnern nun im zweiten Jahr über die internationale Bühne.Im nächsten Jahr erfährt der BoxerCup eine weitere Aufwertung: Bei der Speedweek in Daytona Anfang März (siehe Kasten Seite 179) gastieren die Donnerbolzen erstmals in den USA. Bis dahin wird sich die Miene von MOTORRAD-Mann Markus Barth wieder aufgehellt haben. Der nämlich verließ zerknirscht das Fahrerlager in Magny-Cours. Selbst die Darbietung seines Freundes Fernando Cristobal, der bei der Siegerparty dem Hinterreifen eines C1-Rollers auf der Tanzfläche den Garaus durch Burnout bereitete, konnte ihn nicht richtig zum Lachen bringen. Im Rennen hatte er, zumindest den dritten Gesamtrang vor Augen, mit defektem Getriebe an die Box und mit dem undankbaren vierten Platz Vorlieb nehmen müssen.»Aber«, erklärte Barth, »das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Nächstes Jahr hole ich mir den Sieg. Ein neues Auto kann ich gut gebrauchen.“
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BMW-Boxer-Cup-Finale (Archivversion)

Ergebnisse 8. Lauf Bol d´Or1. Fernando Cristobal, E2. Matthieu Lagrime, F3. Thomas Hinterreiter, A4. Roberto Panichi, I5. Brian Morrison, GBEndtand1. Stéphane Mertens, B, 1172. Thomas Hinterreiter, A, 1023. Andy Hofmann, CH, 904. Markus Barth, D, 855. Fernando Cristobal, E, 84

BMW-Boxer-Cup-Finale (Archivversion)

Termine 2003Der BMW Boxer-Cup 2003 umfasst neun Läufe: Start ist bei der Daytona Speedweek am 9./10. März. Geplant sind weitere acht Läufe in Europa, davon fünf im Rahmenprogramm der Grand Prix, zwei bei der Endurance-WM und einer bei der Superbike-WM in England. Die Termine stehen allerdings noch nicht endgültig fest. Als Veranstaltungen stehen zur Debatte: Donington/GB (SBK-WM), Assen/NL, Sachsenring, Catalunya/E, Mugello/I (GP), Oschersleben, Spa-Francorchamps/B (Endurance). Die genauen Termine, weitere Informationen und Teilnahmebedingungen erfahren Sie unter www.bmw-motorrad.de

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