Interview (Archivversion)

Herr d’Antin, warum haben Sie Alex Hofmann nach dem Portugal-GP entlassen?
Luis d’Antin: Wenn ein Pilot sagt, dass er keine Motivation hat zu fahren und im Rennen aufgibt, dann ergibt es weder fürs Team noch für Sponsoren und Hersteller irgendeinen Sinn, so weiterzumachen. Meiner Meinung nach muss ein Fahrer zu allererst professionell sein. Das ist das Prinzip, die Basis. Außerdem: Wie soll ich einem Mechaniker, der bis nachts um zwölf schuftet, erklären, dass ein Fahrer mit einem Motorrad und mit Reifen, mit denen ein anderer die WM gewinnt, nicht genügend Motivation hat?
Alex Hofmann: Was die Motivation angeht, kann man festhalten, dass ich das Motorrad seit 2006 für dieses Team immer ins Ziel gebracht habe, unabhängig davon, ob es gut oder schlecht vorbereitet war. Das war speziell im letzten Jahr ein harter Job. Auch wenn man bedenkt, wie schnell ich diesen Sommer nach einer schweren Verletzung zurückgekommen bin, für die ich nichts konnte, ist es fehl am Platz, von mangelnder Motivation zu reden.Bei der Frage, warum ich in Portugal an die Box gefahren bin, muss man sich die Umstände vor Augen führen. Es ist Fakt, dass mein Einsatzmotorrad mit den passenden Reifen in der Aufwärmrunde kaputtging. Es ist ebenfalls Fakt, dass ich darauf auf das Ersatzmotorrad umgestiegen bin und mit erheblichem Rückstand aus der Boxengasse versucht habe, den Anschluss zu gewinnen. Dabei stand ich mit zu weichem Hinterreifen von vornherein auf verlorenem Posten, bin aber trotzdem elf Runden lang gefahren, obwohl die Gegner schon nicht mehr in Sicht waren. Mir deshalb mangelnde Motivation vorzuwerfen, ist nicht fair und rufschädigend. Zumal ich letztes Jahr für das Team auf Dunlop alle Rennen zu Ende gefahren bin, zum Teil, als schon die Karkasse durchschien und alle Techniker gesagt haben: Hey Junge, das war sehr gefährlich. Schlimmstenfalls hätte mich d’Antin nach dem Rennen verwarnen können, so eine Vorgehensweise hätte ich akzeptiert. Doch mich gleich auf die Straße zu setzen, ist inakzeptabel. Ich will die Saison für mein Team zu Ende bringen und werde mit diesem Ziel rechtliche Schritte einleiten.

War nach dem Rennen in der Box überhaupt von »mangelnder Motivation« die Rede?
Luis d’Antin: Als Hofmann unserem Pressesprecher erklärt hat, er habe nicht genügend Motivation, haben wir ihm empfohlen, sich noch einmal zu überlegen, was er sagen will, denn das waren harte Worte. Er hat explizit deutlich gemacht, dass er es genau so sagen will, und dass wir es genau so in der Team-Presseerklärung veröffentlichen sollen.
Alex Hofmann: Es stimmt, dass ich verständlicherweise im ersten Frust und in meiner ersten Enttäuschung die Sache nicht richtig rüberbringen konnte. Dabei wurde gewiss auch gesagt, dass es unter diesen Umständen schwer ist, die nötige Motivation aufzubringen. Ich habe das Team gebeten, es so formulieren, wie es das für richtig hält, da ich zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr enttäuscht war. Ich habe den Text nicht überprüft – das war im Nachhinein ein großer Fehler. Stattdessen wurden meine Worte aus dem Zusammenhang gerissen. Man hat sich auf diesen einen Satz gestürzt – denn ein Interesse, die Sache partnerschaftlich zu klären, bestand bei d’Antin anscheinend überhaupt nicht mehr.

Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet. Ist eine einzige Rennaufgabe wirklich ein Kündigungsgrund?
Luis d’Antin: Meine Antwort bleibt gleich: Welchen Sinn ergibt es, für den Rest des Jahres mit einem Piloten weiterzumachen, der aufgibt und erklärt, er habe keine Motivation? Für seine Sicherheit und die Interessen des Teams ist es besser, wenn er nach Hause fährt und sich einem anderen Beruf zuwendet. Das mag hart klingen, doch man muss realistisch sein. Das ist genau wie bei den Fahrern, die in Wirklichkeit Angst haben. Es hat keinen Sinn, das Leben zu riskieren, wenn du nicht genügend Leidenschaft dafür hast. Ich musste auch an meine Verantwortung gegenüber den Sponsoren und dem Team denken.
Alex Hofmann: Das Beste an der ganzen Geschichte ist: Ich hatte nach dem Rennen nochmals ein Gespräch mit d’Antin. Dabei erklärte ich, dass ich alle Motivation dieser Welt habe, weiterzukämpfen und daran anzuknüpfen, wo ich vor der Verletzung war. Dass ich mich darauf freue, in Japan, Australien und Malaysia anzutreten und den jüngsten Rückschlägen davonzufahren. Die Lederkombis waren bereits verpackt und ich war bereit für den Flug nach Japan. Danach habe ich von ihm persönlich nie mehr etwas gehört. Daraus kann ich nur schließen: Er wollte mich nicht mehr.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel