Interview (Archivversion)

Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland e.V., nimmt Stellung zur EU-Abgasrichtlinie

Das EU-Parlament hat kürzlich für eine neue Abgasrichtlinie für Motorräder gestimmt. Wie beurteilen Sie diese Grenzwerte?Aufgrund der Notwendigkeit, verbindliche Grenzwerte rechtzeitig festzuschreiben, um so der Industrie einen eindeutigen Bezugspunkt für Entwicklung und Produktion zu geben, hat das Parlament beschlossen, den in Brüssel ausgehandelten Kompromiss zu übernehmen. Die Grenzwerte für Euro-2 stellen eine deutliche Reduktion der Schadstoffemissionen dar. Die Kohlenmonoxide werden beispielsweise um zirka 60 Prozent gegenüber der Euro-1 verringert.Ab dem 1.1. 2006 sieht dieser Entwurf vor, den Pkw-Fahrzyklus einzuführen. Ist das eine Hürde, die zu schaffen ist?Der europäische Herstellerverband ACEM hat bereits erklärt, dass der 1 01. 2006 als Zeitpunkt für die Festschreibung der Euro-3 Stufe im Grundsatz akzeptiert wird. Der neue Testzyklus wird mehr dynamische Anteile und höhere Geschwindigkeiten enthalten als der aktuelle ECE-R-40. Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch weder die Festschreibung der Grenzwerte erfolgt ist, noch der neue Testzyklus endgültig definiert wurde, lassen sich auch noch keine Aussagen über die technische Umsetzung treffen.Auf Initiative des Umweltbundesamts wurden jetzt auch Verdunstungsmessungen an Motorrädern vorgenommen, um auch dort zu Grenzwerten zu kommen. Können Sie damit leben?Im Bereich der unverbrannten Kohlenwasserstoffe kommt es allein durch die Euro-2 zu einer Verminderung der Belastung auf ein Zehntel. Darüber hinaus hat das EU-Parlament der Kommission in das Lastenheft geschrieben, das Verdunstungsverhalten von Motorrädern zu überprüfen und Vorschläge zur Begrenzung vorzulegen. Die europäische Industrie und deren Verband werden in diesen Prozess sicherlich eingebunden.Schließlich hat die Bundesregierung beschlossen, eine periodische Abgasuntersuchung für Motorräder einzuführen. Wie stehen Sie dazu?Der IVM arbeitet bei der inhaltlichen Ausgestaltung dieser Abgasuntersuchung aktiv mit und kann hier die kompetente Erfahrung der Branche einbringen.Wie wird der IVM seine Mitglieder in Zukunft beraten, was die strenger werdenden Schadstoffvorschriften angeht?Eine Hauptaufgabe des IVM liegt darin, sich für vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen einzusetzen. Stufen zur Emissionsreduzierung müssen realitätsnah und von allen Herstellern umsetzbar sein. Vor allem müssen sie rechtzeitig festgelegt werden, da Fahrzeugentwicklungszeiten bis zu fünf Jahre betragen können.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote