Interview (Archivversion)

Guzzi-Käufer Ivano Beggio, 55, (links mit Guzzi-Verkäufer Gianni Bulgari) über die Zukunft von Moto Guzzi.

Herzlichen Glückwunsch zum Kauf von Guzzi. Was haben Sie jetzt mit der Marke vor?Einen Relaunch natürlich. Guzzi hat viel Potenzial, es fehlen Geld und Innovationen. Aber mit den richtigen Leuten am richtigen Platz und einer neuen Modellpalette bringen wir dem Guzzi-Adler das Fliegen wieder bei.Werden die Guzzi-Motorräder künftig im Aprilia-Werk produziert? Nein, das stand nie zur Diskussion. Guzzi bleibt in Mandello. Wir wollen keine Wiederbelebung des Namens, sondern wirklich der Marke, und da gehört das Werk dazu.Warum haben Sie Guzzi gekauft?Ich möchte der wichtigste und größte europäische Motorradhersteller werden. Das geht natürlich auch nur mit einer Marke, aber bei der muss dann wirklich alles stimmen: Produkt, Tradition, Mythos. Und Aprilia hat zwar gute Produkte und viele Erfolge im Rennsport, aber eben keine 80-jährige Geschichte wie Guzzi. Um sich so etwas zu schaffen, gibt’s nur zwei Möglichkeiten: Entweder man wartet diese 80 Jahre ab, oder man kauft eine historisch bedeutende Marke. Da ich ungeduldig bin, habe ich mich fürs Kaufen entschieden. Das ist natürlich ein Risiko, aber schließlich will ich alle anderen europäischen Hersteller überholen ­ nur eben nicht mit einer einzigen Marke, sondern mit einem Pool.Wird in diesem Guzzi-Aprilia-Pool Technologie und Manpower ausgetauscht? Wie viele Leute schicken Sie vom Aprilia-Sitz in Noale nach Mandello?Nur ganz wenige, vielleicht zwei oder drei Leute in Schlüsselposition. Das ist schließlich keine feindliche Übernahme. Den Relaunch der Marke soll Guzzi selber machen. Aprilia liefert das Know how und auch ein paar Ideen, sozusagen als eine Art Supervisor für Guzzi. Aber je früher Guzzi autonom arbeitet, desto besser.Aber Sie werden doch sicher nicht zwei komplett getrennte Strukturen aufbauen?Nein, wir werden natürlich zusammenarbeiten und Synergien da nutzen, wo es sinnvoll ist. Etwa bei den Zulieferern. Guzzi macht viel zu viele Teile noch selbst. Das gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben in Mandello: den Produktionszyklus zu optimieren.Was ist mit den Motoren? Werden die weiter in Mandello gebaut?Natürlich. Guzzi braucht neue, moderne Motoren und kann dafür die Technologie von Aprilia nutzen, denn wir haben in Noale ein nagelneues, hochmodernes Forschungs- und Entwicklungszentrum für Motoren, das rund 60 Millionen Mark gekostet hat.Was passiert mit der Guzzi-Niederlassung und dem Händlernetz in Deutschland?Ich möchte es noch mal betonen, Guzzi soll und wird autonom bleiben. So wird die Marke auch ein eigenes Händlernetz haben, das von Aprilia unabhängig läuft. Natürlich wird es dann auch Händler geben, die beide Marken vertreiben, aber das ist kein Muss.Wann hoffen Sie auf die ersten positiven Guzzi-Bilanzen?Wenn alles gut läuft, schon in etwa fünf Jahren. Und in sechs oder sieben Jahren sollte Guzzi 20 000 bis 25 000 Motorräder pro Jahr produzieren. Es dürfen aber auch gern mehr sein. Was werden das für Motorräder sein?Im klassischen Guzzi-Stil, wir wollen die Tradition schließlich hoch halten. Aber mit moderner Technik.

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