INTERVIEW (Archivversion) «Kann nur hoffen, daß Lacher aufhört“

Pit Beirer feierte mit zwei fünften Plätzen einen gelungenen WM-Einstieg

? Zunächst mal Gratulation für den gelungenen WM-Einstand 1997. Dennoch hat Viertelliter-WM-Neueinsteiger Tortelli auch Sie in die Schranken gewiesen. Können sich die arrivierten 250er WM-Piloten inklusive Ihnen selbst mit dieser Situation so einfach abfinden?Natürlich geben wir jetzt nicht alle auf. Doch Tortelli hat in der Tat frischen Wind in die Viertelliter-WM gebracht. Er geht als ehemaliger 125er Fahrer noch agiler mit dem Motorrad um als wir. Er benutzt völlig andere Linien. Ich habe das auch versucht, als ich ihm im zweiten Lauf kurz folgen konnte, doch mir ging nach zwei Runden die Puste aus. Er muß eine gewaltige Kondition haben, zumal ich sicher nicht als konditionell unterentwickelt gelte.? Dieser Ruf geht Ihnen tatsächlich voraus. Wie bereitet sich denn ein Profi-Crosser körperlich auf eine Saison vor? Ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal die Vorbereitungs- von der Wettbewerbsphase getrennt. Im Dezember und Januar stand Sport total auf meinem Programm. Morgens eineinhalb Stunden Laufen und eine Stunde Gymnastik, mittags zwei Stunden Aerobic plus zwei Stunden Krafttraining mit leichten Gewichten. Und das jeden Tag. Nun in der Saison beschränke ich mich, dieses Niveau mit zwei Stunden Sport täglich zu halten.? Glauben Sie wirklich, daß sich auch andere Crosser so verausgaben?Stefan Everts und Marnicq Bervoets schon. Die anderen tun wahrscheinlich nicht so viel. ? Dennoch haben sich, zumindest was das Material betrifft, die Dinge zum Besseren gewendet. Sie erhalten in diesem Jahr Teile der Honda-Rennabteilung HRC.Ja, mein Teamchef Paul Kasper und Honda Schweiz haben das ermöglicht. Genaugenommen sind das nur Federungsteile von Showa. Wir haben drei Werksgabeln und auch drei Stoßdämpfer erhalten. Dieses Material ist ein Traum. Die Abstimmung paßt perfekt, und auch Ersatzteile sind in rauhen Mengen vorhanden. Allein für die Gabeln erhielten wir beispielsweise 200 Laufbuchsen. ? Und Motorenteile?Demnächst sollen wir auch drei Motoren von HRC erhalten. Wann wir die bekommen, steht aber noch nicht fest. Darüber mache ich mir allerdings wenig Sorgen. Mein Tuner Werner Schwärzel hat auch das Serienmaterial im Griff. Ich verliere auf die beiden HRC-Werksfahrer Stefan Everts und Joakim Karlsson keinen Meter. Da brennt nichts an.? Apropos Team. Sie arbeiten fast seit dem Beginn Ihrer Karriere mit denselben Leuten zusammen. Das ist in der Szene eher unüblich. Könnte neues Blut in der Mannschaft nicht das letzte Quentchen dazu beisteuern, das Ihnen zum Weltmeister fehlt?Ich sehe keinen Grund, irgendwen aus unserer Truppe zu ersetzen. Was wir bräuchten, wären vielleicht zwei Leute zusätzlich. Jemand, der mich bei der Spurenwahl beraten könnte, und jemand, der bei der Abstimmung des Fahrwerks behilflich wäre. ? Letztlich eine Konstellation, wie sie im Team von Sébastien Tortelli besteht.Genau. Er hat mit seinem Berater, dem ehemaligen Weltmeister Jacky Vimond, einen gewaltigen Trumpf im Ärmel. Er ist der Mann, der Tortellis Fahrstil geformt hat. Daß sein Teamchef und Tuner Jan de Groot erstklassige Fahrwerks- und Motorabstimmungen erarbeitet, ist ohnehin bekannt. ? Gibt´s in Pit Beirers Truppe Überlegungen, diese Lücke zu füllen?Überlegungen schon. Nur wer ist dazu fähig? Ich kann nur hoffen, daß Dietmar Lacher früh genug seine Karriere beendet. Er wäre mit seinem Fahrstil und seiner Erfahrung für diese Aufgabe Gold wert. Doch Didi wird sicher noch ein, zwei Jahre fahren - leider.

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