Interview (Archivversion) «Die Richtlinie schützt den Verbraucher“

Klaus Dittmar, 48, Leiter des Prüflaboratoriums Fahrzeugtechnik beim TÜV Hannover

?Eine Homologation kann, wenn die EU-Betriebserlaubnis in Kraft tritt, in allen Mitgliedstaaten durchgeführt werden. Wie bereitet sich der TÜV auf diese Konkurrenz vor?Wir haben in unserem Prüflaboratorium in Hannover die Infrastruktur geschaffen, um schnell, flexibel, termintreu und mit hoher Qualität zu angemessenen Preisen Gutachten zu erzeugen, die zu protestsicheren Genehmigungen führen. Für den Kunden, der den Preis an die erste Stelle setzt, sind wir nicht der richtige Partner, weil wir nicht mit ausländischen technischen Diensten konkurrieren können, die staatlich subventioniert werden.?Wie denken Sie über die neuen Lärm- und Emissionsgrenzwerte?Sie spiegeln den Stand der Technik wider. Aber ich möchte kein Hehl daraus machen, daß die Fahrzeuge nicht ganz so leise sein müssen, wie es in Deutschland derzeit schon aufgrund der bestehenden Regeln gefordert ist. ?Wie beurteilen Sie die Aufhebung der Reifenbindung?Ich habe große Sicherheitsbedenken gerade wegen der in Deutschland nicht geltenden Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung. Es gibt ein gerüttelt Maß von modernen Reifenkonstruktionen, die sich mit bestimmten Fahrzeugtypen nicht vertragen. ?Was halten Sie vom Antimanipulationskatalog? Der deutsche Antimanipulations-Katalog, der dem europäischen ähnelt, hat hierzulande zu keinen Schwierigkeiten geführt. Fahrzeuge über 125 cm³ sind ohnehin nicht betroffen. ?Wie denken Sie über die Befürchtungen der Verbraucherverbände?Ich teile sie nicht. Ein Nutzmotorrad der kleinen Klasse wird durch EU-Vorschriften langfristig nicht teurer. Wir müssen aber alle miteinander darauf achten, daß die Vorschriften nicht derartig abgefaßt werden, daß dem Fahrer der Spaß am Motorradfahren vergeht. Ich kann bei den derzeitigen harmonisierten Richtlinien jedoch keine solche Gefahr erkennen. Wir haben in Deutschland einen technischen Standard, bei dem es nicht zu höheren Anforderungen kommt. Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß es auf dem Weltmarkt Fahrzeuge gibt, die die Anforderungen nicht erfüllen. Letztlich dient die Richtlinie dem Schutz des Verbrauchers und ist keine Gängelung.

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