Interview (Archivversion) «Die Fahrer haben Angst“

Der zehnfache deutsche Trialmeister Felix Krahnstöver über die Risiken des Hallentrials

? Im Laufe des Koblenzer Hallentrials brachen sich zwei Fahrer die Knochen, darunter der deutsche Meister Jens ter Jung. Andere erlitten Stauchungen und Schürfwunden. Material ging auch einiges zu Bruch. Muß Hallentrial so gefährlich sein?Natürlich nicht. Doch die Fahrer werden von Jahr zu Jahr besser, so daß die Veranstalter mit dem Schwierigkeitsgrad der Sektionen nachziehen müssen.? Dennoch, nicht nur in Koblenz sind die Sektionen bis zu fünf Meter hoch gebaut. Kann da nicht ein kleiner Fahrfehler zu einem schlimmen Absturz führen?Das Publikum verlangt ganz klar nach spektakulären Sektionen. Da kommen Kletterpartien immer gut an. Die Höhe ist es auch nicht, welche eine Sektion gefährlich macht, sondern das nicht vorhandene Umfeld. Es ist kein Platz zum Abstützen da. In bestimmten Situationen dürfen Fahrfehler einfach nicht passieren.? Aber doch nicht ohne Netz.In den deutschen Hallentrials sind an den kniffligen Punkten Helfer postiert. Gegenüber ausländischen Indoor-Trials, wo die Fahrer auf sich allein gestellt sind, geht es bei uns noch human zu. Das eigentliche Problem liegt aber darin, daß nur diejenigen runterfallen, die nur selten Hallentrials bestreiten. Durch die fehlende Übung haben die Fahrer schlicht und einfach Angst vor den Sektionen.? Wäre die logische Konsequenz dann nicht , zumindest auf DM-Niveau auf die extremen Sektionen zu verzichten?Das wird bei Hallen-DM-Veranstaltungen auch so gemacht. Das Problem sind nur gekoppelte Indoor-Trials wie hier in Koblenz, wo am ersten Tag die DM-Piloten starten, und am zweiten Tag internationale Cracks antreten. Da hätte der Veranstalter für die DM-Fahrer einige Hindernisse weglassen oder entschärfen müssen.? Themawechsel. In den letzten Jahren sind hierzulande einige Hallentrials verschwunden. Ist das nicht schlecht für den Trialsport?Es gibt nun zwar nur noch vier Indoor-Trials in Deutschland. Doch das sind diejenigen, die ein gutes Niveau haben. Der Rest fiel gewissermaßen einer natürlichen Auslese zum Opfer.? Auch der nicht mehr ausgetragene Weltcup-Lauf in Sinsheim?Da klemmte es eindeutig an der finanziellen, nicht an der sportlichen Seite. Wie ich gehört habe, mußten die Organisatoren pro Veranstaltung an die 100 000 Mark zuschießen.? Dennoch sind die Hallentrials relativ gut besucht. Profitiert auch der Trialsport im Freien von der Publicity des Indoor-Trials?Ich sage es mal so: Wenn jemand in den Zirkus geht, kauft er sich nachher nicht unbedingt einen Elefanten. Im Hallentrial ist das genauso. Was die Cracks zeigen, kann von niemandem mehr nachvollzogen werden. Dadurch werden junge Leute nicht zum Trialfahren animiert. ? Wem bringen die Hallentrials dann etwas?Dem lokalen Veranstalter, das heißt dem örtlichen Trialclub, der meist noch ein Trialgelände im Freien betreibt und durch die Publicity seines Hallentrials bei den örtlichen Behörden sicherlich auf etwas mehr Verständnis bei der Genehmigung seiner Freiland-Trials stößt.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote